Dichter Nebel liegt über dem Maintal, als rund 40 Fachleute ihre Arbeit am Samstag pünktlich um 6 Uhr früh beginnen. Jeder Handgriff muss sitzen, denn es ist ein besonderer Tag. Die Behelfsbrücke für den Mainübergang bei Horhausenwird eingeschwommen und an ihre endgültige Position gebracht, damit der Verkehr auch während der weiteren Bauarbeiten reibungslos fließen kann.

Stabbogen nennt man das Tragwerk, das nun über den Main gelegt wird. Rund ein Vierteljahr dauerten die Schweißarbeiten an Land auf dem Vormontageplatz an, ehe die Konstruktion fertig war. Mit 100 Metern Länge, 17 Metern Breite und 15 Metern Höhe ist das kein alltägliches Bauwerk. Eine Arbeitsgemeinschaft der Firmen Adam Hörnig, MCE und Glöckle verwirklichte das Vorhaben.

Keine Pfeiler mehr

Mit ihrer Bogenkonstruktion überspannt die Brücke den Main als Bundeswasserstraße stützenfrei. Eine Anprallsicherung für Schiffe, wie es etwa bei Brückenpfeilern erforderlich wäre, ist damit nicht notwendig.

Aufgesetzt auf jeweils zwei KAMAG-Schwerlastwägen an den beiden Seiten wurde das Brückenteil in Bewegung gesetzt. Immerhin stolze 1200 Tonnen galt es hier zu transportieren. Die Schwerlastwägen haben 16 Achsen, die sich mit einer Fernbedienung in alle Richtungen steuern lassen. Mit einem Knopfdruck drehen sich die Räder auch im Stand. So wurde das eine Ende des Bauwerks auf große Pontons gefahren, die ein Schubschiff auf dem Main Richtung Westen schob.

Das ganze Szenario dauerte etwa eine Stunde. Eine strom- und schifffahrtspolizeiliche Genehmigung sorgte dafür, dass der Baustellenbereich für den Schiffsverkehr gesperrt war. Die Strompolizei postierte sich mit Booten vorsichtshalber zusätzlich an den beiden Anfängen der gesperrten Strecke.

Exakt im Zeitplan

"Das ist pure Technik, die begeistert!", sagte Joachim Dietz, der Abteilungsleiter Brückenbau beim Staatlichen Bauamt Schweinfurt. Insgesamt liegt man mit dem Brückenneubau perfekt im Zeitplan. Das Einschwimmen konnte sogar exakt an dem Tag verwirklicht werden, den die Planungen vorgaben. Auch bei dem Transport des Stahlbogens zum Bestimmungsort klappte alles einwandfrei, so Dietz. Es gab keinerlei Probleme oder unvorhergesehene Ereignisse. Freilich unterstütze das perfekte Wetter mit Windstille und einem ruhigen Main den reibungslosen Ablauf. Auch der Nebel beeinträchtigte die Arbeiten nicht.

Zum Schluss musste die Behelfsbrücke noch an einer Seite befestigt werden. Auf der anderen Seite muss sich die Brücke bewegen können, erklärte Dietz: "Bei einem Temperaturunterschied von 10 Grad bewegt sich die Brücke ungefähr einen Zentimeter". Deshalb gibt es auch bei jedem Brückenbauwerk die Dehnfugen an den Fahrbahnübergängen.

Um größere Menschenansammlungen während des zur Zeit herrschenden Teil-Lockdowns zu vermeiden, hat das Staatliche Bauamt von dem Einschwimmen einen Livestream übertragen. Und der Plan ging auf. Insgesamt wurden auf der Youtube-Seite über 7000 Aufrufe registriert.

Hier und da waren einige Schaulustige vor Ort zu sehen, aber es gab keine Pulkbildungen. Dafür sorgte auch ein engagiertes Sicherheitsunternehmen, das mit seinen Mitarbeitern ebenfalls die Eingänge zur Baustelle überwachte. Im Einsatz war auch die Bundespolizei die unbefugtes Übertreten der nahe liegenden Gleisanlagen verhinderte.

Auch Landrat Wilhelm Schneider schaute den Livestream. "Ich danke allen Beteiligten für diese Glanzleistung", sagte er in einem Telefoninterview. Er finde es großartig, welche technischen Leistungen man heutzutage vollbringen könne.

"Jetzt muss die Behelfsbrücke noch befahrbar gemacht werden"", erklärte Joachim Dietz den weiteren Fortgang der Arbeiten. Unter anderem wird die Fahrbahn betoniert und ein Fuß- und Radweg angebracht.

Im Juli soll dann der Verkehr über das neue Bauwerk rollen können, so dass die alte Brücke aus dem Jahr 1965 abgerissen werden kann. Vorher müssen aber noch der Übergang über die Bahngleise und die Vorlandbrücke fertiggestellt werden.

Später wird die Behelfsbrücke erneut verschoben, so dass sie dann endgültig den Verkehr auf der gewohnten Strecke aufnehmen kann. Das endgültige Bauende ist für das Frühjahr 2023 vorgesehen.

Auch auf der A3 hat eine neue Monsterbrücke ihren Dienst angetreten.