Die Varroamilbe ist für jeden Imker eine Katastrophe. Die braunrote Milbe aus Asien schwächt die Bienen, verstümmelt die Brut und öffnet Bakterien und Viren sämtliche Türen. Ohne die Hilfe von Menschen überlebt ein Bienenvolk den Befall von Varroamilben nicht. Doch auch die Imker sind oft hilflos.
Die herkömmliche Bekämpfung der Milbe mit Säure hätte bisher keinen Erfolg gebracht. Im Gegenteil, sie schädige die Bienen zusätzlich. Florian Deising, Cornelia Rossa-Comes und Richard Rossa haben eine kleine Firma gegründet und stellen ihre Geschäftsidee in ganz Deutschland vor. Auch in Schönbrunn machten sie einen Stopp, um Imkern aus dem Landkreis die neue Behandlungsmethode vorzuführen. Sie nutzen die bereits bekannte, aber umstrittene Hyperthermie (Wärmebehandlung). Mit ihrer Bienensauna wollen sie diese Methode für die Praxis ausreifen. "Die Säurebehandlung ist nicht gut für die Bienen. Das ist wie eine Chemotherapie für uns Menschen", sagt Florian Desing, Geschäftsführer der Firma. Wärme sei eine schonende Alternative für die Brut und reiche trotzdem aus, den Organismus der Varroamilbe zu schädigen.

Vier Jahre Arbeit

Richard Rossa, Entwickler der Bienensauna, tüftelt seit vier Jahren daran. Er ist Ingenieur und nebenbei Imker. Die Varroamilbe bekämpfte er anfangs mit Säure, wodurch er ein ganzes Volk verloren hat. Ihm war klar: Es muss eine Alternative geben.
Insgesamt vier Prototypen hat der Ingenieur gebaut, bis er mit dem Ergebnis zufrieden war: Die Bienensauna besteht aus drei Komponenten. Vier Heizelemente mit Lüftungen sorgen für eine gleichmäßig sanfte Wärmeverteilung im Bienenstock. Langsam wird er auf 40 bis 42 Grad erhitzt. Die Varroamilbe wird dadurch unschädlich gemacht. Der Biene schade dies nicht. Ganz im Gegenteil: "Die Völker kommen durch die Wärme schneller in Gang. Das ist wie ein Energieschub für die Bienen", meint Cornelia Rossa-Comes, Mitentwicklerin der Bienensauna.
In der Front des Unterbaus befinden sich Elektronik und Steuerung. Das dritte Element der Bienensauna ist der Universalboden. Die Heizelemente und die Front werden wie eine Schublade in den Universalboden hineingeschoben. Die Brut wird dann darauf gesetzt. Die Stromversorgung der Sauna läuft entweder über ein Netzkabel oder einen Akku, je nach Einsatzgebiet der Bienensauna.

Interessierte Imker

Bernd Hermann und seine Lebensgefährtin Carola Bahnmüller stellten den Raum für die Vorführung in Schönbrunn zur Verfügung. "Mich interessiert das Thema selbst. Allein im letzten Jahr habe ich meine Bienen sieben Mal mit Ameisensäure behandeln müssen. Das kann nicht gut sein", sagt Hermann.
Der Neu-Imker Theo Flögel ist extra aus Oberelsbach nach Schönbrunn gereist, um mehr über die neue Methode zu erfahren. "Das mit der Säure geht nicht mehr lange gut und Medikamente fallen sowieso raus. Allein die Aussicht, dass dies mit Wärme funktioniert, freut mich", sagt er.
Andreas Einwag aus Ebern wollte sich die Theorie der Methode nun einmal in der Praxis anschauen. "Wenn es eine Möglichkeit gibt, die Plage zu erleichtern, dann möchte ich die gern nutzen", ergänzt er. Er denkt darüber nach, eine Bienensauna im Team anzuschaffen. "Für fünf Völker ist das eine zu große Investition. Mit anderen Imkern zusammen würde sich das eher lohnen", meint er. Eine Bienensauna kostet nämlich 1500 Euro.

Gemeinsam gegen die Milbe

Bereits über 100 Bienensaunen sind vorbestellt. Im Mai werden die Ersten gebaut und nach und nach ausgeliefert. Gemeinsam mit den Erfahrungen der Imker wollen die drei Erfinder die Wärmebehandlung immer weiter verbessern und die Software der Bienensauna verfeinern.