Zu Pfingsten noch traf die Treinfelder der Spott im Eberner Umfeld, jetzt haben die "verhinderten Pfingstbaumdiebe" aus dem Rentweinsdorfer Gemeindeteil den Spieß umgedreht und schlagen mit einem neuen Brauchtums-Coup in Richtung Heubach zurück. Sie haben einen "Schandbaum" gepflanzt, weil die Heubacher Feuerwehr den "ehrenhaft geklauten" Pfingstbaum nicht fristgerecht ausgelöst haben, wie es der Brauch verlangt.

Weithin sichtbar


So wurde ein Schandmal aus dem stolzen Stück: Auf freier Fläche zwischen Treinfeld und Treinfeldsmühle (Pickelsmühle) steht seit einigen Tagen weithin sichtbar der rot-weiß geringelten Pfingstbaum aus Heubach, allerdings ziemlich entstellt: Anstelle eines geflochtenen Kranzes prangt in 15 Metern Höhe ein alter Traktorreifen, geschmückt mit Blechdosen, einem verbogenen Ofenrohr, Strohballen und Metallgitter. Das Schild "Schandbaum" ist nicht zu übersehen, und erinnert augenzwinkernd an die kuriosen Umstände dieses Pfingstbaum-Klaus. "Die Heubacher Feuerwehr ist drauf, die lösen ihr'n Pfingstbaam net aus!", steht an den Stamm geschrieben: "Er ist ehrenhaft geklaut, nun steht er hier versaut!"
Zwischen beiden Orten, gerade mal vier Kilometer Luftlinie voneinander getrennt, durch familiäre Verbandelungen aber enger vereint, gibt es den Angaben zufolge seit Jahren schon Foppereien. Klar, dass da ein Brauch, wie der Maibaum-Klau dankbar angenommen wird.
Obendrein hatten die Treinfelder bei ihrem nächtlichen Beutezug zu Pfingsten etwas gut zu machen, nachdem sie sich vor 15 Jahren beim Maibaumklau im Datum vertan hatten. Versehentlich schlugen sie damals in der Nacht vor Christi Himmelfahrt zu, was natürlich mit keinem Brauch zu entschuldigen war. Eine Scharte, die ihnen von den Heubacher immer wieder gerne aufs Butterbrot geschmiert wird.

Von Ordnungshütern ertappt


Diesmal lief fast alles glatt, wären die Treinfelder Entführer - 13 dunkle Gestalten und ein kleiner schwarzer Hund - mit ihrer Pfingstbaumtrophäe nicht ausgerechnet einer Streife der Eberner Polizei in die Arme gelaufen. Dem nicht genug gaben die Heubacher später an, die Treinfelder hätten den falschen Baum erwischt, der morsche, alte Stamm hätte aus Sicherheitsgründen nicht mehr auf dem Dorfplatz aufgestellt werden sollen. So standen die Treinfelder einmal mehr dumm da, denn die Heubacher konstatierten: "die Treinfelder haben uns nur das Entsorgen abgenommen."
Eine Finte, wie die "Entführer" meinen, da sie herausgefunden haben wollen, dass die Heubacher erst am Tag nach dem Beutezug einen Ersatz-Maibaum geordert haben? Oder aber Tatsache, wie es die Heubacher schadenfroh behaupten? Ein Auslösen des Baumes kam für sie jedenfalls nicht in Frage.
Für den Kreisheimatpfleger Lipp steht die Frage im Mittelpunkt: "War der Baum tatsächlich noch heiß, oder handelte es sich wirklich um einen ausrangierten Pfingstbaum. Dann wäre die Aktion der Treinfelder "reiner Holzdiebstahl" und fiele nicht unters Brauchtumrecht. Dann hätten die 13 schwarzen Herren tatsächlich den "Schwarzen Peter". So aber steht Aussage gegen Aussage. "Amüsant ist das Ganze natürlich allemal ", findet Lipp, "und gehört unbedingt in die regionale Maibaum-Historie."

Versöhnung bahnt sich an


In Treinfeld und Heubach unterdessen lacht man schon wieder vereint über den Doppelstreich und hat für 15. Juni eine kleine Feier an einem gewissen Ort zwischen Treinfeld und Pickelsmühle verabredet. Und dann wird das Corpus Delicti mit vereinten Kräften zersägt.