Ebern"Tartüff" tata - Die Aufführung ist da!" - so stand es auf dem Programmzettel zu lesen. Am Mittwoch führte die Theatergruppe der Dr.-Ernst-Schmidt-Realschule Ebern unter der Leitung von Ulrich Offenwanger das Theaterstück "Tartuffe" des französischen Dichters Molière auf, das 1664 uraufgeführt wurde und von den Schülern einwenig entstaubt wurde. So war aus dem Tartuffe von damals ein zeitgemäßer "Tartüff" geworden. Wie auch schon die Jahre zuvor wurde die Bühne im Kantinensaal der Firma für die Aufführung genutzt. Die teilweise sehr aufwendigen Kostüme und das von Schülern gestaltete Bühnenbild brachte dem Ganzen große Authentizität und Wirkung.


Zur Geschichte

Madame Pernelle, glaubhaft dargestellt von Miriam Wever, und ihr Sohn Orgon (Pascal Thieme) den Pfarrer Tartuffe (Lukas Büchner) bewundern, der sich als sehr frommer
Mann ausgibt. Die Beiden sind hingerissen von dieser Persönlichkeit und wollen den Rest der Familie von seinen Qualitäten überzeugen.
Aus diesem Grund lassen sie den Pfarrer bei sich wohnen. Nach kurzer Zeit beschließt Orgon, seinen Sohn Damis (Katharina Schmidt) zu enterben und stattdessen Tartuffe seinen gesamten Besitz zu überschreiben.
Zusätzlich entscheidet er, seine Tochter Marianne (Anna Steinert) mit diesem Mann zu verheiraten. Das Mädchen ist total entsetzt über diese Neuigkeit, nicht nur, weil sie Tartuffe nicht ausstehen kann, sondern auch, weil sie in jemand anderen verliebt ist.
Dienerin Dorine, ausgezeichnet dargestellt von Jana Hornung, gefällt die Situation gar nicht und beschließt mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln die Hochzeit zu verhindern und Marianne mit ihrem Verlobten Valère (Baran Köber) zusammenzubringen. Da die Zwei schon fast aufgegeben haben, versucht Dorine krampfhaft sie zu versöhnen. Für das zahlreich erschienene Publikum ergaben sich so durchaus immer wieder lustige Szenen.
Das Herz von Tartuffe, überzeugend dargestellt von Lukas Büchner, hängt auch nicht an der jungen Marianne, sondern an Elmire (Maren Lang), der Frau von Orgon. Er zeigt seine Liebe deutlich und ist ganz außer sich, wenn Elmire in seiner Nähe ist. Diese beschließt das ihrem Gatten heimlich zu zeigen. Als Orgon sieht, was tatsächlich vor sich geht, verliert er seine Illusion in Bezug auf Tartuffe und sieht ihn nun als Heuchler und Betrüger entlarvt.
Als Tartuffe und Orgon anschließend aufeinandertreffen, stellt ihn der Gatte zur Rede und will den Betrüger aus dem Haus werfen. Tartuffe erwidert jedoch, dass er selbst nun der neue Hausherr sei. Doch Madame Pernelle, Orgons Mutter, erkennt immer noch nicht, dass Tartuffe ein falsches Spiel spielt. Erst als der von Tartuffe gesandte Gerichtsvollzieher Herr Loyal (Franziska Stetter) die Bühne betritt und mitteilt, dass Orgon und seine Familie bis zum Morgen das Haus räumen müssen, erkennt sogar die alte Dame den Betrüger in Tartuffe.


Die glückliche Wendung

Aber es kommt noch schlimmer: Orgon wird mitgeteilt, dass der König höchstpersönlich ihn aufgrund falscher Papiere verhaften lassen wolle. Doch dann wendet sich alles anders als erwartet: Während die Meute die Flucht plant, erscheint Tartuffe in Begleitung eines Polizisten. Die Familie wirft Tartuffe all seine Vergehen vor. Daraufhin verhaftet der Polizist nicht Orgon, sondern Tartuffe selbst, da dieser ein bekannter Betrüger ist, der auch schon unter anderem Namen aufgetreten ist. Damit ist auch die Schenkung rückgängig gemacht. Das Happy End wird perfekt, als Orgon die Heirat von Marianne und ihrem Verlobten Valère erlaubt.
Die Schüler ernteten für ihre gelungene Inszenierung reichlich Applaus und der stellvertretende Schulleiter der Realschule, Florian Schraud, lobte die Schauspieler für ihr Engagement. Schließlich mussten diese viel Text auswendig lernen und nicht selten auch nach dem Unterricht noch in der Schule bleiben, berichtete er. So standen zum Beispiel auch am Vatertag proben an. "Das ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich", so der Konrektor. Er bedauerte, dass viele Mitglieder der Theatergruppe schon bald die Realschule verlassen werden. Ein besonderes Lob ging auch an Ulrich Offenwanger, dem Leiter der Theatergruppe. Jule Müller