Die Fahrzeiten des öffentlichen Nahverkehrs ( ÖPNV ) sind ausbaufähig. Das ist kein Geheimnis im Landkreis Haßberge . Wer kein Auto hat, hat oft das Nachsehen. Wer eines hat, sitzt häufig alleine im Wagen.

Thomas Zettelmeier hatte es satt, sich über darüber aufzuregen. Er wollte etwas tun - und er tat es: Der Mitarbeiter der Gemeinde Knetzgau hat seine Heimatkommune zum Vorreiter in Sachen Mitfahrbänke gemacht.

Richtungsschild hoch und warten

Das Konzept der Bänke (die eigentlich keine sind, aber dazu später mehr) ist einfach: Wer mitgenommen werden möchte, klappt das Schild mit der gewünschten Zielrichtung nach oben. Dann heißt es warten. "Jetzt, mit Corona, ist es natürlich schwierig. Aber zuvor bekam ich die Rückmeldung, dass nach zehn bis 15 Minuten ein Auto anhält", berichtet Koordinator Zettelmeier.

Da die Mitfahrbänke meistens in bereits bestehende Bushaltestellen integriert sind, gestaltet sich die Wartezeit dank eines schützenden Dachs und einer Sitzgelegenheit komfortabel.

Hält ein Auto an, klärt man mit dem Fahrer das Ziel. Erscheint die Person vertrauenswürdig, steigt man ein - und klappt vorher das Richtungsschild wieder nach unten.

70 Mitfahrbänke im Landkreis

Sechs Mitfahrbänke gibt es bereits in Knetzgau. Dazu kommen insgesamt zehn weitere in den Gemeindeteilen Eschenau, Hainert, Oberschwappach, Unterschwappach, Westheim, Wohnau und Zell am Ebersberg. Im gesamten Landkreis gibt es derzeit 70 Mitfahrbänke . Laut Zettelmeier fehlen nur noch in Haßfurt und Wonfurt die Hinweisschilder.

Zuletzt wurde eine "Bank" an der Bushaltestelle in Ebelsbach (neben der Eisdiele) integriert. Darüber freut sich vor allem Ruth Frank , Bürgermeisterin in Breitbrunn. "Wir haben unsere Bank schon länger, aber die war wie eine Insel, weil uns die Anschlussbank in Ebelsbach gefehlt hat", erklärt die Bürgermeisterin und ergänzt: "Die Mitfahrbank hat bei uns noch nicht den Stellenwert wie in anderen Gemeinden. Aber ich bin mir sicher, dass sie für Einheimische und Touristen ein echter Gewinn sein kann.

Wobei der Begriff "Bank" eigentlich irreführend ist. Es sind Richtungsanzeiger, die den Wunsch mitzufahren anzeigen. Bekannt wurde das Mobilitätskonzept aber Mitte der 2010er Jahre unter dem Namen " Mitfahrbänke ". Sei es drum.

Mitfahrbänke rechnen sich besser als ein Bus

"Man muss Kompromisse eingehen", findet auch Thomas Zettelmeier. Er sah sich anfangs immer wieder mit Kritik konfrontiert: "Was soll das bringen?", " Eine Buslinie wäre viel besser ..."

Zettelmeier erklärt die Hintergründe der Entscheidung. "Die Gemeinde Knetzgau hat für die 16 Stationen insgesamt 40 000 Euro investiert. 20 000 entfielen allein auf fünf neue Haltestellen, die es noch nicht gab", führt Zettelmeier aus und ergänzt: "Wie viel Bus hätte die Gemeinde für das Geld bekommen? Einen Sprinter und einen Busfahrplan im Ein-Stunden-Takt. Nach einem halben Jahr wäre das Geld aufgebraucht gewesen", schließt er.

Finanziert werden die Mitfahrbänke über Leader-Fördermittel der Lokalen Aktionsgruppe (LAG)Haßberge.

Außerdem gut zu wissen

1. Das Mitfahren ist kostenfrei.

2. Jeder, der mitfährt, ist über die normale Kfz-Haftpflicht-Versicherung mitversichert.

3. Die Mitfahrbänke sind nicht für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren gedacht.

4. Die Benutzung läuft auf eigene Gefahr . Die Initiatoren und Betreiber übernehmen keinerlei Haftung.

Mehr Informationen zu den Mitfahrbänken in Knetzgau und der Allianz Main und Haßberge