Es ist immer spannend und humorvoll, ein Buch von Helmut Vorndran zu lesen. Genauso packend und lustig ist eine Lesung mit dem beliebten Bestseller-Krimiautor, der seine kabarettistische Laufbahn bei TBC (Totales Bamberger Cabaret) beendet hat und sich jetzt auf seine literarische Kunst konzentriert. Bei seiner Lesung am Dienstagabend beim Kulturamt Haßfurt faszinierte er mit Auszügen aus seinen Büchern.

Nach dem Alphabet

Neben der Sammlung von "Mords-Geschichten" unter dem Titel "Tot durch Franken" hat Helmut Vorndran mit "Alabastergrab", "Blutfeuer" und "Der Colibri-Effekt" drei böse, dramatische und geheimnisvolle Franken-Krimis geschrieben, die durchaus als Thriller bezeichnet werden können.

Nicht von ungefähr beginnen die Romantitel mit den Buchstaben A, B und C.
Denn der Autor, dessen kabarettistische Ader in jedem der Bücher durchschlägt, plant Fortsetzungen entsprechend der Reihenfolge des Alphabets.

So verriet er bei der Lesung in der Rathaushalle in Haßfurt, dass sein neuer Roman, der im Juni 2013 erscheinen wird, den Titel "Drei Eichen" trägt und damit die Buchstaben D und E "abdeckt". Da sein neuester Stoff für drei Bücher reichen würde, der Verlag aber nur zwei Bände genehmigte, wird "Drei Eichen" das erste von zwei Büchern einer Trilogie sein - ganz in der hintersinnigen Manier von Helmut Vorndran, der dieses Werk wieder etwas kabarettistischer und satirischer anlegen möchte. Natürlich wird der zweite Bandtitel mit den Buchstaben F und G beginnen.

"Haßfurt wird darin eine zentrale Rolle spielen", teilte er zur Freude der Zuhörer mit, "auch wenn die Haßfurter Autofahrer keinen gewichtigen Part einnehmen." Er habe ein geographisches Experiment gemacht, aus dem eben die Kreisstadt hervorging. "Die Haßfurter kommen ungewohnt gut weg", schmunzelte der Schriftsteller, nachdem er sich zuletzt mit ihnen angelegt hatte, indem er sie als schlechte Autofahrer bezeichnet hat.

Zum Inhalt des Buches wollte er nur so viel verraten: "Ich behandle ein urfränkisches Thema, an das sich noch niemand herangetraut hat." Das Schreiben verglich er mit der Architektur: "Es geht darum, wie ich ein Buch aufbaue." Dafür nehme er sich jeweils rund ein halbes Jahr Zeit. "Erst kommt die Ideensammlung, dann der Plan und dann das Schreiben", erklärte er.

Vorgehensweise

Während er bei "Der Colibri-Effekt" Anfang und Ende im Kopf hatte und den Text dazwischen erst während des Schreibens entwickelte, liegt der Fall bei "Drei Eichen" anders. "Ich habe den kompletten Rohbau, aber bis letzte Woche noch keinen Plan für den Anfang und das Ende. Nachdem ich nun aber den Beginn schon verfasst habe, bin ich wohl genauso wie meine Leser darauf gespannt, wie's ausgeht."

Doch zunächst las er Passagen aus "Der Colibri-Effekt", bevor er die Zuhörer mit Geschichten aus "Tot durch Franken" und E-Mails sowie Leserbriefen zu seinen Auftritten und Büchern und seinen Antworten darauf bestens unterhielt. Er enthielt ihnen auch nicht das Gedicht, das er mit tiefschwarzem Humor für den Krimi-Kalender 2014 des Verlags Ars Vivendi verfasst hat.

Mit den Worten: "Es ist nicht alles Blödsinn, was ich schreibe, vieles ist tatsächlich passiert, und ich habe auch manchmal ein persönliches Anliegen", trug er das Gedicht "Heilige Wandlung" vor. Darin moniert er, dass es ein unmögliches Unterfangen sei, in der Kirche etwas von unten zu verändern.

Es ging nicht mehr rund

Aber auch die Haßfurter Autofahrer gaben ihm wieder einmal eine Steilvorlage. "Da kam ich heute nach Haßfurt an einen Kreisel, vor dem ein Auto stand, nach links (!) blinkte und nur ruckelnd vorwärts fuhr. Als der Autofahrer vor mir die Lichthupe betätigt hatte, machte das Auto einen Satz und blieb stehen. Als wir an das Fahrzeug traten, sahen wir eine etwa 60-jährige Frau am Steuer, die heulte und immer wieder sagte: ,Ich kapier‘ das mit dem Kreisel net.‘ Wir haben sie also aus dem Kreisel geschoben und sind dann weitergefahren", sagte Vorndran, der sich wieder einmal in seinem Urteil bestätigt sah, "dass die Haßfurter Autofahrer die schlechtesten auf der ganzen Welt sind". Dennoch erhielt er viel Applaus für seine Lesung, die fast wie ein kabarettistischer Auftritt gewirkt und begeistert hatte.