Ganz unten standen die Sportfreunde Steinbach 2014. A-Klasse, damals die unterste Liga. Etwas musste passieren. Den Steinbachern gelang ein Glücksgriff: Trainer Stefan Seufert, immerhin beim Regionalligisten Schweinfurt 05 aktiv gewesen, fand den Weg in den Ebelsbacher Gemeindeteil. Nicht zuletzt auch, weil er hier familiär verbunden ist.

Mit ihm gelang, wovon keiner geträumt hätte: Aufstieg in die Bezirksliga 2019. So hoch haben die Steinbacher noch nie gespielt.

Das Fußballmärchen der Sportfreunde begann in der dunkelsten Stunde, direkt nach dem Abstieg. "In der ersten Saison 2014/15 war das Ziel die Meisterschaft", erinnert sich Karl Rüttinger. Stefan Seufert fand den Draht zu den Spielern, er motivierte sie. Also hoch in die Kreisklasse. Eine gute Saison 2015/2016 bremste erst die Relegation um den Aufstieg in die Kreisliga. Ein weiteres Jahr blieben die Sportfreunde am Ball - nun in der Kreisklasse. 2016/17 gelang der Mannschaft der Meistertitel: Kreisliga. Und als sollte sich wiederholen, was in den letzten Jahren passierte, scheiterten die Steinbacher in der Folgesaison als Tabellenzweiter erneut in der Relegation. "Dass wir dann heuer aufsteigen, war nicht so geplant", sagt Karl Rüttinger. In seinen 40 Jahren im Vorstand des Vereins hat er so etwas noch nicht erlebt.

Favoriten hinter sich gelassen

"Wir waren nicht der Favorit für den Aufstieg. Der TSV Knetzgau stand den größten Teil der Saison an erster Stelle", sagt Rüttinger. Bei fast jedem Spiel war er dabei, egal ob auswärts oder zuhause, so auch bei den wichtigen Spielen gegen Knetzgau und Sand. Weil die Steinbacher diese Nachbarn besiegten, treten sie nach der Sommerpause in der Bezirksliga an. Man muss sich das einmal vergegenwärtigen: Das Team aus dem kleinen Steinbach ist damit die zweitbeste Fußballmannschaft im Landkreis Haßberge. Nur noch die Erste Mannschaft des FC Sand spielt höherklassiger (nämlich in der Bayernliga).

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st diese Höhe nicht schwindelerregend? "Die Mannschaft freut sich sehr über diese neue Herausforderung und ist voller Euphorie", sagt der 65-Jährige. Die Siege haben die Burschen immer weiter angespornt. Den Erfolg, den die Fußballer in den letzten Jahren einfuhren, hat keiner erwartet.

"Ohne Stefan Seufert wäre das alles nicht passiert", sagt Karl Rüttinger überzeugt. Er habe einige gute Spieler überzeugen können zu den Sportfreunden zu kommen. Immerhin konnten sie sich hier spielerisch weiterentwickeln und es gab ein Training auf hohem Niveau. Aber Stefan Seufert hat nicht nur neue Spieler geholt. Er hat auch an dem Team gearbeitet: Die halbe Mannschaft hatte den Abstieg in die A-Klasse bitter miterlebt. Bei den Sportfreunden gibt es somit eine weitere Besonderheit, denn der Altersdurchschnitt der Spieler ist hoch. Einige kennt Trainer Seufert noch aus früherer Zeit von anderen Vereinen. "Wir haben nicht viele eigene Spieler, da wir nur ein kleines Dorf sind und nicht viel Nachwuchs da ist", sagt Rüttinger.

350 Einwohner hat Steinbach. Eine eigene Mannschaft lässt sich da nur schwer aufbauen. Sponsoren gibt es auch nicht. Die Möglichkeiten sind begrenzt. "Wir spielen größtenteils mit Spielern aus der Umgebung." Für die das Spielen in einer höheren Liga natürlich reizvoll und spannend ist. Und sie sind zu einer Familie zusammengewachsen, in die auch der Trainer stark integriert ist. Viel wird zusammen unternommen. Bei den beiden jährlichen Vereinsfesten ist es selbstverständlich, dass alle mithelfen. Das freut einen Funktionär wie Rüttinger.

Ihm ist klar: "Es geht nicht immer nur nach oben. Die Spieler haben keine drei Spiele hintereinander verloren in der letzten Saison." Sie werden sich, meint er, daran gewöhnen müssen, auch einmal wieder zu verlieren. "Erst in schweren Zeiten zeigt sich der Charakter einer Mannschaft", weiß Rüttinger.

In den vier Jahrzehnten bei den Sportfreunden hat er schon viel erlebt: 1989 spielte man ganz unten und belegte zwei bis drei Saisons den letzten Platz. Für Spieler, die aus so einer Situation heraushelfen könnten, ist da ein Verein nicht besonders attraktiv. Damals gelang es den Steinbachern, um fünf bis sechs talentierte Spieler eine Mannschaft aufzubauen.

Heute, an dieser Stelle, nach dieser Krönung möchte Karl Rüttinger die Erfahrung in Jahrzehnten vermitteln: "Man muss immer wissen, wo man her kommt." Er hat auf einer Sitzbank am Vereinsheim die Erfolgsgeschichte der Sportfreunde in einer Fieberkurve eingezeichnet - alle Auf- und Abstiege sind zu sehen.

Wie es in der Bezirksliga laufen wird, zeigt die nächste Saison. Karl Rüttinger hält den Klassenerhalt für möglich. "Und falls es nicht klappen sollte, wäre das auch kein Weltuntergang", findet er. "Hauptsache die Mannschaft und der Trainer bleiben zusammen."