Weil er seinen Stiefvater vor einer Verurteilung bewahren wollte, hatte ein 20-Jähriger in zwei Verhandlungen vor dem Amtsgericht in Haßfurt uneidlich falsch ausgesagt und damit versucht, die Ahndung einer Straftat zu vereiteln. So lautete der Vorwurf von Staatsanwalt Christopher Rosenbusch, der den jungen Mann vor dem Jugendgericht Haßfurt anklagte.

Der 20-Jährige wollte sich dazu nicht näher äußern und erklärte nur, dass seine Aussagen nicht erfunden gewesen seien. Der Jugendrichter Martin Kober kam jedoch zu der Ansicht, dass der Angeklagte sehr wohl gelogen hatte.

Er glaubte aber, "dass die Idee, vor Gericht falsch auszusagen, nicht auf Ihrem Mist gewachsen ist". Die Jugendgerichtshilfe hatte nämlich in einem Gutachten festgestellt, dass der 20-Jährige seinem Stiefvater in einer "sehr naiven Loyalität" gegenüber steht.
Deswegen verurteilte Kober den jungen Mann nur zu einer Geldauflage von 600 Euro (zu zahlen an den Kreisjugendring) und blieb damit weit unter dem von Staatsanwalt Rosenbusch beantragten 2000 Euro.

"Kein Pappenstiel"

Dennoch mahnte Kober den Angeklagten ausdrücklich, eine solche Angelegenheit nicht auf die leichte Schulter zu nehmen: "Eine falsche Aussage vor Gericht ist kein Pappenstiel." Allerdings berücksichtigte er bei seiner Urteilsbildung, "dass es für Sie nicht einfach war". Kober ging nämlich davon aus, dass der junge Mann offenbar von einem Familienmitglied dazu angestiftet worden sei, die falschen Aussagen zu machen.

Zu dem Fall: Im Februar 2012 war es in einem Haus im Steigerwald zwischen zwei Mietern zum Streit gekommen. Der artete aus: Der Mann redete sich in Rage und beschimpfte die aus dem Ausland stammende 40-jährige Frau und ihre Familie aufs Übelste. Laut deren Angaben sind rassistische Ausdrücke gefallen wie "scheiß Ausländer", "asoziales Pack" und "ihr mit eurem Negergetue". Dafür wurde der Mann im vergangenen Jahr zu einer Strafe verurteilt, das Gericht hatte es als erwiesen angesehen, dass er in diesem Streit verbal weit über die Strenge geschlagen hatte.

Sein 20-jähriger Stiefsohn jedoch hatte in den vergangenen Verhandlungen stets als Zeuge ausgesagt, es habe überhaupt keine Beschimpfungen gegeben.

Stimme der Mutter erkannt

Bei seiner eigenen Verhandlung sollte der 20-Jährige nun wegen Falschaussage bestraft werden. Als Zeugen waren die 40-jährige Frau und deren Ehemann sowie ihr Sohn geladen. Die beiden waren erst gegen Ende der Auseinandersetzung ins Geschehen verwickelt.

Der 18-jährige Sohn hatte eigenen Angaben zufolge die Schreierei mitbekommen, sie aber zunächst einem Streit vor der Kneipe in der Nachbarschaft des Mietshauses zugeordnet. Dann habe er die Stimme seiner Mutter erkannt und sei in den Flur eine Etage tiefer gegangen, um nach ihr zu sehen. Zuvor hatte er rassistische Schimpfwörter gehört. Als er eintraf, endete der Streit, der Kontrahent zog sich in die Wohnung zurück.

Der 39-jährige Vater des 18-Jährigen hatte die Auseinandersetzung erst bemerkt, als sie schon zu Ende war. Er nahm seine aufgeregte Frau, die schließlich in Tränen ausbrach, an der Wohnungstür entgegen. Die Familie entschloss sich daraufhin, die Polizei zu rufen.

Vor Gericht erklärten alle drei einstimmig, dass es mit der Familie des 20-jährigen eigentlich sonst keine Probleme gegeben habe. Bei dem Streit habe auch keiner der drei den nun Angeklagten gesehen. Sie erklärten außerdem, dass sie keinen Groll gegen den 20-jährigen hegten.