Die Freisprechanlage im Auto läuft - und das für mehrere Stunden am Tag. Um all seine Aufgaben zu erledigen, zählt für Dekan Stefan Gessner aktuell Effizienz. Neben seinen Tätigkeiten als Dekan und Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft St. Christopho-rus im Baunach-, Itz- und Lautergrund hat er seit Anfang September eine weitere Aufgabe übernommen. Als sogenannter "Pfarradministrator" vertritt er Pfarrer Thomas Klemm in der Pfarreiengemeinschaft Main-Steigerwald in Eltmann. Wegen einer plötzlichen Erkrankung fällt Klemm auf unbestimmte Zeit aus. "Wir hoffen alle, dass er schnell wieder gesund wird, aber das haben wir nicht in der Hand", sagt Stefan Gessner.

Als Pfarradministrator habe er grundsätzlich die gleichen Rechte und Pflichten wie ein Pfarrer, dürfe aber keine langfristigen Verordnungen planen oder grundsätzliche Neuerungen einführen.
"Der Zustand in der Pfarreiengemeinschaft muss gehalten werden", erklärt Gessner. Als Dekan gehört es zum Aufgabenbereich von Stefan Gessner auf kurzfristige Ausfälle wie dem von Pfarrer Klemm zu reagieren. Da die personelle Besetzung im Dekanat ohnehin recht dünn sei, entschloss sich Gessner in Absprache mit der Diözese Würzburg, selbst das Amt in Eltmann zu übernehmen. Aktuell befindet sich der Dekan noch in der Einarbeitungsphase. "Ich muss mir noch einen Überblick über die laufenden Prozesse verschaffen", sagt er. Wie umfangreich sein neues Aufgabengebiet sein wird, zeige sich erst in den nächsten Wochen, erklärt er. Gessner: "Es ist auf jeden Fall Mehrarbeit, aber keine Überforderung." Seine zusätzliche Arbeitszeit beziffert er derzeit auf rund acht Stunden pro Woche.
Deutlich mehr Zeit muss er vor allem für die Autofahrten aufbringen. Von seinem Zuhause, dem Pfarrhaus in Mürsbach sind es nach Eltmann beispielsweise rund 25 Kilometer. "Nach einer halben Stunde Gottesdienst habe ich oft eine halbe Stunde Rückfahrt", erklärt er.

Zweimal in der Woche arbeitet er im Pfarrbüro in Eltmann. Am Wochenende hält er für die Pfarreiengemeinschaft Main-Steigerwald außerdem ausgewählte Gottesdienste, wie am vergangenen Sonntag bei der Verabschiedung von Pfarrvikar Thomas Drexler. Während es für die Pfarreiengemeinschaft in Baunach durch sein zusätzliches Amt keine Einschränkungen gibt, musste die Anzahl an Gottesdiensten in Eltmann zurückgefahren werden, so Gessner.

Und selbst das reduzierte Angebot ist nur durch das Engagement von auswärtigen Priestern und einer großen Mehrbelastung der Mitarbeiter in der Pfarreiengemeinschaft Main-Steigerwald in Eltmann zu bewältigen. Vor allem für Diakon Joachim Stapf und Pastoralreferentin Barbara Heinrich gibt es deutlich mehr zu tun. "Die Belastung ist schon größer, die Arbeit kommt zur Zeit sehr geballt", sagt Joachim Stapf.

Aktuell ist der Diakon vor allem mit den letzten Vorbereitungen für die Firmung Ende Oktober beschäftigt. Daneben muss er nun einen großen Teil der Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen übernehmen. Allein mit vier Sterbefällen musste sich Stapf in den vergangenen Tagen auseinandersetzen. "Ständig Trauergespräche zu führen wird auf Dauer schon belastend", sagt er. Trotz dieser mentalen Belastungen und längerer Arbeitstage ist Stapf optimistisch, dass die nächsten Monate in Eltmann gut überbrückt werden können.


Mithilfe von außerhalb nötig

Wichtig sei vor allem die Bereitschaft zur Mithilfe von außerhalb. Dabei sei die Unterstützung im Bereich Seelsorge bisher sehr groß, erklärt der Diakon. Neben Dekan Stefan Gessner und seinem Team von Seelsorgern engagieren sich derzeit die Pfarrer Ottmar Pottler und Reiner Fries sowie Pater Ludwig Schuhmann aus Limbach für die Pfarreiengemeinschaft. Letzterer hat sich bereit erklärt, viele Gottesdienste in der arbeitsreichen Weihnachtszeit zu übernehmen. Insbesondere unter der Woche musste die Anzahl der Gottesdienste reduziert werden. Aktuell kann an Werktagen nur ein Gottesdienst stattfinden.

Stefan Gessner hofft auf das Verständnis der Gemeindemitglieder. "Es ist eine Notlage, da muss man schauen, was machbar ist", sagt er. "Manche Felder werden brachliegen, aber das geht für die Zeit der Erkrankung nicht anders."
Auch während des Ausfalls von Pfarrer Klemm sei es von großer Bedeutung, dass jederzeit feste und verlässliche Ansprechpartner, auch über Notfallnummern, zu erreichen sind. "Es ist nicht wichtig, dass immer Licht im Pfarrhaus brennt, sondern den Leuten das Gefühl zu vermitteln, dass jemand für sie da ist", erklärt Stefan Gessner.