"Ich bin immer noch der Martin, bin in Ebelsbach aufgewachsen und in den Vereinen dabei", antwortet Martin Horn mit leichter Empörung in der Stimme auf die Frage, ob ihm die Menschen in seiner Kommune jetzt anders begegnen. "Ich bin ein offener und bodenständiger Mensch und so kennen mich die Leute seit fast 50 Jahren." Kein Grund also für veränderte Umgangsformen.

Dementsprechend begegnet er den Bürgern seiner Gemeinde genauso, wie dies immer war.

Genau wie in seinen 23 Jahren als Leiter des Gemeindebauhofs und in den vergangenen sechs Jahren als Stellvertreter des Bürgermeisters Walter Ziegler. "Ich bin doch kein anderer Mensch geworden, nur weil ich jetzt Bürgermeister bin", stellt der SPD-Politiker klar. Die meisten Bürger spiegeln diesen unkomplizierten Umgang zurück. Wo nicht, da werde sich das hoffentlich noch einspielen, meint der Sieger der Kommunalwahl.

Corona erschwert vieles

Und schon ist das Gespräch mitten dort angelangt, wo der Schuh aktuell am meisten drückt. Einige Gräben, die ein relativ hitziger Wahlkampf aufgeworfen hat, sind bis heute nicht wieder zugeschüttet. Horn bedauert die widrigen Umstände durch die Corona-Pandemie, die den alles entscheidenden Wahlabend zu einer eher tristen, ja trotz des Erfolges für ihn unbefriedigenden Angelegenheit werden ließen.

Normalerweise, hätte man gerne mit den Mitstreitern von der eigenen Liste auf den Erfolg angestoßen; vor allem aber wäre es die Gelegenheit gewesen, den Mitbewerbern, besonders seinem Stichwahl Kontrahenten Roland Metzner (CSU), versöhnlich die Hand zu reichen. Womöglich hätte man sich bei einem Schluck Wein oder Bier auf ein gedeihliches Miteinander zum Wohl der Gemeinde verständigen können. Corona hat diese Annäherung damals unmöglich gemacht und seither hat sich's nicht zum Positiven entwickelt. "Auch wenn man sich im Wahlkampf streitet, es muss ja weitergehen", sagt Horn, der sich selbst als harmoniesüchtig bezeichnet. Andererseits kann er, wie er als Kandidat beweisen hat, auch tüchtig austeilen.

Dissonanz im Hintergrund

Er hofft , dass es im 17-köpfigen Gemeinderat gelingen wird, quer durch alle Parteien einen freundschaftlichen Umgang zu pflegen. "Es müssen ja keine Liebesbekundungen sein", findet er, "aber man sollte doch aufeinander zugehen". Aktuell sei dies schwer möglich, was ihn traurig stimme. Vielleicht sei er da zu blauäugig an die Sache rangegangen und müsse nun erkennen, wie stark "Knüppel zwischen den Beinen" (O-Ton Martin Horn) die Arbeit in der Politik behindern können.

Vor allem der Streit um das neue Baugebiet schwele im Untergrund. Ob die Ablehnung des Bürgerbegehrens durch den Gemeinderat rechtens war, muss ein Gericht entscheiden. Bislang habe er das Thema nicht auf die Tagesordnung gesetzt, um Ruhe einkehren zu lassen beziehungsweise zu wahren, sagt Horn offen. Er lasse sich weder drängen noch hetzen. Aus seiner Sicht geht es um eines der schönsten Baugebiete, die Ebelsbach seit langem anzubieten hatte. "Es wäre zu schade, wenn es nicht verwirklicht würde", sagt er. "Ich will alles daran setzten, dass es klappt, aber nicht auf Biegen und Brechen!"

Langer Atem ist gefordert

Ein weiteres großes Sorgenkind für den Bürgermeister ist das Ebelsbacher Schloss, seit dem verheerenden Brand im Jahr 2009 eine klaffende Wunde im Herzen der Gemeinde. Aktuell laufen Verhandlungen mit Regierung und Vertretern des Denkmalschutzes, um Fördermöglichkeiten für die Sanierung auszuloten und eine geeignete Verwendung für das einst so repräsentative Gebäude zu finden. "Das ist aber nicht Friede,Freude Eierkuchen und das wird sich in den nächsten vier, fünf, sechs Jahren nicht entscheiden", warnt e vor voreiligen Erwartungen, "ich prophezeie eher sechs bis zehn Jahre". Die Gemeinde habe schon einen "Reinfall mit einem Glücksritter" erlebt: "Gebranntes Kind, im Wortsinn, scheut das Feuer". Er will mit Bedacht vorgehen, gehe es dabei doch um eine Investition zwischen 18 und 28 Millionen Euro.

Geduld ist gefragt. Damit hat der Bürgermeister in seinen ersten Amtsmonaten weniger gute Erfahrungen gemacht. Schuld ist das Coronavirus. Als "analoger Mensch" zieht er das Gespräch unter vier Augen irgendwelchen Videokonferenzen oder digitalen Besprechungen vor.

Zudem ziehen aufwendige Sicherheitsvorkehrungen die Behörden-Termine in die Länge, "so dass einem schon manchmal der Geduldsfaden reißt". Er wünscht sich eine raschere Vorgehensweise und schnellere Erfolge. Denkbar unangenehm sei es, den Gemeinderat bei Sitzungen immer wieder aufs Neue vertrösten zu müssen, weil Verhandlungen andauern.

Die Sanierung des Schlosses Gleisenau, in dem auch die Verwaltung sitzt, ist weitgehend abgeschlossen , die Mittagsbetreuung, der Musikverein Harmonie und das Ausbildungszentrum der Kreisfeuerwehr sind als Nutzer eingezogen.

Die Pläne für den neuen Spielplatz in Gleisenau nehmen gerade Gestalt an. Er könnte, hofft Horn, beim "Tag der offenen Gartentür" im kommenden Juli fertiggestellt sein. Baugebiete in den Gemeindeteilen und eine Jugendbürgerversammlung sind weitere Themen auf der Liste des Bürgermeisters. "Es tut sich was", fasst er zusammen. "Es klappt gut, ich bin sehr zufrieden."

Mit Vielem vertraut

Vieles kenne er bereits aus seiner Zeit als Bürgermeister-Vertreter und in der Funktion des Bauhofleiters habe ihn Vorgänger Walter Ziegler stets eingebunden. Sozusagen als Bindeglied zwischen Verwaltung und Bautrupp. So sind ihm viele der Behörden und Fachstellen, deren Leiter und Sachbearbeiter seit Jahren bekannt. Das erleichtere die Arbeit jetzt ungemein. Froh ist er, dass die oftmals stressige Doppelfunktion, Bürgermeister-Ersatz und Bauhofarbeiter, ein Ende hat.

"Das hat schon sehr viele Abstriche bedeutet, vor allem für die Familie." Einen Acht-Stunden-Tag gibt es da nicht und mit Problemen - Paradebeispiele sind Wasserrohrbrüche oder der Ruf nach dem Streudienst im Winter - melden sich die Leute auch mitten in der Nacht oder am Sonntagvormittag.

Andererseits wusste er im Vorfeld, was ihn als Bürgermeister erwartet, und auch seine Ehefrau war vorgewarnt. "Hätte sie nicht eingewilligt, wäre ich nicht angetreten", beteuert der vierfache Vater und "inzwischen eineinhalbfache Großvater".

Horn bilanziert: "Stressiger als im Bauhof ist es jetzt auch nicht mehr." Wie früher werde er bei jeder Gelegenheit unterwegs von Leuten angesprochen, die Dienstleistungen der Gemeinde erwarten. Im Grunde also alles wie bisher. "Nur die Gewichtung hat sich verlagert.

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