Mehr als 20 Jahre. Mehr als 20 Jahre seines Lebens hat Mario Pfaff Kontakte geknüpft, Leistung geliefert, Stammkundschaft aufgebaut und wurde mit seiner Veranstaltungstechnikfirma so bekannt, dass er 2019 das Zeiler Weinfest mit Ton- und Lichttechnik ausstattete und 2020 zufrieden hätte sagen können: "Läuft."

Der "große Bruder" aus Haßfurt, ebenfalls ein Veranstaltungsservice und sonst in Zeil, betreut Kaliber wie Helene Fischer oder die Kelly-Family und gibt daher auch mal den gut sieben kleinen Veranstaltungstechnikunternehmen im Landkreis Aufträge ab, wenn es die Lage erfordert. Man braucht sich gegenseitig, schließlich verfügt der Riese umgekehrt über die größten Mikrofonbestände im nordbayerischen Raum, weiß Mario Pfaff, und leiht sie gegen faire Gebühren aus. Sein Wissen über die Branche ist schier unendlich, ein Gespräch sprengt da schnell alle zeitlichen Grenzen. Denn Pfaff kennt sie alle von Beginn an, als es den "Lehrberuf Fachkraft für Veranstaltungstechnik noch gar nicht gab!"

Die besten Voraussetzungen

2020 wäre für den früheren Fatschenbrunner Blasmusiker ein Durchbruch gewesen. Bei bester Auftragslage spielte er mit dem Gedanken, Personal einzustellen. Als Corona ihn und die Künstlerbranche mit erwischte, war er gerade dabei, sein neues Büro im Keller des Elternhauses zu streichen. Zu weiteren Investitionen kam er nicht mehr. Zum Glück. Verloren stehen hier jetzt eine Kiste voller Technik und die Kiste mit dem teuren Beamer für die Kino-Freiluftvorführungen. Wenigstens griffbereit.

Grundlage der Arbeit entzogen

Ab dem ersten harten Lockdown rissen die Aufträge ab: Vorführungen, Konzerte, Hochzeiten, Festlichkeiten wurden vertagt. Pfaffs Bühnenbauteile, Lautsprecher, Lichtanlagen, Kabel ("Ich kann meine Kabel a paar Mal ums Dorf legen"), Mischpulte, die Mikrophonie, alles blieb im Lager.

Der 46-Jährige gehört zu denen, die mehr oder weniger durch das Raster der Coronahilfen gefallen sind. Er steht symbolisch für all die Kreativen, die fleißig arbeiteten, aber eben als kleine Ein-Mann-Betriebe die Kriterien nicht erfüllten, um die Corona-Phase mit staatlicher Hilfe überbrücken zu können.

Sein Netzwerk schützt ihn ein bisschen

Der Steigerwälder hat sich zum Glück sein Leben lang zu helfen gewusst, war nie einer, der die Hände in den Schoß legt und wartet. Die erste Soforthilfe erhielt er unbürokratisch. Dieses Geld floss in Kosten, die der Firmenbetrieb benötigte. Wovon aber leben? In der Branche spart man sich mit dem guten Sommergeschäft einen Winterpuffer an. "Das hat ein paar Monate zum Leben gereicht", sagt Mario Pfaff frei heraus.

Auch die Überbrückungshilfen 1 und 2 durften nur in Betriebskosten fließen und konnten vom Kleinunternehmer selbst gar nicht beantragt werden. Förderfähig war Pfaff auch deshalb nicht: Wegen des kleinen Nebenverdiensts in seinem Lehrberuf Koch, kam er nicht auf die mindestens 51 Prozent aus selbstständiger Arbeit zum Jahresende. Fazit: "Ich hab genau 100 Euro aus nichtselbstständiger Arbeit zu viel verdient."

Pfaff wartete nicht: Er nutzte seine Kontakte und ergatterte beim Landratsamt Anfang Mai einen Job als Verkehrseinweiser an der Corona-Teststelle in der Augsfelder Straße. Bei stundenweiser Beschäftigung fuhr er, auch wenn es mal nur für eine Stunde war, von Fatschenbrunn nach Haßfurt. Seine Verlässlichkeit und Flexibilität brachten ihm den Job in der Zulassungsstelle ein, wo er nun ebenso stundenweise, aber wenigstens für ein vernünftiges Kontingent Besucher vom Eingang zu den jeweiligen Büros begleitet und für die Einhaltung der Hygieneregeln sorgt.

Ohne Dünkel

Er ist sich nicht zu schade, auf Abruf Corona-Testproben ins Labor zu fahren. Seine Arbeit ist coronabedingt monatlich befristet. An jedem Ersten könnte für ihn der Letzte sein. Was dann? Er zuckt die Achseln.

Mario Pfaff lebt im Elternhaus, irgendwie geht es schon. Sein Unternehmen läuft im Hintergrund, die Bürokratie auch. Mit Steuererklärung, Gewinn-Verlust-Rechnung, Umsatzsteuer-Voranmeldung - eben alles bei null Prozent.

Naja, nicht ganz null Prozent, denn im Sommer 2020 hatte er elf Veranstaltungstage. Geboren aus dem Gefühl: Ich muss 'was tun. "Das würde ich wieder so machen." Weil: "Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn man daheim die Wände anschaut und spürt, wie einem das ganze Lebenswerk durch die Finger rinnt. Man weiß nicht, was kommt, sind die Wegbegleiter noch da, und hats auch der Geschäftspartner überlebt?"

Nach einigen Wochen im "Zwischenreich" wandte er sich an den Zeiler Kino-Besitzer Bruno Schneyer. Sie stellten das Sommerkino in Sand und Zeil auf die Beine. "Da sind wir nicht reich geworden", schmunzelt Pfaff. Doch allen Beteiligten, auch den Musikern im Vorprogramm, tat es gut. Das zu tun, was sie lieben. Eine Arbeit, die im Normalfall für Pfaff kein freies Wochenende bis Ende 2020 bedeutet hätte.

Eine Arbeit, die ihn, wie alle in der Branche, so beherrscht, dass sie nichts anderes tun wollen. Schon früh hatte der junge Fatschenbrunner Blasmusiker nicht nur das Tenorhorn im Griff, sondern sich auch "a weng um die Technik gekümmert". Als Koch klappte es nicht mehr mit den Proben und Auftritten. Die Arbeit als Discjockey ließ sich leichter mit dem Brotberuf verbinden, "um halb Zehn schnell aus der Küche und heim, duschen und in die Disco".

Pfaff entwickelte eine "Mobil-Disco", mit der er Hochzeiten, Geburtstage, Firmen- und Dorffeste unterhielt. Bis zu 40 Hochzeiten im Jahr bewältigte er, bis er so langsam in die Veranstaltungs-Life-Technik hinüberwuchs, wie er schildert.

Zusammenwirken vieler Faktoren

Damit eine Band im besten Licht erscheint, braucht es nicht nur musikalisches und stimmliches Können - Optik und Akustik müssen passen, das Bühnenbild, die Lightshow, das Image. Immer mehr haben sich die Ansprüche an Beleuchtung, Mikrophonie, Lautsprechertechnologie weiterentwickelt. Heute wirken Lautsprecher so, dass sie das Publikum in einem bestimmten Abstrahlungswinkel erfassen und Tonräume bilden.

Mario Pfaff liebt es, von gelungenen Abenden zu berichten. Als es nämlich im Herbst bei den "Cubaboarischen" in Eltmann nach jedem Titel fünf Minuten Applaus gab, weil das Publikum so glücklich war, selbst unter Corona-Abstandsbedingungen in der Stadthalle endlich wieder einmal ein Konzert zu erleben. Oder als "Skarabäus" beim FC Haßfurt spielte und ein Gast Mario Pfaff ansprach: "Das ist ja der pure Wahnsinn. Man hört a jedes Instrument! Wie machst'n du das?" Dafür lebt er. "Bei jedem Instrument dessen Charakteristik herausheben", beschreibt Pfaff seine Kunst. Stundenlang kann er über einen harmonischen Auftritt fachsimpeln.

Und nun? "Ich lass' mich impfen, schon alleine, dass wir die 60 Prozent Impfabdeckung bekommen." Sinken die Inzidenzen unter 50 "hoffen wir auf schnelle Freigaben". Einen großen Wunsch hat Mario Pfaff an die Leser: "Bitte, bitte, bitte, haltet euch an die Corona-Regeln, damit kulturelle Veranstaltungen bald wieder möglich sind."