Bei Familie Kleinhenz in Schönbach duftet es. Eine schier riesige Menge von Kräutern steht in Töpfen in der Halle, eine Frau lädt weitere Bündel aus dem Auto und bringt sie in die Halle in den Schatten. Dort sind auf Bierbänken schon etliche Kräuter und Blumen sortiert. Große Wannen mit Wasser stehen bereit.

Die Frauen des Obst- und Gartenbauvereins sind dabei, für die Kräuterweihe am Himmelfahrtstag die so genannten Würzbüschel zu binden. 29 Kräuter haben sie heuer, erzählt die 52-jährige Ingrid Markert, seit 2009 Vorsitzende.


Lange Tradition

In dem Ebelsbacher Gemeindeteil wird die Kräuterweihe seit 1983 bewusst gefeiert, damals noch im kleinen Rahmen, erinnert Eduard Kleinhenz. 30 Jahre war der 76-Jährige Vorsitzender des Verein. Das Binden der Kräuterbüschel ist quasi bis heute "Chefsache", denn bei Kleinhenz' kommen die Frauen aus dem Dorf zusammen.

Die Kräuterweihe an dem Marienfeiertag gibt es im katholischen ländlich geprägten Bayern seit Jahr und Tag; früher brachten die Gläubigen ihre selbstgebundenen Sträuße mit. Die Bauerngärten und die Flur lieferten die Kräuter, deren Heilkraft im Dorf bekannt war. Jeder hatte sein eigenes "Rezept" für den Büschel.

Mindestens sieben Kräuter gehören in einen Strauß. Es können aber auch bis zu 34 sein, klärt Ingrid Markert auf. Eine besondere Regelung, in welcher Zusammensetzung die Kräuter gebunden werden müssen, gibt es nach ihrem Wissen in Schönbach nicht. Am wichtigsten ist ihr: "Schönbach hat die schönsten und größten Sträuße."

Trotz der Hitze und der Trockenheit liegen vor den Frauen frische Pflanzen. Viele davon, wie etwa der Rosmarin, stammen aus Schönbacher Gärten, und die Frauen haben die Pflanzen termingerecht gezogen. Jedes Kraut hat eine heilsame Wirkung, erklärt Ingrid Markert.


Altes Wissen

Vieles hat sie im Kopf, manches muss auch sie im Buch nachschlagen. Die Schafgarbe zum Beispiel hilft bei Menstruationsbeschwerden, die Klette bei Hauterkrankungen oder Haarausfall, und die Blätter des Spitzwegerich dienen als Hustentee. Bis zur 77 Kräuter stecken in einem Würzbüschel, sagt die Tradition.

Bis heute wandern die geweihten Büschel im Haus ans Kreuz im Gebetseck, der alte Strauß wird verbrannt. Die Sträuße schützen vor Unwetter und Krankheit. Früher wurden sie auch ins Viehfutter gemischt, beispielsweise wenn eine Kuh krank war oder wenn sie kalbte.

2001 brachte der Pfarrer, erzählt die 52-Jährige, die Idee auf, die Kräuterweihe dann bei einer Bergmesse auf dem Hünenhügel in Schönbach zu feiern. Die Schönbacher waren begeistert - und mit ihnen viele andere Besucher.

Mittlerweile strömen jedes Jahr 350 bis 400 Christen auf diese Anhöhe, von der aus man einen weiten Blick über die so genannten "Heiligen Länder" bis nach Kloster Banz hat, bei schönem Wetter. Auch Pilger und Wallfahrer, sagt Ingrid Markert. Die Aufnahme Mariens in den Himmel ist in der katholischen Kirche immerhin ein Hochfest.

Dann sind in den rund 1700 katholischen Gemeinden Bayerns die Fabriken und Geschäfte geschlossen, wie etwa der für den Landkreis Haßberge zuständige Bischof Friedhelm Hofmann (Würzburg) erinnert.


Kirche nutzte den Volksglauben

Dann wird, so Hofmann, "unsere erhoffte Vollendung im Himmel gefeiert". Die Kirche hat sich einst den vorchristlichen Brauch zunutze gemacht und den Marienfeiertag mit der Kräuterweihe verbunden. Das Wissen um die Heilkraft der Kräuter wird allgemein den Frauen zugeschrieben.

Ganz früh sind die Helfer und Hobbygärtner deswegen am 15. August immer oben auf dem Hünenhügel. Sie schichten die bis zu 300 Sträuße zu einer Pyramide auf. Jedes Jahr sind alle Kräutersträuße, die in dem Festgottesdienst geweiht wurden, fast sofort weg, freut sich Eduard Kleinhenz.

Die Frauen wiederum, die jetzt im Hof Kleinhenz fleißig am Binden sind, lieben diese geschäftige Zusammenkunft im Sommer. 20 bis 25 Helfer aus dem Dorf und dem Verein sind immer bei der Aktion am Vortag der Weihe dabei, auch viele Jüngere. Für die Dorfgemeinschaft ist dieser Brauch gut, meinen die Frauen übereinstimmend, nach der Arbeit kommen Kaffee und Kuchen, das Beisammensein stärkt den Zusammenhalt, die Generationen kommen ins Gespräch.

Glaubt Ingrid Markert selbst an die Wirkung? "Natürlich, sonst würde ich das Ganze ja nicht machen. Und um ehrlich zu sein, mir würde etwas fehlen, wenn ich nicht jedes Jahr an Mariä Himmelfahrt ein neues geweihtes Kräuterbüschel hätte. Ich glaube fest an die positive Wirkung."