Bei seiner Zeugenaussage vor dem Amtsgericht Haßfurt war sich der 60-Jährige anfangs ganz sicher: Der Mann auf der Anklagebank sei derselbe, der ihn am 17. August 2013 am Baggersee in Theres mit einer Axt bedroht hatte.

Der Schweinfurter Polizeibeamte war an diesem Morgen - wie jeden Tag - mit seinem Hund am Baggersee entlang zur Spitze der Halbinsel gelaufen. Dort entdeckte er eine zerstörte Biberburg. Einzelne Holzstücke führten ihn zu einer nahe gelegenen Feuerstelle, an der ein schwarzer Kombi parkte. "Der Wagen stand schon die Tage vorher da. Deshalb habe ich mir das Nummernschild gemerkt", sagte der 60-Jährige, der mittlerweile im Ruhestand ist.

Eigentlich ignoriere er außer Dienst die Ordnungswidrigkeiten seiner Mitmenschen. "Aber das hat mich geärgert. Biber stehen unter Naturschutz!", erzählte er weiter. Also ging er auf den Mann an der Feuerstelle zu und wies ihn auf den Frevel hin.


Doch der reagierte aggressiv, schnappte sich eine Axt und kam mit den Worten "Geh weg von hier!" auf ihn zu. Erst als der 60-Jährige sagte, dass er Polizist sei, ließ der Angreifer die Axt fallen. Der Spaziergänger suchte das Weite und zeigte den Fall an.

Die Polizeiinspektion Haßfurt ermittelte die Frau des 36-jährigen Angeklagten aus Schweinfurt als Halterin des Wagens.Die sagte vor Richterin Ilona Conver aus, dass der schwarze Kombi an fraglichem Tag in der Garage gestanden und der Ehemann mit seinem eigenen Wagen unterwegs gewesen sei.
Auch die Blondine, die der Spaziergänger in Begleitung des Mannes gesehen haben wollte, dürfte eigentlich keine sein. "Ich trug meine Haare letzten Sommer brünett", erklärte die Fahrzeughalterin.

Aussage stand gegen Aussage, Richterin Conver hielt die Zeugenaussage des Spaziergängers aber für glaubwürdig. Da knickte der plötzlich ein und wurde unsicher. Wegen der dünnen Beweislage wurde der Angeklagte schließlich freigesprochen.