Am Montag, 15. Oktober, eröffnet die Post in Ebern eine neue Filiale. Es ist ihr fünfter Umzug in der Stadt in 180 Jahren. Eigentlich müsste man die Geschichte im 17. Jahrhundert beginnen, doch die Thurn und Taxis-Post, die es ab 1653 in Ebern schon gegeben hatte, bewährte sich nicht. "Sie ließ die Stadt bald und buchstäblich links liegen," berichtet Lipp, der sich in seinem Rückblick im Wesentlichen auf die Erkenntnisse des Postamtmanns Wilhelm Steck in den "Fränkischen Postgeschichtsblättern" Nr. 34 vom September 1982 stützt.

Der junge Friedrich Rückert hat sich in einem Brief vom 25.9.1815 darüber beklagt, dass " ... wir hier in Ebern ... sehr schlechte Postgelegenheit haben". Er gab seine vielen Briefe einfach in die Dienstpost seines Vaters, des Rentamtmanns. Die wurde täglich nach Baunach und Gleußen gebracht, denn die Postroute verlief damals im Itzgrund und nicht im Baunachtal.

Königl. bayer. Postexpedition


1831 hatte Kaufmann Benedikt Josef Vergho das alte Löwenwirtshaus von Ebern zwischen Rathaus und Grauturm aufgekauft. Er ließ es abreißen, baute es neu und richtete sich darin einen Laden ein. Weil er nun "an der Hauptstraße liegende Localitäten und insbesondere Stallungen" besaß und als Mann mit vorzüglicher Qualifikation, gutem Ruf und Vermögen galt, wurde ihm 1835 das Amt eines Königl. bayer. Postexpeditors übertragen.

So erlebte er ab 1850 die Einführung der Mühlradstempel. Für Ebern trugen sie erst die Nummer 62, ab 1856 dann die Nummer 98. Sie waren nur bis 1869 in Gebrauch und sind heute besonders auf tatsächlich gelaufenen Briefen sehr gesucht.

Ab 1837 erhielt Vergho, dessen Familie aus Mendrisio in der italienischen Schweiz stammte, zusätzlich zum Briefdienst auch einen Poststall. Er musste nach seinem Dienstvertrag "wenigstens sechs diensttaugliche Pferde und die nötigen Poststallrequisiten, ferner zwei Postchaisen mit Laternen versehen und davon wenigstens eine gedeckt, ..." unterhalten.

Lange Reise


Die Fahrt von Ebern nach Bamberg dauerte sieben Stunden und kostete einfach 86 Kreuzer, also rund 22 Euro! 1854 schon wurde der Postkutschendienst wieder eingestellt. Im gleichen Jahr wählten die Eberner ihren Posthalter in den Magistrat der Stadt.

Ab 1874 wurde erneut ein Poststall eingerichtet, diesmal schräg gegenüber bei Friedrich Dein im "Grünen Baum". Es war damals vorgeschrieben, dass Reisende in einem heizbaren Lokal Tag und Nacht kostenlos Aufnahme finden mussten.

Mit Stolz stand "k. Posthalter und Gasthofbesitzer" in der Traueranzeige, als Friedrich Dein 1895 starb. Vom "Grünen Baum" wanderte der Kutschdienst vermutlich noch im gleichen Jahr in das stattliche Haus der Familie Heinert in der Neubrückentorstraße 2.

Elf Stunden Dienst


1863 konnte Maximilian Vergho das gewichtige Amt von seinem Vater übernehmen und versah es dann 41 Jahre lang! 1898 wurde die Eberner Postexpedition in ein Postamt 3. Klasse umgewandelt. Das Eberner Bezirksamt bestand darauf, dass der Schalter bis 20 Uhr geöffnet blieb und nicht schon um 19 Uhr geschlossen wurde. In der Stadt wurden die Briefe täglich dreimal und die Pakete zweimal zugestellt. Die fünf Postgehilfen hatten elf Stunden Dienst.

1901 wurde Ernst Dressel aus Haßfurt Nachfolger der beiden Vergho. Die Poststelle zog im gleichen Jahr erstmals um und zwar in das Haus Marktplatz 20, das sogenannte "Enter-Haus", das damals dem Gerbermeister Georg Schmitt gehörte.

1906 sollte Ebern eine öffentliche Telefonstelle erhalten, doch die Räumlichkeiten waren dafür am Marktplatz zu klein. Da bot sich das neue, rund 10 Jahre alte Haus des Maurermeisters Heinrich Schmitt an, das heute die Nummer 33 hat und seltsamerweise zur Kapellenstraße gehört. Damit lag die Post außerhalb der Stadt, vor dem Angertor, was die Eberner ärgerte. Die Bürger beschwerten sich lange über die Verlegung, nicht nur beim neuen Postexpeditor Gustav Werner, sondern auch beim Verkehrsministerium, beim Landtag, ja sogar beim König, respektive dem damals regierenden Prinzregenten. Genützt hat es nichts.

Die ersten Telefongespräche


Unter Postexpeditor Gustav Werner begann für Ebern 1907 das Telefonzeitalter. Der Vorstand und seine zwei Gehilfen hatten dabei zunächst ganze 15 Teilnehmer zu betreuen. 1925 wurden auch im Haus von Heinrich Schmitt die Räume zu klein. Immerhin waren im Postamt nun drei Kräfte im mittleren und fünf im einfachen Dienst tätig. Da brauchte es Dienstwohnungen. Die Post kaufte mit Unterstützung der Stadt 1925 von der Gastwirtsfamilie Gall für 4300 Mark ein Grundstück beim Bahnhof, also noch weiter nördlich. Früher soll hier ein Wachhaus gestanden haben, das aber abgerissen wurde.

1926 begann die Firma Anton Schumm mit den Baumaßnahmen. 1928 waren die beiden Gebäude mit der Adresse Bahnhofstraße 6 und 6a fertig und das neue, moderne Postamt konnte eröffnet werden. Es hatte, so erinnert sich Gertrud Wild, einen "akademischen" Postmeister an der Spitze. Ihm unterstanden 1935 insgesamt 27 Dienststellen in den Orten der Umgebung. Eduard Steinmetz fuhr die Post im Landkreis Ebern täglich mit dem Auto zu ihnen.

1939 hatten die Postbeamten nach Kriegsausbruch auch nachts Telefondienst. Da es jetzt an männlichen Postbeamten mangelte, wurde Ebern unter Postassistent Hans Müller ein Zweigpostamt des Postamts Bamberg. 1945 wurde Oberpostverwalter Friedrich Greb von der Militärverwaltung zum Vorstand des wieder selbstständigen Eberner Postamts bestimmt. Diesen Status verlor es 1957 erneut. Von da an blieb es endgültig Teil des Postamtes Bamberg.

Die Post war ein Erlebnisort


"Außen an der Wand des Postamtes hängt ein Automat. Hier kann man Zehn-Pfennigs-Briefmarke und Postkarten herausholen", schrieb Schüler Bartholomäus Hafenecker 1956 in einem Aufsatz über die Eberner Post, von dem er sicher selbst nichts mehr weiß. Die Post war ein Erlebnisort, an dem man geduldig anstand. Dort gab es Telefonbücher jeden Bereichs und Sondermarken, man hörte das Klacken der Stempel und Geräusche aus den Telefonzellen gleich rechts beim Eingang; man sah den Beamten beim Wiegen und den Spaniern beim Geldüberweisen zu, und zahlte selbst mit dem blauem Büchlein bei der Postsparkasse ein.
Ab 1959 wurden unter Amtsvorstand Friedrich Klein mehrmals Umbauarbeiten vorgenommen. Zwischen den beiden Einzelgebäuden, wo früher eine Toreinfahrt war, wurde 1968 die neue Schalterhalle eingefügt und der Eingang, der bisher im Norden war, hierher an die Westseite verlegt. Wie die Betriebsräume war nun die Schalterhalle größer und heller.

1969 wurde Postobersekretär Josef Waas neuer Betriebsleiter und blieb es bis 1994. Ende 2003 hat man die amtliche Dienststelle dann geschlossen. "Relativ sang- und klanglos", hieß es in der Zeitung. Die traditionsreiche Eberner Post war an ihrer fünften Station angekommen, war nun eine Nische und Filiale im "Tegut".

Unterschriften gesammelt


Wieder protestierten die Eberner: Ende 2003 hatte die Tourismus- und Werbegemeinschaft Ebern unter Heinz Dietz 2248 Unterschriften für die Rückverlagerung der Filiale ins alte Postamt gesammelt. Auch Bundestagsvizepräsidentin Susanne Kastner setzte sich für das alte Postamt ein, aber wieder vergebens. Die Post AG begründete die Verlagerung mit dem Bestreben, das Filialnetz wirtschaftlich zu führen. Das heißt, sie wollte am Personal sparen indem sie alle eigenen Filialen schloss und ihre Dienste von Supermärkten, Lottoläden, Tankstellen, Bäckereien und ähnliche übernehmen ließ. Für die Kunden bedeutete die Post im "Tegut" sogar günstigere Parkplätze und längere Öffnungszeiten. Freundlich und diskret war das Personal auch hier.

Dann aber kam im August 2012 die Nachricht, dass Tegut seine Filiale in Ebern schließen würde. Der Aktiv-Markt von Edeka war zu nahe gerückt. Das bedeutete nach neun Jahren auch das Ende der Poststelle, an die man sich gewöhnt hat. Wieder einmal zieht der Dienstleister mit dem schwarzen Horn in Ebern um. Ab Montag, 15. Oktober, ist er in einem Nebenraum der Firma "Mandrops". "Bahnhofstraße 17" heißt jetzt die Adresse. Die Eberner müssen sich an eine neue Postfiliale gewöhnen. Aber das sind sie ja inzwischen gewohnt.