Humor ist, wenn man trotzdem lacht. In Ebern trotzen immer mehr Menschen dem allgemeinen Corona-Frust mit einer bärenstarken Initiative: Sie lassen sich bereitwillig von einer neuartigen "Pandamie" infizieren und schmücken ihre Fenster mit Pandabären, Seien sie aus Plüsch, Fensterfarben oder auf Papier abgebildet. Die Bärchen mit weißem Kopf, den markanten schwarzen Augenringen und schwarzen Ohren haben sich in etlichen Anwesen im Stadtgebiet eingenistet.

Dort, wo früher noch Regenbogenbilder Hoffnung verbreiten sollten und Weihnachtsdeko zuletzt für kurzzeitige Lichteffekte im Pandemie-Grau sorgte, verbreiten nun die Pandas gute Stimmung. Der Spaß an dieser neuen Mutation - nur ein Buchstabe musste verändert werden, um aus der Pande- eine Pandamie zu kreieren - besitzt offenkundig hohe Inzidenzwerte, denn binnen weniger Tage tauchen die Bären in immer mehr Fenstern, auch im Eberner Umfeld, auf. Wie ansteckend das Ganze ist, beweisen Abstecher in den 15-Kilometer-Umkreis, wo offenkundig ebenfalls bereits erste Panda-Hotspots in kinderreichen Siedlungsgebieten entstehen.

"Lustig und aufmunternd"

"Ein Spaß halt. Zu lachen gibt's zurzeit ja eh nicht viel", sagt ein Vater in der Eberner Steinbergsiedlung. Er hat den Panda-Sonnenschutz, der im Sommer noch das Töchterlein vor der Sonneneinstrahlung im Auto schützte, aus der Garage geholt, um ihn per Saugnapf kurzerhand ans Kinderzimmerfenster zu pinnen, gleich neben der Bambuspflanze aus dem Bad. "Für die Kinder ist das doch eine tolle Idee, lustig und aufmunternd", findet eine junge Mutter. Damit ihr Dreijähriger noch etwas zum Ausmalen hat, hat sie auch noch Pu, den Bären, daneben geklebt.

Begonnen hat die Aktion am Eberner Marktplatz, wo Bernd Ziegler, der neue Eigentümer des Schlimbachhauses (einstige Kupferschlosserei und späterer Tante-Emma-Laden), unweit des Neptunbrunnens vier Pandas aus Plüsch auf den verwaisten Fenstersimsen im Obergeschoss drapierte. Eine Panda-Mie hatte ein Frankfurter Gastronom bereits im vergangenen Oktober ausgerufen und als Kunstinstallation oder, wie er es nannte, als "stiller Protest" die Tische seines Restaurants für 100 Plüsch-Pandas gedeckt.

Spaß in sozialen Medien

Ziegler hat die Aktion jetzt in Ebern auf die Straße gebracht. Von einer Inkubationszeit keine Spur. Sofort brach die Pandamie aus und wird sich, so hoffen einige bärenstarke Superspreader, rasch überregional verbreiten. Über Facebook kursieren Tipps, wie man Pandas basteln oder lizenzfreie Pandabilder ausdrucken kann. "Nicht groß hinterfragen", rät Lichtkünstler Norbert E. Wirner, denn "Kunst passiert im Gehirn des Betrachters". Er glaubt, dass man auch in 300 Jahren in Chroniken noch wohlwollende Aufzeichnungen über dieses gelungene Beispiel von Aktionskunst finden werde: "Würden das jetzt alle in und um Ebern machen, dann kommen wir ins Fernsehen und werden ganz berühmt."

"Pandamie,was für eine schöne Idee", jubeln die einen; "so ein Schwachsinn überall", sagen die anderen, die jedoch sogleich als "Miesepeter" getadelt werden. "Uns macht's Spaß, man muss nicht alles doof reden", widersetzt eine Panda-Propagandistin.

Die Eberner freuen sich an ihrer bärenstarken Aktion und lauern jetzt darauf, wann "Bild" und RTL die ersten Reporter nach Ebern schicken.