Es geht um viel, viel Geld am Mittwochabend, wenn die Lottozahlen gezogen werden: 24 Millionen Euro sind im deutschlandweiten Jackpot in dem Spiel "6 aus 49" - sechs Richtige und die Superzahl, das ist der Weg zum Glück. Die anderen fast 140 Millionen Wege, die einem der Lottoschein anbietet, führen daran vorbei. Denn die Gewinnwahrscheinlichkeit für den Jackpot liegt laut Lotto Bayern bei 1 zu 139 838 160.

Wolfgang Arndt spielt trotzdem mit. Der 59-jährige Sander weiß, dass die Chancen gering sind, hat aber gerade in der Postfiliale in Zeil seine Lottoscheine abgegeben. Er spielt seit etwa 30 Jahren. Da hört man nicht einfach auf. Allerdings sieht der Sander so große Gewinnsummen wie den heutigen Jackpot kritisch: "Ich finde, das Ding ist a weng überspannt."

Gewinne besser verteilen

Eine Million oder 500 000 Euro, das wäre bereits genug als
Hauptgewinn, findet der Sander. Den Rest solle man lieber auf die kleineren Gewinne verteilen, so dass Spieler bei einem Dreier, Vierer oder Fünfer schon ein bisschen mehr Geld gewinnen könnten. Und wenn er nun heute alles gewinnt? "Sinnlos verbraten, dafür wäre es mir zu schade." Etwas zurücklegen fürs Alter und die Enkelchen, das fällt ihm als Erstes ein, wenn er über einen Millionengewinn nachdenkt.

Auch Nicole Georgi aus Zeil spielt regelmäßig Lotto und nicht, weil der Jackpot so hoch ist. "24 Millionen Euro? Die braucht kein Mensch für sich allein", sagt sie. "Ist ja blöd, wenn man so viel Geld hat." Ebenso wenig, wie man dieses zählen kann, könne man dann wohl auch seine falschen Freunde nicht mehr zählen. Bei einer Gewinnsumme dieser Größenordnung würde sie einen großen Teil spenden, etwa für Behindertenarbeit und andere soziale Einrichtungen. Freilich würde sie auch einen Teil für sich behalten, denn "es würde einiges erleichtern", sagt die 50-Jährige.

Anonyme Millionäre

Ute Holch, Chefin der Zeiler Postfiliale, spielt selbst kein Lotto und dürfte es auch nicht in ihrer eigenen Lotto-Annahmestelle, um jeglichen Manipulationsverdacht auszuräumen. Bei hohen Jackpots beobachtet sie "deutlich mehr Spieler". Die meisten kämen dann am Nachmittag vor oder am Tag der Ziehung und füllten noch einen Lottoschein aus. Ob bei ihr schon mal einer seinen Millionengewinn abgeholt hat? Nein, wie auch: Das Geld wird vom Deutschen Lotto- und Totoblock zentral verwaltet. Deswegen wüsste sie nicht, wenn jemand in Zeil zum Lottomillionär geworden ist. "Die großen Gewinner bleiben anonym." Es sei denn, sie kauften sich einen SLK oder bauten sich eine Villa, sagt sie und lacht.

Stammkunden und Jackpotspieler

In der Lotto-Annahmestelle von Waltraud Eigner in Ebelsbach ist es ruhig. Sie und ihr Mann Otmar sehen den großen Jackpot eher unspektakulär. Sie haben überwiegend Stammkunden, die jede Woche die gleichen Zahlen spielen. Die sogenannten Jackpotspieler füllen den Schein dann in einem Supermarkt aus, weil sie im Radio vom Riesenjackpot gehört haben, erklärt Otmar Eigner. Der Laden der Eigners gegenüber der Mittelschule liege da "etwas abseits". Seit 1987 wird dort ein Lotto-Annahme-Service angeboten.

"Zentralgewinn"

Die Eigners kennen trotz der vielen Lottospieler, denen sie seit dieser Zeit begegnet sind, keinen Lotto-Millionär. Liegt eine Gewinnsumme höher als 2500 Euro, läuft alles über Lotto Bayern in München. "Bei uns erscheint dann ,Zentralgewinn'", erklärt Otmar Eigner. Und auch, wenn sie wüssten, wer der Gewinner ist, dürften sie es nicht sagen. "Wenn wir das einmal machen würden, wäre die Annahmestelle weg", sagt Waltraud Eigner.