Einen ganz besonderen Unterrichtsraum haben ab sofort die Schüler der Mittelschule Zeil-Sand. Im Wald Richtung Krum, nahe des Setzbaches, wurde dieser Tage das grüne Klassenzimmer offiziell seiner Bestimmung übergeben. Zusätzlich zu dem Waldklassenzimmer entstand auch ein Waldlehrpfad mit zehn Stationen.

"Wer einmal eine tobende Klasse in den Wald geführt hat und nach einigen Stunden entspannt und glücklich wieder heraus, der ahnt und spürt die besondere Wirkung des Waldes", sagte Bettina Kunkel bei der Eröffnungsfeier im kleinen Rahmen. Hier atme man frische Luft, sitze nicht in geschlossenen stickigen Räumen und das Grün der Bäume beruhige ebenso wie das Gezwitscher der Vögel, so die Lehrerin. Das grüne Klassenzimmer biete unzählige Bewegungsmöglichkeiten, die in einem gewöhnlichen Unterrichtsraum nur mit großen Umbaumaßnahmen möglich wären. "Hier können die Kinder auf der Freifläche rennen, balancieren, meditieren, an Waldpulten in Gruppen arbeiten oder bei Regen im geschützten Unterstand sitzen", erklärte Kunkel.

Passend zum Umweltgedanken werden die Schüler natürlich nicht mit dem Bus in den Wald gebracht, sondern können gleich bei dem rund 20-minütigen Anmarsch zu Fuß die Natur erleben. Unterrichtet werden dann im Waldklassenzimmer alle Fächer, außer denen, die besondere technische Voraussetzungen erfordern. Entgegen dem normalen Unterricht rückt hier auch die Rolle des Lehrers in den Hintergrund. Die Kinder und Jugendlichen lernen hier vor allem selbsttätig und erforschen die Umwelt selbst. Der Lehrer ist dabei eher der stille Beobachter und kann sein Augenmerk auf die sozialen Fähigkeiten und Kompetenzen der Schüler legen.

Besonders stolz macht es die Mittelschule, brandneu eine Waldranger-Ausbildung anbieten zu können. Die Waldrangerin Katja Winter wird die Schule ein Jahr lang begleiten und interessierte Schüler zu Mini-Waldrangern ausbilden.

"Vor einem Jahr entstand die Idee des grünen Klassenzimmers", sagte Rektor Wolfgang Grader in seiner Ansprache. Als es so richtig losgehen sollte im Frühjahr, kam Corona. Der Lockdown habe vieles blockiert und es sei eine große Herausforderung für alle Beteiligten gewesen, dieses Projekt umzusetzen, so der Schulleiter.

Der Zeiler Bürgermeister Thomas Stadelmann dankte allen, die mitgewirkt haben. Bei keiner der beteiligten Behörden und Institutionen habe man Widerstand erfahren. Eine Lanze brach der Bürgermeister auch für die Mittelschule im Allgemeinen, die in der Öffentlichkeit manchmal nicht genug wertgeschätzt werde: "Die Mittelschule ist eine gute Schule und bietet gute Chancen und Perspektiven, einen Beruf zu erlernen." Stadelmann dankte auch dem Amt für ländliche Entwicklung (AlE) Unterfranken, das das grüne Klassenzimmer aus dem Regionalbudget 2020 der "Ile Lebensregion plus" mit 10 000 Euro gefördert hat.

Gleichzeitig erwähnte Stadelmann den neu angelegten Bereich am Zeiler Stadtsee, um das Areal noch attraktiver zu machen. Dort wurden Doppelliegen und Spielgeräte aufgestellt, die ebenfalls mit 10 000 Euro vom AlE gefördert wurden.

"Draußenklassen" wie etwa in Dänemark zeigen in Studien deutlich bessere Ergebnisse, besonders in der sozialen Entwicklung, der Motivation und im Fach Mathematik. Nach den skandinavischen Forschungen in den letzten Jahren knüpft jetzt gerade die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald ein Forschungsnetz mit der Universität Würzburg und der Technischen Universität München. An der Zeiler Mittelschule ist bereits eine Anfrage eingegangen, ob sie mit dem Waldklassenzimmer an den Forschungen mitwirken möchte.

Auch das Fernsehen interessierte sich für das außergewöhnliche Projekt im Wald der Fachwerkstadt. Ein Team des Bayerischen Rundfunks war vor Ort und drehte einen Beitrag, der am kommenden Sonntag, 4. Oktober, in der Sendung "Frankenschau" ab 17.45 Uhr ausgestrahlt wird.