Die ehrenamtlichen Helfer der Tafel Eltmann hoffen auf einen milden Winter. Warum? "Weil wir die Ausgabe der Lebensmittel wegen Corona ins Freie verlegt haben", erklärt Marianne Schmittlutz.

Die 68-Jährige ist die Zweite Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins Haßfurter Tafel, zu dem auch die Ausgabestelle Eltmann gehört. Dritter im Bunde ist die Mobile Tafel Ebern, die der Tafelverein Haßfurt zusammen mit dem Diakonischen Werk Haßberge organisiert.

Erste Ausgabe vor 15 Jahren

Doch heute soll es um die Tafel in Eltmann gehen. In diesen schweren Tagen denken manche Mitarbeiter an den Beginn vor 15 Jahren. Im Januar 2006 öffnete der Sozialladen am Johannes-Nas-Platz erstmals seine Türen, um Lebensmittel an einkommensschwache Personen und Familien zu verteilen. Pro Einkauf zahlt man dort derzeit zwei Euro.

Marianne Schmittlutz ist Gründungsmitglied und betreibt die Außenstelle Eltmann mit Herz und Engagement. Einen Grund zum Feiern sieht sie trotzdem nicht. "15 Jahre Tafelladen sind für uns kein Anlass für Feiern. Es wäre gut, wenn es die Tafeln nicht mehr brauchen würde", findet die Ebelsbacherin.

Mehr Menschen brauchen Hilfe

Doch danach sieht es nicht aus. Im Gegenteil. Marianne Schmittlutz geht davon aus, dass die Zahl der Bedürftigen durch die Corona-Krise weiter steigt. Momentan versorgt die Tafel Eltmann 46 Bedarfsgemeinschaften - ältere Menschen, Flüchtlingsfamilien, Alleinerziehende, aber laut Schmittlutz auch immer mehr Menschen zwischen 50 und 60 Jahren. "Warum diese Menschen Bedarf haben, weiß ich nicht. Wenn sie von sich aus nichts erzählen, frage ich auch nicht nach", sagt Schmittlutz. Die Altersspanne reiche von 21 bis 85 Jahren und die meisten Kunden kämen aus Eltmann, Ebelsbach und eingemeindeten Orten.

Die Scham ist ein ständiger Begleiter der Tafel-Kunden. Denn wer hier einkauft, hat nicht genug Geld zum Leben. Als Kunde der Tafelläden benötigt man die Haßberg-Card, den Sozialpass des Landkreises Haßberge. Diesen erhält jeder mit sehr niedrigem Einkommen nach Prüfung der Einkommensverhältnisse.

Komfortabler für die Kunden

Doch Corona hat nicht alles schlechter gemacht. Aus Kundensicht hat die Pandemie sogar etwas Komfort gebracht. Statt - wie zuvor - zu den Öffnungszeiten der Tafel Schlange zu stehen, holen die Kunden nun gepackte Kisten (nach Voranmeldung) zu vereinbarten Zeiten ab.

Dabei achten Marianne Schmittlutz und ihre Helfer darauf, den Kunden das einzupacken, was sie auch mögen. "Ich kenne meine Stammkunden. Von einem Mann weiß ich, dass er keinen Reis mag, sich stattdessen aber über ein zweites Glas Marmelade freut. Ich versuche für jeden so zu packen, dass es passt", erzählt Schmittlutz. Dieses Packen und Vorbereiten beansprucht einiges an Zeit. Wie viel, weiß Marianne Schmittlutz zwar nicht genau. Sie hat sich aber fest vorgenommen, die ehrenamtlichen Helferstunden, die sie mit ihrem Mann Eduard leistet, in diesem Jahr festzuhalten. "In den Vorjahren habe ich bei 700 Stunden aufgehört zu zählen", verrät sie.

So gut wie jeden Tag ist das Ehepaar Schmittlutz für die Tafel im Einsatz: Es müssen Spender gesucht, die Lebensmittel abgeholt, gelagert und schließlich verpackt werden. Das dauert. Dazu kommen noch Organisationsaufgaben und die Einteilung der Helfer.

Auch das Sortiment hat sich durch die Pandemie verändert. "Zuvor hatten wir ein Mal wöchentlich geöffnet und konnten Obst, Gemüse und Milchprodukte anbieten. Das können wir jetzt nicht mehr, denn wir geben nur noch 14-tägig aus", erklärt Marianne Schmittlutz. Die Kunden könnten sich aber bei Bedarf auch bei den anderen Ausgabestellen in Haßfurt und Ebern Lebensmittel holen.

Angebot verändert sich

Statt Frischware bekommen die Kunden nun mehr Grundnahrungsmittel, die sonst aufgrund der längeren Haltbarkeit und des schnelleren Umsatzes in den Läden nur selten an die Tafel abgegeben wurden. Auch Brot gibt es in ausreichender Menge.

"Nur in der Zeit der Hamsterkäufe war es schwer, an Lebensmittel zu kommen", erinnert sich Schmittlutz und ergänzt: "Ansonsten behelfen wir uns mit Spenden, die wir mit unserer Wunschliste erbitten. Bis jetzt hat das ganz gut geklappt", schließt sie. Auf dieser "Wunschliste" stehen Lebensmittel wie H-Milch, getrocknete Linsen oder Kaffee, genauso wie Hygieneartikel und Mittel zur Handdesinfektion.

Was sich ebenfalls durch Corona verändert hat, ist die Zahl der Tafel-Helfer. Die ist von zuletzt 31 auf sechs gesunken. "Unsere Helfer sind größtenteils schon älter und gehören damit der Risikogruppe an. Das Risiko möchte ich nicht eingehen", erklärt Schmittlutz. Dass sie und ihr Mann Eduard eigentlich auch kürzer treten sollten, ist für sie kein Thema.

Großer Dank an Unterstützer

Stattdessen möchte es Marianne Schmittlutz nicht versäumen, all jenen zu danken, die die Tafel in den vergangenen 15 Jahren unterstützt haben: "Manche haben uns für über die ganze Zeit begleitet, andere für einen bestimmten Zeitraum, manche verließen uns auf Grund veränderter persönlicher Umstände, andere wurden einfach aus unserer Mitte gerissen. Ohne all diese Hilfe wäre die Unterstützung, die wir als Tafel weitergeben, nicht möglich gewesen."