Was für eine Räuberbande! Dem Schlepper, den Joachim Richlitzki über den Acker lenkt, fliegen die Möwen hinterher und picken freudig kreischend Gerstenkörner aus dem Boden. Doch der, dem der Acker gehört, sieht das ganz gelassen: "Das dürfen die. Die paar Körner, das ist kein Verlust", sagt Daniel Diehm und zeigt, dass die Saat etwa vier Zentimeter tief im feucht-krümeligen Boden steckt und deswegen nur ein kleiner Teil zu Vogelfutter wird.

Es ist sehr kalt, und der Wind bläst eisig. Aber es war an der Zeit, das Sommergetreide aufs Feld zu bringen, wie Diehm erklärt. "Bis Donnerstag wollen wir damit fertig sein." Am 28. März also ist die Arbeit getan, wenn alles glatt läuft.

Der Familienbetrieb aus Zeil bewirtschaftet mehrere Felder in der Umgebung, baut darauf Zückerrüben, Gerste, Weizen, Raps, Triticale (ein Futtergetreide, gekreuzt aus Roggen und Weizen) und Mais an.
Am Montagnachmittag ist Daniel Diehm mit dem Fränkischen Tag auf den Äckern unterwegs und berichtet, wie die Landwirte mit den Wetterkapriolen der vergangenen Wochen klarkommen. Hat die Kälte den Pflanzen oder dem Boden geschadet? Wann lassen sich Schäden abschätzen? Und: Bangen die Bauern schon jetzt um ihre Ernte?

Zuversicht

Für Letzteres gibt der 32-Jährige Entwarnung: "Bis jetzt haben wir keine Schäden durch den Kälteeinbruch", glaubt er. Zumindest keine großflächigen. Ein geringer Teil der Rapsäcker im Landkreis Haßberge sei in Mitleidenschaft gezogen worden. Aber alles noch im grünen Bereich. Entscheidend für ihn und seine Familie (nach seinem Studium der Landwirtschaft ist Daniel Diehm 2004 in den elterlichen Betrieb eingestiegen, gemeinsam mit seinem Vater Franz leitet er das Unternehmen) ist auch, dass sie breit aufgestellt sind: Je nach Wetterlage entwickeln sich die verschiedenen angebauten Kulturen unterschiedlich. Wer also auf Vielfalt setzt, hat auch später gute Chancen, Ernteausfälle bei der einen Kultur durch gute Erträge bei der anderen auszugleichen.

Klaus Merkel, der Obmann des Kreisverbandes Haßberge im Bayerischen Bauernverband, hält den Zeitpunkt für zu früh, um sagen zu können, ob die frostigen Tage der vergangenen Wochen Schäden verursacht haben. "Es wird sich herausstellen, wenn die Kälte vorbei ist." Betroffen wären dann die sogenannten Wintergetreidesorten. Die werden Ende September bis Anfang Oktober im Vorjahr gesät, keimen auf und überwintern als kleine Pflänzchen, um schließlich im Frühjahr ihr Wachstum fortzusetzen und Früchte auszubilden (Erntezeitpunkt: Hochsommer).

Gefährlicher Wechselfrost

Laut Merkel kann die Kälte diesen Pflanzen sehr zu schaffen machen. Vor allem Wechselfrost, wenn es also tagsüber recht warm und nachts sehr kalt wird, sei gefährlich. Wenn die Poren im Boden mit Wasser gesättigt sind und es nachts gefriert, hebt sich die Bodenoberfläche, weil sich das gefrorene Wasser ausdehnt. "Dann kann es passieren, dass die Wurzeln abreißen", sagt Merkel. Erkennen könne man das erst, wenn es wärmer wird: Wachsen die Pflanzen normal weiter oder färben sie sich gelblich, weil die Wurzeln beschädigt sind?

Aber Merkel kann beruhigen: "Momentan gehen wir davon aus, dass es nur geringe Schäden gibt. Gering bis unbedeutend." Wichtig sei nun, dass die Kälteperiode aufhört, denn die Landwirte müssen jetzt säen: "Die Sommergerste sollte eigentlich schon draußen sein", sagt Merkel. Jeder Tag, den ein Bauer nun länger wartet, bedeute geringere Erträge.

Sich den Frost zunutze machen

Bei den Diehms sieht es gut aus. Der Boden, der gerade von Mitarbeiter Richlitzki mit dem Schlepper bearbeitet wird, ist gerade ausreichend abgetrocknet, die Erdschicht ist krümelig, also entsprechend locker. Optimal wäre laut Daniel Diehm eine längere trockene Phase mit Sonnenschein gewesen, dann wäre die verletzliche Bodenstruktur stabiler. Den Frost, erklärt er, habe man sich in diesem Fall einfach zunutze gemacht: Weil die obere Schicht gefriert, kann der Schlepper über den Acker fahren, ohne den Boden zu sehr zu verdichten.

Das nämlich würde den Nährstofffluss hemmen, die Wurzeln bilden sich nicht richtig aus, die Pflanze kann nicht gedeihen. "Im Frühjahr ist es unheimlich wichtig, bodenschonend zu arbeiten." Deswegen benutze man jetzt auch den kleinen, leichten Schlepper und nicht einen der großen, mit dem die Arbeit wesentlich schneller erledigt werden könnte.

Gut überstanden

Auf einem anderen Feld der Diehms grünt es bereits. Hier wurde im vergangenen Herbst Winterweizen ausgesät. Der Juniorchef gräbt eine Pflanze aus und ist zufrieden. Sie hat mehrere Seitentriebe ausgebildet, die vier stabilsten in der Mitte werden am Ende hoch wachsen und Früchte tragen, erklärt Diehm. Für ihn schaut es so aus, als hätten sie den Winter gut überstanden. "Der Großteil der Wintergetreideflächen im Landkreis hat noch ein gutes Ertragspotenzial." Und auch bei der Sommergerste ist er zuversichtlich. "Jetzt braucht es als Startschuss ein paar schöne Frühlingstage, dann bewegt sich da relativ schnell was." Auf die schönen Frühlingstage warten allerdings gewiss nicht nur die Landwirte.