Etwas verdutzt schaut die ältere Dame aus Werneck schon, als sich fünf Vertreter des Bayerischen Bauernverbands (BBV) der Kreisverbände Haßberge und Schweinfurt ihrem Einkaufswagen nähern. Mit roten Aufklebern im Gepäck, haben es die Landwirte auf günstiges Fleisch und andere landwirtschaftlich erzeugte Produkte abgesehen. Bei der älteren Dame finden die Bauern Eier und Mehl im Einkaufswagen. Nur 99 Cent kosten zehn Eier beim Discounter. Ein Preis, der bei den Landwirten kollektives Kopfschütteln auslöst.

Der Bayerische Bauernverband wehrt sich gegen die Preispolitik der großen Handelskonzerne. Symbolisch setzten die Vertreter der Kreise Haßberge und Schweinfurt das erste Zeichen auf dem Parkplatz eines Discounters in Werneck im Kreis Schweinfurt. Die Aufkleber mit der Aufschrift "Dieser Schleuderpreis zerstört" werden dabei auf möglichst viele eingekaufte Produkte angebracht. Die Menschen sollen durch die Aktion stärker für gute Lebensmittel sensibilisiert werden.

Neben positiven Reaktionen, herrscht bei einigen Kunden auch Skepsis. "Wo bekomme ich sonst Mehl in Ein-Kilo-Packungen her?", fragt eine Frau, nachdem ihr Einkaufswagen betrachtet wurde. Michael Reck, stellvertretender BBV-Kreisobmann im Kreis Schweinfurt, nannte der Frau prompt eine Mühle in der Nähe, die auch kleine Mengen anbietet. Zu oft siegen Bequemlichkeit und das Spardenken der Verbraucher, fügt Reck an. Auch Cäcilie Werner aus Wonfurt, Kreisbäuerin des Bauernverbands im Kreis Haßberge, bedauert die Situation: "Wir haben hier in Deutschland mit die niedrigsten Preise für Lebensmittel."


Schweinefleisch zu günstig

Vor allem bei Fleisch und Milch sind die Erzeugerpreise für Bauern nicht kostendeckend. "Wir erzeugen gute Lebensmittel und wollen dafür auch faire Preise", erklärt Cäcilie Werner. Besonders prekär ist die Lage bei Schweinefleisch. Für ein Kilo bekommen die Landwirte nur noch rund 1,40 Euro - in guten Zeiten waren es noch 1,90. "Bei den Preisen können Landwirte nicht mehr viel investieren", sagt Konrad Klein, BBV-Kreisobmann für den Kreis Schweinfurt.

Die Zukunft vieler Höfe sei gefährdet, da man den nachfolgenden Generationen nicht zumuten könne, in die Betriebe einzusteigen, erklärt er. Neben den niedrigen Preisen machen den Bauern auch die rückläufigen Exportzahlen zu schaffen. Vor allem China nehme nicht mehr so viele landwirtschaftliche Produkte wie früher ab, sagt Klein. Ein weiteres Hindernis für Landwirte ist die stetig wachsende Bürokratie. "Es gibt immer mehr Auflagen und damit auch immer mehr Druck", sagt Konrad Klein. Den Bauern wird unter anderem vorgeschrieben, wann sie welche Kulturen zu ernten haben. Einfluss auf die Vegetation und die äußeren Bedingungen kann so seitens der Landwirte kaum mehr genommen werden.