Die Mehrheit lehnt es ab. Laut einer repräsentativen, von Greenpeace in Auftrag gegebenen Umfrage wollen 88 Prozent der Deutschen keine gentechnisch veränderten Pflanzen in der Landwirtschaft. Insbesondere die zuletzt kontrovers diskutierte Gen-Mais-Sorte mit der Bezeichnung "1507" wird demnach abgelehnt.

Doch die Bundesregierung enthielt sich bei der Abstimmung im EU-Ministerrat der Stimme, eine sogenannte qualifizierte Mehrheit für oder gegen die Anbauzulassung kam nicht zu Stande. Das könnte dem Gen-Mais des amerikanischen Saatgut-Konzerns Pioneer den Weg nach Europa und somit auch Deutschland ebnen. Der Imker-Kreisverband Haßberge ist enttäuscht.


Pollen im Honig

"Wenn der Gen-Mais angebaut wird, kann es sein, dass gentechnisch veränderter Pollen in den Honig gelangt", sagt der Kreisvorsitzende Werner Hornung. Zwar muss das nach einem neuen Beschluss des EU-Parlaments aus dem Januar dieses Jahres nicht gekennzeichnet werden, da Pollen nach Ansicht der Europapolitiker keine elementare Zutat des Honigs ist (unter 0,5 Prozent). Dennoch sind die Imker sauer. "Mehrfach haben die deutschen Imkerverbände auf die Gefahren der Maissorte für alle Bestäuberinsekten hingewiesen und ein klares Nein zum Mais ,1507' von der deutschen Regierung gefordert", heißt es in einer Pressemitteilung des Deutschen Imkerbundes.

"Wir verstehen unsere Politiker nicht mehr, warum sie nicht Wort halten und die überwiegende Mehrheit der Verbraucher in Deutschland, die keine Gentechnik in ihren Lebensmitteln haben will, ignorieren, obwohl dies im Koalitionsvertrag schriftlich fixiert wurde", erklärte darin der Präsident des Deutschen Imkerbundes, Peter Maske. Der Imkerbund lehne den Anbau in Deutschland vehement ab und werde sich dementsprechend mit den anderen Verbänden positionieren.


Tests notwendig

Der Kreisverband Haßberge zieht da ohne weiteres mit: "Gentechnik muss sicher sein", sagt Werner Hornung. "Aber der Nachweis fehlt." Es seien noch Tests notwendig, um eventuelle Folgen für das Ökosystem ausschließen zu können. Bei Versuchsanbauten und in Ländern, in denen die Gentechnik bereits im Einsatz ist, hat es auch Auskreuzungen mit anderen Maissorten gegeben. "Man kann die Folgen für die Natur nicht absehen", sagt Hornung. Solange das nicht ausreichend untersucht ist, sollte man keine Risiken eingehen.

Dass die Koalition und insbesondere die CSU im Bundestag Ende Januar, darunter auch die Ebelsbacher Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär, einen Antrag der Grünen abgelehnt hatte, in dem die Regierung aufgefordert wurde, im EU-Ministerrat gegen den Gen-Mais-Anbau zu stimmen, versteht der Imkerverband nicht. Denn die Christsozialen hatten sich in den vergangenen Jahren immer gegen die Gentechnik in der Landwirtschaft ausgesprochen. "Da muss man halt mal über den Fraktionszwang hinweg sehen", sagte Hornung.


Bär sieht Risiko bei Gentechnik

Dorothee Bär erklärte dazu: "Ich beurteile grüne Gentechnik weiterhin sehr kritisch und halte den Anbau genmanipulierter Pflanzen weiterhin zu risikoreich." Darüber hinaus halte sie den Kurs der EU-Kommission in diesem Bereich für falsch. "Die Entscheidung über den Anbau genmanipulierter Pflanzen sollte im Sinne des Subsidiaritätsprinzips durch die Mitgliedsstaaten entschieden werden." Dass sie mit der CSU-Landesgruppe im Bundestag gegen den Antrag der Grünen gestimmt hat, begründet Bär so: "Neben inhaltlichen Schwächen des Antrags habe ich dies getan, weil auch eine ablehnende Haltung der Bundesregierung aufgrund der Abstimmungsregeln nicht zu einer Ablehnung des Zulassungsvorschlags der EU-Kommission geführt hätte. Es handelte sich bei dem Antrag um reine Symbolpolitik."

Auch die Landwirte im Kreis Haßberge sprechen sich gegen die Gentechnik aus. Allerdings sieht der Kreisverband Haßberge des Bayerischen Bauernverbands die ganze Situation weniger dramatisch. Der Gen-Mais-Anbau sei in vielen Gegenden Deutschlands, gerade auch im Landkreis Haßberge und der Region, wegen "unserer kleinstrukturierten Flächen" schlicht nicht umsetzbar, erklärt Vorsitzender Klaus Merkel.

Wegen des Abstands, der zu konventionellen Feldern eingehalten werden muss, sei der Gen-Mais "1507" für Landwirte nämlich meist ohnehin keine Option. Bedenken, dass es durch Gen-Mais zu gesundheitlichen Folgen kommen könnte, hat der Kreisobmann nicht. Gen-Mais gebe es nicht erst seit gestern, über Jahre hinweg hätten bei anderen veränderten Pflanzen keinen gesundheitlichen Risiken für Menschen festgestellt werden können. Dennoch: Merkel hält den Einsatz von Gen-Mais für schlicht unnötig. "Wir haben Maissorten, die funktionieren."


Wenige Sorten

Klaus Mandery vom Institut für Biodiversitätsinformation in Ebern spricht sich gegen den Anbau von Gen-Mais aus. "Wir haben absolut kein Verständnis dafür, dass sich die deutsche Regierung da zurückgehalten hat", erklärt er. Er befürchtet nicht so sehr gesundheitliche Risiken für die Verbraucher, dazu gebe es zu wenig gesicherte Erkenntnisse ("Ich will nicht nicht in diese Kerbe schlagen"), sondern den den Verlust von genetischer Vielfalt in der Landwirtschaft. "Die Gefahr ist natürlich groß, dass man eines Tages nur noch einige wenige Sorten anbaut."


Was ist Genmais 1507?

Der US-Hersteller Dupont Pioneer entwickelte die Sorte 1507. Dem Mais wurde ein Gen des Bakteriums "Bacillus thuringiensis" eingeschleust. Das soll die Pflanze resistent gegen die Larven des Maiszünslers machen. Zudem soll eine zweite genetische Veränderung die Maispflanze resistent gegen das Unkrautvernichtungsmittel Glufosinat machen.