Mit viel Applaus feierten die Gäste den neuen Ehrenbürger. "Die Ehrenbürgerwürde ist die höchste Auszeichnung, die eine Stadt an einen Bürger vergeben kann, eine seltene Ehrung für herausragende Verdienste um das Gemeinwohl", sagte Bürgermeister Rudi Eck zu Beginn des Festaktes, der von Judith Hutzel (Harfe und Gesang) musikalisch begleitet wurde.

"Da Rudolf Handwerker vor genau 35 Jahren am 2. Mai 1978 in diesem Saal in sein Amt als Erster Bürgermeister der Stadt Haßfurt eingeführt wurde, denke ich, und dem sind auch alle Fraktionen im Stadtrat gefolgt, dass es heute genau der richtige Zeitpunkt ist, mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde sein Wirken als Bürgermeister zu würdigen."


"Für die größere Kreisstadt den besseren Mann"

Mit der Aussage "Für die größere Kreisstadt den besseren Mann" sei die CSU 1978 mit Rudolf Handwerker, dem damaligen 33 Jahre alten Oberregierungsrat, in den Wahlkampf gezogen. Handwerker habe damals festgestellt, dass die Stadt, um lebens- und liebenswert zu bleiben, zusätzliche Ausbildungs- und Arbeitsplätze, preiswertes Wohnbaugelände, attraktive Industrie- und Gewerbeflächen und einen intensiven Kontakt zur Wirtschaft benötige. "35 Jahre danach können wir heute bestätigen: Alle diese Aussagen hat Rudolf Handwerker in seiner Amtszeit erfüllt", so Rudi Eck.

Die Würdigung des Landrats übernahm Dr. Albert Meyer. Er hatte in seiner damaligen Funktion als Finanz-Staatssekretär Rudolf Handwerker nicht nur Hilfestellung geleistet, sondern auch die "hervorragenden Leistungen des jungen Bürgermeisters" hautnah miterlebt, wie er mitteilte. Vor 35 Jahren, wenige Jahre nach der Landkreisreform und der Erhebung Haßfurts zum Kreissitz des Landkreises Haßberge, habe die Stadt mit ihren damals gut 10   000 Einwohnern eine zu geringe Zentralitätskraft besessen.

Rudolf Handwerker sei damals "genau der richtige Mann" gewesen, die Attraktivität und wirtschaftliche Bedeutung der Stadt zu steigern. Allerdings seien die Voraussetzungen für eine schnelle Stadtentwicklung damals nicht günstig gewesen. Doch Handwerker habe sehr schnell die richtigen Weichen gestellt, Wohngebiete und Gewerbeflächen ausgewiesen und die Wirtschaftsunternehmen betreut.


Stadtentwicklung vorangetrieben


"So gelang ihm zum Beispiel die Ansiedelung der Firma Unicor und er begleitete den Aufbau des Möbelhauses Engelhardt, der Waldi-Schuhfabrik sowie die Erweiterung von Mannesmann-Rexroth", so Albert Meyer. Mit dem Admira-Center habe er die Voraussetzungen für weiteren großflächigen Einzelhandel geschaffen. Um dabei die Altstadt nicht austrocknen zu lassen, sei der "Aktionskreis Haßfurt Aktiv" gegründet worden.

Handwerker habe zudem die Altstadtentwicklung konsequent vorangetrieben, zentrale Einrichtungen wie den Kreiscaritasverband nach Haßfurt geholt, den Neubau des Landratsamtes ermöglicht, das Haßfurter Straßenfest ins Leben gerufen, das Freizeitzentrum mit Eissporthalle und Erlebnisbad gebaut und für den Bau der "schönsten Stadthalle weithin" den Stararchitekten Alexander Freiherr von Branca aus München nach Haßfurt geholt.

Aber auch die Stadtteile seien bei dieser Entwicklung mitgenommen worden. " Als sich Handwerker 1990 als Nachfolger von Walter Keller um das Amt des Landrates des Landkreises Haßberge bewarb, war Haßfurt kaum noch wiederzuerkennen. Aus dem verschlafenen Kleinstädtchen war ein aufstrebendes Mittelzentrum geworden", so Albert Meyer, der Handwerker ein ungeheures Ausmaß an Fleiß, Tatkraft und Weitsicht bescheinigte.

"Lieber Rudolf, Du hast Dich in hohem Maße um Deine Stadt Haßfurt verdient gemacht, deshalb hat dich der Stadtrat der Stadt Haßfurt mit der höchsten Auszeichnung der Stadt geehrt. Zu dieser hochverdienten Ehrung gratuliere ich dir von ganzem Herzen und wünsche dir weiterhin viel Glück, Gesundheit und Zufriedenheit", so der Laudator, der auch der Frau des Geehrten, Regine Handwerker, und seiner Familie recht herzlich dankte.

"Ein Mann ohne eine Frau - außer ein Pfarrer - ist nichts", fügte Pater Reinhold Schmitt, ebenfalls Ehrenbürger der Stadt Haßfurt, schmunzelnd an und vergaß daher ebenfalls nicht, Regine Handwerker für ihre Unterstützung zu danken. Dem Landrat bescheinigte er, seine Aufgabe immer als Auftrag gesehen zu haben, die Stadt weiter zu entwickeln.


Ein Mann mit Ecken und Kanten


"Wir ehren heute einen Mann mit Ecken und Kanten", sagte Pater Schmitt, "einen Mann, der immer etwas bewegen wollte." Ihm selbst sei ein kleines Ereignis in Erinnerung geblieben: "Als wir im Übereifer unsere Kirche in Sailershausen selbst ausmalten, ohne die Diözese einzubeziehen, ja ohne die Genehmigung von Dr. Annette Faber vom Landesamt für Denkmalpflege, da hat sie mit Recht diesem Wald- und Wiesenpfarrer gezeigt, dass höhere Instanzen nicht einfach übergangen werden können, und unsere Kirche zwei Monate lang geschlossen.

Als der Herbst kam und Gottesdienste im Freien fast nicht mehr möglich waren, ging ich in meiner Not zu Rudolf Handwerker. Der sagte sofort: Natürlich könnt Ihr in Euer Kirchlein, es ist ja kein Museum, sondern ein Gotteshaus. Falls wir uns damals nicht gebührend bedankt haben, möchte ich das jetzt nachholen." Pater Schmitt bezeichnete die Verleihung der Ehrenbürgerwürde als Ehre, die man auch mit Respekt, Anerkennung, Hochachtung und Dankbarkeit bezeichnen könne. Diesem hohen Anspruch könne aber jeder nur bruchstückhaft gerecht werden. "Deshalb ist es tröstlich und befreiend, dass für uns Christen noch um eine tiefere Dimension der Ehre geht. Unser Lebenswerk ist nie Selbstzweck. Es geht vielmehr darum, mit unserem Leben Gott die Ehre zu geben."

Nachdem Bürgermeister Rudi Eck die Urkunde über die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Rudolf Handwerker übergeben und dessen Frau mit einem Blumengruß gedankt hatte, durfte sich Rudolf Handwerker zusammen mit Dr. Albert Meyer und Pater Reinhold Schmitt in das Goldene Buch der Stadt Haßfurt eintragen.

"Ich habe mich noch sie so über eine Ehrung gefreut wie über diese", sagte der neue Ehrenbürger, "denn ich bin stolz darauf, wie sich Haßfurt entwickelt hat und wie sich das Selbstbewusstsein der Bürger gesteigert hat." Gerade das Straßenfest ins Leben zu rufen, sei wichtig gewesen. Auch wenn an dem Tag, an dem das erste Fest habe stattfinden sollen, ein Antrag über eine einstweilige Verfügung gegen die Abhaltung des Straßenfestes dieses beinahe verhindert hätte.

Eine weitere Anekdote sei ihm ebenfalls im Gedächtnis geblieben: "Als der Kämmerer beim Bau der Kläranlage zwar die Kosten aufgelistet, die Zuschüsse aber nicht berücksichtigt hatte, wurden 90 Prozent der Kosten auf die Bürger umgelegt. Das ergab einen guten Grundstock für die Finanzierung vieler Projekte!" Dank sagte Handwerker seinen tollen Mitarbeitern, dem damaligen, außerordentlich aktiven und kompetenten Stadtrat und seiner Frau Regine.

Zur Person
Rudolf Handwerker wurde am 2. März 1944 als Sohn des Notars Dr. Hermann Handwerker in Klingenberg geboren, machte 1964 sein Abitur am Wirsberg-Gymnasium in Würzburg und studierte nach der Ableistung des Grundwehrdienstes Rechtswissenschaften an der Universität Würzburg. Nach Ablegung des 1. und 2. Juristischen Staatsexamens trat er 1973 in die Bayerische Staatsverwaltung ein und wurde 1974 als Regierungsrat zur Anstellung an das Landratsamt Haßberge versetzt. 1978 haben die Bürger der Stadt Haßfurt Rudolf Handwerker zu ihrem Ersten Bürgermeister gewählt. Seit 1990 ist er Landrat des Landkreises Haßberge.