Durch ein kleines Tor geht es in den Haßfurter Friedhof "Am Rödersgraben". Vorbei an großen Steinplatten und bunt bepflanzten Gräbern. Fast parkplatzähnlich sind sie angeordnet. Auf den ersten Blick ein klassischer Friedhof. Doch Guntram Ulsamer, Fachberater des Kreisverbandes für Gartenbau und Landespflege, kennt sich aus. Am Ende einer Hecke rechts abgebogen, steht man auf einmal auf einer Wiese - ohne die erdrückenden Grabsteine. In der Mitte ein Blumenmeer. Dabei handelt es sich um ein Gemeinschaftsurnengrab. Die Hälfte der Plätze ist bereits belegt. "Jeder zahlt einen Anteil, der dafür verwendet wird, das Grab anzupflanzen. Darum kümmert sich eine Firma", erklärt Ulsamer.

Vorbei an der Urnenwand zeigt der Kreisfachberater eine weitere Bestattungsform. Eine Art Friedwald in Miniaturformat. Neu angepflanzte Bäume und davor ein Sandstein-Stele mit runder Platte. Auf der ersten Platte sind schon einige Namen eingraviert. "Die Städte müssen sich im Zuge des Wandels Gedanken über neue Bestattungsformen machen", sagt Ulsamer.

Raus aus der strengen Ordnung

Von dem Wandel konnte sich der Kreisfachberater in den letzten Monaten ein Bild machen. Für den Landeswettbewerb "Friedhof - Ort der Würde, Kultur und Natur" schaute er sich in den letzten Monaten gemeinsam mit einer Jury 41 Friedhöfe in der Umgebung an. Der Haßfurter Friedhof hat für seine vielfältigen Bestattungsformen einen Sonderpreis bekommen. Sieger des Landeswettbewerbs ist jedoch der Friedhof in Memmelsdorf geworden. "Der Friedhof geht einfach aus diesem strengen Raster raus. Er ist parkähnlich angelegt mit einem schönen Rundweg. Eine zukunftsweisende Gestaltung", meint Ulsamer. Das sei auch der Wunsch der Leute: Raus aus der streng gefassten Friedhofslandschaft.

Ein Grund, warum der vor einem Monat eröffnete Ruheforst zwischen Obertheres und Buch, in aller Munde ist: Viel Freiraum und keine Grabpflege. Das macht die Natur selbst. Bereits zu Lebzeiten sucht man sich hier ein Fleckchen Erde aus. Die Nachfrage ist laut dem Betreiber Graf Achim von Beust sehr positiv. "Die Leute haben Lust, ihren allerletzten Verbleib selbst zu regeln. In dem Monat habe ich es zwei Mal gehabt, dass ein Baum ausgesucht wurde", erzählt er. Bei solchen Begehungen kann sich der Interessent das Recht am Liegeplatz sichern. Zu vergleichen mit der Pacht eines Grundstücks.

Für Guntram Ulsamer ist der Ruheforst keine Alternative zum klassischen Friedhof. "Die Trauerkultur braucht einen Platz. Und in einem Friedwald ist sie so nicht gegeben. Der Bezug geht verloren."

Das bestätigt auch Wolfgang Tully, der in der Stadt Eltmann für die Friedhöfe zuständig ist. "Aus meiner Erfahrung heraus gehen die Angehörigen höchstens einmal im Jahr in den Ruheforst." Der Friedhof sei im Landkreis ein Kommunikationsort. Beim Ruheforst falle dies weg. "Dort ist alles anonymer", meint Tully. Bestatter Rainer Schunder aus Prölsdorf (Gemeinde Rauhenebrach) schätzt den Anteil der Bestattungen in Friedwäldern momentan auf unter zwei Prozent. "Die Verstorbenen, die wir so beerdigt haben, waren absolute Naturmenschen. Die haben sich das selbst gewünscht", sagt Schunder.

Für ihn geht der Trend ganz klar in Richtung Urnenbestattung auf dem Friedhof. Egal ob Urnenwand, Familiengrab oder Urnengrab. Nach den Erfahrungen des Bestatters liegt der Anteil der Urnenbeisetzungen bei 60 Prozent. Eine Zahl, die weiter steigen wird. Da sind sich alle Befragten sicher. Wenn Familiengräber vorhanden sind, werden die Urnen meist darin begraben. "Dann fällt den Angehörigen die Entscheidung für eine Erdbestattung leichter", sagt Wolfgang Tully.

Gräber werden aufgegeben

Dennoch bemerken er und Thomas Fensel von der Stadt Zeil, dass viele Gräber aufgegeben werden und mehr Plätze frei werden. "Die Städte müssen schauen, dass sie Alternativen zu den großen Gräbern bieten. Kleine Gräber sind zeitgemäß", erklärt Ulsamer. Ausschlaggebender Punkt sind dabei meist nicht die Kosten, sondern die Pflege eines Grabes. "In 95 Prozent der Fälle sind die Kinder nicht mehr da. Wer pflegt dann das Grab?", fragt Tully.

In den Großstädten wird das teilweise zu einem riesen Problem: Die Gräber verwahrlosen nach und nach. Wolfgang Tully kennt das Problem. Zwei bis drei Mal im Jahr muss die Stadt Eltmann eingreifen und Grabbesitzer anschreiben. "Manchmal sind Nachbargräber vom Unkraut betroffen, das muss dann entfernt werden", sagt Tully.

Die Masse passe jedoch auf, dass ihre Gräber gepflegt sind. Die Friedhofskultur sei auf dem Land einfach viel persönlicher. "Man kennt sich und will da nichts unordentlich lassen", meint Thomas Fensel.
Die Städte reagieren auf den Wunsch nach pflegeleichten Gräbern: "Mini-Urnengräber sind gut gefragt. Das ist die Antwort der Kommunen auf die Friedwälder", sagt Thomas Fensel. Auch auf dem Limbacher Friedhof wurden fünf kleine Urnengräber errichtet.

Neben den kleinen Gräbern bleiben Urnenwände ein großes Thema. Seit 15 Jahren steht auf dem Zeiler Friedhof eine Urnenwand. Dieses Jahr wird sie erweitert. Der Kreisfachberater Guntram Ulsamer ist kein Freund von Urnenwänden. "Das Vergehen in der Erde wird dabei verhindert. Nach 15 Jahren hat man die Urne und weiß nicht, was man damit machen soll."

Der Wandel in der Bestattungskultur wird weitergehen. "Und man muss einfach mitgehen", sagt Fensel. In Bremen können Angehörige die Asche der Verstorbenen bereits mit nach Hause nehmen. Thomas Fensel ist sich sicher, dass das Gesetz auch in Bayern kommt. Das würde die Bestattungskultur richtig auf den Kopf stellen.