Über einen Zeitraum von mehreren Jahren hat ein Finanzberater aus dem nördlichen Landkreis seit 2010 das Vermögen seiner Kunden entweder durch hochriskante Geldanlagen vernichtet oder gleich durch Sportwetten oder in Spielhallen verzockt. Am Mittwoch verurteilte das Schöffengericht am Amtsgericht den 46-Jährigen wegen zweifachen Betrugs und Unterschlagung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt sind.

Fünf der insgesamt acht Anklagepunkte hatte das Gericht zuvor eingestellt. Zugleich ordnete das Gericht die Einziehung von Wertersatz in Höhe von 25 000 Euro an.

Mit den größten Schaden verursachte der Angeklagte im Jahr 2015. Um ihr Wohnhaus aufzustocken vertraute ihm ein Ehepaar aus dem Maintal 83 000 Euro geliehenes Geld an. Der Angeklagte versprach den Kunden, aus den 83 000 Euro innerhalb eines halben Jahres 200 000 Euro zu machen, mit denen sie den Hausbau finanzieren könnten.

"Sparmodell" ging schief

Das Geld wollte er durch ein "Sparmodell" vermehren. Dabei plante er in sogenannte "Hebelgeschäfte" zu investieren, bei denen ein zehnfacher Gewinn, aber auch ein zehnfacher Verlust erzielt werden konnte.

Über das Risiko habe sie der "Anlügeberater" nicht aufgeklärt, sagte die Kundin vor Gericht. Um die 83 000 Euro von der Bank als Darlehen zu bekommen, hätten sie und ihr Ehemann das Haus der Eltern beliehen. Nun sei das Geld weg. Den Hausbau hätten sie gestoppt. Als sie den Angeklagten nach dem Verbleib des Geldes ansprechen wollten, sei der mit seiner Lebensgefährtin auf einem Kreuzfahrtschiff gewesen. Nach der Rückkehr von der Seereise habe er sich tausendmal entschuldigt. Er sei spielsüchtig und habe das Geld nicht angelegt, sondern in einer Spielhalle verzockt. "Ich war jung, naiv, dumm und am Ende nervlich kaputt", sagte die 28-Jährige im Zeugenstand.

Auch 12 000 Euro für einen Leasingvertrag für ein neues Auto hätten sie und ihr Mann dem Angeklagten gegeben. Doch sahen sie weder das neue Auto noch ihr Geld wieder und erstatteten daher im November 2016 Anzeige.

Zehn Prozent pro Woche

Ein anderes Ehepaar zahlte dem Angeklagten 30 000 Euro. Dafür wurde ihnen zehn Prozent Zinsen pro Woche versprochen. Das Geld sollte sich innerhalb eines Jahres verdreifachen, um dann damit ein Darlehen abzulösen. Doch auch aus diesem erhofften Geldsegen wurde nichts. Das Geld war futsch. "Er verkaufte es sehr gut. Ich vertraute ihm", sagte die geleimte Kundin im Zeugenstand.

Seine eigene Lebensgefährtin trieb der Angeklagte in die Privatinsolvenz. Wiederholt besorgte er sich laut Anklageschrift Geld von deren Konto. Für einen Hausbau legte das Paar nach Aussage der ermittelnden Kripo-Beamtin ein gemeinsames Baukonto an. Doch anstatt auf das Konto einzuzahlen, räumte er es leer, indem er einen mittleren fünfstelligen Betrag abhob.

Bei einer Hausdurchsuchung sei nichts zu holen gewesen, sagte die Kripo-Beamtin. Der Angeklagte wohne in einem kleinen Zimmer im Elternhaus. Eine Offenlegung seines Vermögens im Jahr 2016 habe ergeben, dass er mittellos ist.

200 000 Euro Schulden

Ein Unbekannter ist der 44-Jährige bei Gericht nicht. Viermal wurde er bereits wegen Betrugs verurteilt. Eine Geldstrafe saß er im Gefängnis ab, weil er sie nicht bezahlen konnte. Nach eigenen Angaben hat der gelernte Versicherungskaufmann rund 200 000 Euro Schulden.

Der Staatsanwalt forderte eine Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren. Verteidiger Emil Noglu aus München hielt ein Jahr auf Bewährung für angemessen. In einem Anklagepunkt habe sich sein Mandant selbst belastet und so die Anklage erst ermöglicht. Außerdem habe er ein umfassendes Geständnis abgelegt. Er sei in einer "Alles-wird-gutgehen-Laune" gewesen und habe ein Schneeballsystem betrieben, mit dem er sich selbst ruinierte.

"Menschen in Not gebracht"

Das Gericht blieb in der Mitte der beiden Anträge. Als Auflage muss der Verurteilte 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Richterin Kerstin Leitsch bescheinigte dem Angeklagten eine hohe kriminelle Energie. "Sie haben sich durch die Gegend gemogelt und viele Menschen in Not gebracht", redete sie ihm ins Gewissen. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.