Im Sander Baggersee liegt ein grünes Ruderboot. Im Büro des Sander Bürgermeisters Bernhard Ruß (SPD) liegen vier Aktenordner auf dem Schreibtisch. Die hat er vergangene Woche fürs Krisenmanagement gewälzt. "Wir mussten den Fehler so schnell es geht richtig stellen. Das war anstrengend. Und es wäre vermeidbar gewesen", sagt Ruß.
Einmal im Monat nehmen Mitarbeiter des Kreisgesundheitsamts in Haßfurt Proben und messen die Belastung des Baggersees. Was notwendig ist, denn der See ist anfällig für Schwankungen der Wasserqualität. Das liegt am Zulauf des Mains, am Kot von Gänse-Populationen und an angrenzenden Abwasser-Überlaufbecken.
Bei jüngsten Untersuchungen zum Beginn der Badesaison war aber alles in Ordnung: Prädikat "bakteriell einwandfrei".

Bayerischer Rundfunk am Telefon

Das wusste Bürgermeister Ruß, als er am vergangenen Mittwoch im Rathaus aus einer Sitzung geholt wurde, weil der Bayerische Rundfunk am Telefon war. Es ging um eine Meldung der Deutschen Presseagentur (dpa), der See erfülle laut einem Bericht der EU-Kommission nicht die Mindestqualität zum Baden.

"Da habe ich mich direkt an das Jahr 1999 erinnert", sagt Ruß. Damals meldete die Süddeutsche Zeitung ähnliches. Auf das Sander Rathaus kam - damals wie heuer - viel Arbeit zu. "Ich habe mir direkt alle verfügbaren Unterlagen besorgt und mich ans Krisenmanagement gemacht", sagt Ruß. Die Unterlagen, die vier Ordner füllen, zeigt er dem Reporter. Noch am Mittwoch setzte Ruß eine Richtigstellung auf, stellte sie auf die Homepage der Gemeinde und informierte Pressevertreter aus der Region. Die Richtigstellung hat Ruß viel Arbeit beschert, einen Dauer-Imageschaden für Sand befürchtet er aber nicht.

Im Mai zwei Proben genommen

Allein in diesem Mai wurden zu zwei Zeitpunkten Proben aus dem Baggersee entnommen. Die Beurteilung fiel jeweils gleich aus: Das Gewässer sei bakteriologisch einwandfrei und zum Baden geeignet.

Die zuständige EU-Kommission, die die Negativ-Meldung herausgegeben hat, erstellt ihre Empfehlungen auf der Grundlage der Proben aus Haßfurt. Der Leiter des Gesundheitsamtes, Jürgen Reimann, ist mit der Thematik betraut. Er kennt ihre Schwächen: "Das Problem an dem EU-Bericht ist, dass er immer zeitlich verzögert erscheint. Er erfasst die Werte innerhalb der letzten Jahre und formt daraus eine Prognose für das kommende Jahr."

Im Jahr 2012 lag eine von fünf Proben (vom 16. Juli) über dem Grenzwert. Wie auf dieser Basis ein Warnung vor dem Betreten des Gewässers herausgegeben konnte, ist weder für Ruß noch für Reimann nachvollziehbar.
Am Campingplatz ist von der medialen Unruhe der vergangenen Woche am Montagvormittag nichts zu spüren. Dauercamper genießen die Morgensonne und Platzverwalterin Claudia Hanakam hat andere Sorgen. "Heute Nacht hatten wir einen Einbruch", sagt Hanakam. Unbekannte sind ins Büro und in den Kiosk eingestiegen, haben Hartgeld mitgenommen.

Camper waren verunsichert

"Die Sache mit der angeblichen Wasserverschmutzung war letzte Woche aber schon ein Thema", sagt Hanakam. Rund hundert Camper hätten sich bei ihr gemeldet, telefonisch oder persönlich, und gefragt, was los sei. Die meisten konnte Hanakam beruhigen: An drei Stellen auf dem Gelände des Campingplatzes sind Schautafeln mit den aktuellen Wasserwerten aufgestellt. "Die Stammgäste vertrauen uns mehr als so einer Meldung von der EU-Kommission", erklärt sie.

Einen finanziellen Schaden, der durch die Berichterstattung der dpa entstanden ist, kann weder Bürgermeister Ruß noch Claudia Hanakam beziffern. "Wir hatten viel Aufwand. Und der kostet Geld. Wie viel ist schwer zu sagen", sagt Ruß. Die Besucherzahlen des vergangenen Wochenendes waren aber stabil. Und das, obwohl das Onlineportal der "Bild"-Zeitung die Warnung der dpa noch einmal vermeldet hatte.

Population der Gänse reduzieren

Ruß denkt an die Zukunft. Er will die Qualität des Badesees auf hohem Level halten. Einen Risikofaktor stellen Wasservögel dar, vor allem Kanadagänse. Die Gänse vermehren sich rasant, weil sie auf den Inseln in Seen rund um Sand keine natürlichen Feinde haben. Eierdiebe wie Füchse und Marder kommen nicht an die Brutflächen heran. "Wir brauchen einen runden Tisch mit Naturschützern, Landwirten und Politikern, um den Bestand zu kontrollieren", sagt Ruß. Im Gespräch sind überkommunal verbindliche Vorgaben zur Jagd der Vögel, die Entnahme von Eiern und eine Landanbindung der Inseln in den Seen, um Räubern den Zugang zu den Nestern der Kandagänse zu ermöglichen.