Für Fans der spannenden Lektüre bedeutete ein solcher Krimi-Marathon im Kreis Haßberge jedoch auch, dass sie die Qual der Wahl hatten, welcher Lesung sie lauschen wollten. Zur Auswahl standen Friederike Schmöe, die in Breitbrunn aus ihrem Buch "Sport ist Mord" vorlas, Helmut Vorndran mit seinem neuen Roman "Habakuk" in Knetzgau und Thomas Kastura, der mit seinen Büchern "Drei Morde zu wenig" und "Fünf Leichen zu viel" in der Gaststätte "Goldener Schwan" in Ermershausen zu Gast war.

Und das auf persönlichen Wunsch der Wirtin, die eines seiner Bücher mit großer Begeisterung gelesen hatte, wie Kastura am Abend erfuhr. Der Autor schreibt unterschiedliche Geschichten, von düster bis lustig. Die beiden Bücher, die er am Freitag im Gepäck hatte, sind Sammlungen von kurzen, humorvollen Krimis, die in Bamberg spielen.


Hoch dramatische Fälle

Das Ermittlerduo, das sich aus Staatsanwalt Brandeisen und Kommissar Küps zusammensetzt, habe eine gewisse Ähnlichkeit mit den beiden Protagonisten der Münster-Tatorte, "aber fränkischer, und sie waren früher da", sagt der Autor. Ein wiederkehrendes Motiv in den Geschichten, die oft klassische Krimielemente parodieren, ist, dass der Staatsanwalt einen riesigen Fall vermutet, der sich schließlich als Kleinigkeit herausstellt.

Drei Geschichten aus den beiden bisherigen Bänden über Brandeisen und Küps gab es am Freitagabend zu hören. Die erste, "Mafia Bamberga", begann damit, dass "Rauchbier-Rudi", ein stadtbekannter Obdachloser, bei der Polizei eine Tasche vorbeibringt, die er auf der öffentlichen Toilette an Bambergs Omnibusparkplatz gefunden hat. Der Inhalt: 30 000 Euro. Staatsanwalt Brandeisen wittert einen großen Fall, der ihn deutschlandweit in die Medien bringt. Sofort vermutet er Verbindungen zum organisierten Verbrechen. Der Versuch, etwas über die Bamberger Ableger der italienischen, russischen und chinesischen Mafia herauszufinden, führt die Ermittler durch die ganze Stadt und zu Leuten, mit denen sie erst etwas essen oder trinken müssen, bevor sie die Information erhalten, dass niemand eine Ahnung hat, wem das Geld gehört. So hinterlassen auch Wodka und Völlegefühl ihre Spuren bei den beiden Ermittlern. Am Ende führt eine Observation des Toilettenhäuschens zur Lösung des Falls.


Weihnachten ist teuer

Die zweite Geschichte beschäftigte sich mit einem Haus, das sich jedes Jahr zur Weihnachtszeit in ein Meer aus Plastik-Kitsch und Lichtern verwandelt. Das fordert nicht nur eine riesige Stromrechnung, sondern auch das Leben des Bastlers: Nach einem Stromschlag liegt er am 30. Dezember tot in seinem Garten.
Brandeisen vermutet sofort, dass es sich um einen Mord handeln könnte, indem jemand die Leitungen manipuliert hat. Bei der Befragung der Nachbarn begegnen der Staatsanwalt und der Kommissar allerhand merkwürdigen Gestalten.

Küps muss zuerst seinen früheren Geschichtslehrer befragen, der ihn gleich begrüßt mit der Frage: "Haben Sie wieder mal ihre Hausaufgaben vergessen?" Im weiteren Verlauf des Gesprächs ärgert sich der Kommissar über den übersteigerten Nationalismus, mit dem der alte Lehrer über den amerikanischen Weihnachtsschmuck schimpft.

Der dritte Nachbar, den die beiden schließlich gemeinsam besuchen, bezeichnet sich als Rutengänger und Astrologe und führt diverse Fantasietitel. Letztlich führt die Spur zu einem anderen Haus, das in der Weihnachtszeit ähnlich hell erstrahlt. Hatte der Konkurrenzkampf der beiden Bastler etwas mit dem Todesfall zu tun?
Ein lautes "Stimmt nicht!" aus den Reihen der Zuhörer war zu hören, als Kastura erzählte, die Bamberger Polizei rühme sich mit Bayerns höchster Aufklärungsrate. Denn unter den Gästen der Lesung war ein Polizist der Polizeiinspektion Ebern, der mit einem gewissen Augenzwinkern die Leistungen der unterfränkischen Polizei betonte.

Neben den auf Hochdeutsch verfassten Erzählungen gibt es bei Kastura auch Krimis, die im Dialekt geschrieben sind. Diese geben aus der Sicht eines Freundes von Kommissar Küps wieder, was der Ermittler ihm bei einem Bier auf dem Bamberger Keller über seine neuesten Fälle erzählt.

Eine dieser Geschichten las Kastura zum Abschluss des Abends vor. "Die Göögägäng" ist inspiriert von einer Polizeimeldung, die der Autor einst in der Zeitung gelesen hatte. Darin ging es um Diebe, die eine Imbissbude ausgeraubt und dabei einen kleinen Geldbetrag und drei fertig gewürzte Brathähnchen gestohlen hatten. In seiner Geschichte lässt er Küps gegen die Göger-Gang ermitteln und letztlich den Fall lösen. Zum Schluss wünschte Kastura den Zuhörern einen guten Nachhauseweg. "Als Krimiautor sagt man: Passen Sie auf sich auf."