In einem interfraktionellen Antrag greifen die Kreistagsfraktionen SPD und Bündnis 90/Die Grünen, ÖDP und Linke das Thema Suchprozess zum dritten Nationalpark in Bayern und zur zukünftigen Regionalentwicklung des Landkreises Haßberge auf. Darüber informiert Paul Hümmer im Namen der Fraktionen.

Die drei Gruppierungen wenden sich im Blick auf die Zukunft des Landkreises gegen Denkverbote. Wer es ernst meine mit der Entwicklung, der von der Natur geprägten Landschaft des Steigerwalds und der Zukunft seiner Bürger, so Hümmer, der dürfe zu möglichen Chancen nicht pauschal Nein sagen. Die Bestrebungen zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region, auch der Tourismuswirtschaft, können verbessert werden. Und da dürfe man eine mögliche Nationalparkentwicklung nicht ohne Prüfung und ergebnisoffene Diskussion unter den Teppich kehren.

SPD-Kreisrat Paul Hümmer erinnert daran, dass der DGB (Deutscher Gewerkschaftsbund) Haßberge ebenfalls für die Einbindung des Steigerwaldes in den Suchprozess ausgesprochen habe. Nicht zuletzt gab es laut Hümmer im Juni eine beschlosse Resolution der SPD-Kreiskonferenz, in der sich die SPD im Landkreis dafür ausgesprochen hatte, den Steigerwald bei der Auswahl eines Nationalparks in Bayern miteinzubeziehen.

Im Namen von SPD-Fraktion, Bündnis 90/Die Grünen, ÖDP und Linke richtete der Eberner Bürgermeister und Kreisrat Jürgen Hennemann die Anfrage um Behandlung des Themas im Kreistag. Dabei solle die Resolution der SPD Haßberge mitbehandelt werden.

Hennemann erinnert an den regionalen Dialogprozess Steigerwald am Runden Tisch, als im Juni eine Potenzialanalyse angeregt wurde, um sieben denkbare Modelle und Varianten verglichen werden sollten - einschließlich Nationalpark. Die weitere Diskussion solle konstruktiv und sachlich geführt werden. Die Debatte sei wegen der Transparenz in den örtlichen Gremien zu führen.

Die Fraktionen wünschen eine Auskunft zur Situation Steigerwald und zum Stand des Leader-"Leuchtturmprojekts Steigerwald" in der  Kreistagssitzung.

Hennemann reichte als Antrag im Namen der Fraktionen ein:
" Der Kreistag Haßberge fordert die Bayerische Staatsregierung auf, den Steigerwald in den aktuellen Prozess zur Auswahl eines 3. Nationalparks in Bayern und in die notwendigen Untersuchungen und Studien einzubeziehen!
Die Studien sollen folgende Aspekte umfassen:
• Regionalentwicklung und Auswirkungen auf die Region, insbesondere auf den Landkreis Haßberge
• Arbeitsplätze
• Gewerbe und Handel
• Landwirtschaft
• Forstbetriebswirtschaftliche Aspekte
• Energieressource Holz
• Natur- und Artenschutz
• Tourismus
• Außendarstellung der Region
• Schutz benachbarter Waldgebiete."

Die Fraktionen wünschen eine "Faire Chance für den Steigerwald".

Begründet wird der Antrag mit dem Grundgedanken, dass von den Funktionsträgern der Staatsregierung ein dritter Nationalpark in Bayern als ein "ökologisches Konjunkturprogramm allererster Güte" gesehen werde.
Eine solche Einrichtung stärke die Naturheimat Bayern, erhalte die Artenvielfalt und treibe die wirtschaftliche und infrastrukturelle Entwicklung voran. Nationalparke seien eine "Vitaminspritze" für die Region. Hohe regionale Wertschöpfungen gebe es für die südbayerischen Nationalparkregionen Bayerischer Wald und Berchtesgaden in Höhe von 20 und 14 Millionen Euro jährlich.

Bisher habe, lautet die Begründung in dem Antrag der Fraktionen weiter, die Staatsregierung ein weiteres Großschutzgebiet abgelehnt. "Es wäre aus unserer Sicht nicht verantwortbar, mögliche Chancen für den Steigerwald und für den Landkreis Haßberge nicht zu prüfen. Da die Buchenwälder im Nordsteigerwald im Screening für das Weltnaturerbe der UNESCO als bestes Bayerisches Buchenwaldgebiet eingestuft wurden, müssen sie in diese transparente und offene Diskussion miteinbezogen werden."

Betont wird auch: "Die Unterzeichner dieses Antrags fordern hiermit keinen Nationalpark im Steigerwald. Aber wir wollen, dass der Steigerwald in dieses angekündigte offene und transparente Verfahren einbezogen wird. Sobald die Ergebnisse des Verfahrens vorliegen, können sich alle
Bürgerinnen und Bürger der Region und auch die verantwortlichen Kommunalpolitiker der Region auf der Basis von Fakten eine Meinung bilden."