Wo sollen die Windräder stehen? Schon seit einiger Zeit beschäftigt diese Frage etliche Bewohner im Landkreis. Manche sähen die staksigen Anlagen nicht so gern bei sich vor der Haustüre.

Andere berührt die Diskussion um die Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für Windkraftanlagen eher weniger. Nicht so die Mitglieder des Kreistags: Die stimmten gestern Nachmittag bei einer Sitzung in Haßfurt darüber ab, wie die Stellungnahme des Landkreises zum geänderten Regionalplan der Region Main-Rhön aussehen soll. Darin nämlich wird letztlich festgelegt, wo Windräder gebaut werden können und wo nicht.

Das Thema hat es in sich: Am Anfang der Planungen waren im Landkreis Haßberge 18 Flächen für Windkraft (WK) vorgesehen. Derzeit sind es zehn. Würde der Planungsverband die Stellungnahme des Landkreises eins zu eins einfließen lassen, wären es nur noch fünf Flächen.


Gebiete komplett gestrichen


Denn einige Beschlussvorschläge wurden gestern vom Kreistag auf Antrag kurzfristig geändert, so dass die Gebiete WK 87, 89, 90, 91 und 92 nun komplett gestrichen wurden. Außerdem soll das WK 47 "Südöstlich Kimmelsbach" vom Vorrang- zum Vorbehaltsgebiet umgeändert werden - sprich, die Gemeinde hat noch Möglichkeiten mitzureden.

An dem sehr umstrittenen WK 88 bei Kleinmünster in der Gemeinde Riedbach wurde allerdings nicht gerüttelt.
Wie der Planungsverband Main-Rhön mit dieser Stellungnahme umgehen wird und inwiefern sich daraus Änderungen ergeben werden, steht noch nicht fest. Jedenfalls hatte mancher Kreisrat den Eindruck, die Stellungnahmen würden ohnehin kaum vom Planungsverband berücksichtigt. So monierte Rauhenebrachs Bürgermeister Oskar Ebert (WG), der Gestaltungswille der Kommunen werde vernachlässigt.

Egal, was die Gemeinden sagten, entscheidend seien nur die Parameter des Planungsverbands. "Wenn wir keine Stellungnahmen abgegeben hätten, wäre es das Gleiche." Nun sei man "politisch gefordert, Kompromisse zu schließen".

Landrat Rudolf Handwerker (CSU), der auch Vorsitzender des Planungsverbands Main-Rhön ist, entgegnete, die Stellungnahmen hätten sehr wohl ihren Niederschlag gefunden.


Aus eins mach vier


Als darüber abgestimmt werden sollte, dass das Gebiet WK 87 "Reut" in der Gemeinde Riedbach komplett aus dem Regionalplan gestrichen werden solle, erweiterte Wilhelm Schneider (CSU) den Beschlussantrag gleich um drei weitere Windkraft-Gebiete: Er sprach sich dafür aus, dass auch die Gebiete WK 89 "Nördlich Holzhausen" (Stadt Königsberg), WK 90 "Südlich Rügheim" (Städte Königsberg und Hofheim) sowie WK 91 "Eicheläcker" (Stadt Haßfurt) herausgenommen werden.

Diese Gebiete liegen in unmittelbarer Umgebung zur Gemeinde Riedbach, die mit dem WK 88 die größte geplante Fläche (551 Hektar) für Windkraftanlagen zur Verfügung stellen würde. "Im konkreten Fall von Riedbach sehen wir gewaltige Probleme für die Gemeinde", sagte Schneider im Namen der CSU-Fraktion.

Riedbach sei sonst umzingelt von Windkraft, mit einer Streichung der genannten Gebiete könne man ein Zeichen setzen und womöglich die "Akzeptanz" in der Bevölkerung erhöhen. Der Kreistag stimmte dem Beschlussvorschlag bei 14 Gegenstimmen zu.


Und noch eines dazu


Auch das WK 92 "Nördlich Obertheres" (Gemeinde Theres) will der Kreistag streichen. Der Beschlussvorschlag hatte ursprünglich die Zustimmung zu der im Regionalplan vorgenommenen Verkleinerung vorgesehen. Verkleinert wurde es, weil ein Teil davon in der Flugschneise des Verkehrslandeplatzes Haßfurt liegt. Sowohl Siegmund Kerker als auch Steffen Vogel (beide CSU) beantragten jedoch die komplette Streichung des Gebiets. Die wurde vom Kreistag bei 18 Gegenstimmung so beschlossen.


Zeichen gesetzt?


Wohlgemerkt: Die Stellungnahme des Landkreises ändert nicht den Regionalplan. Jedoch setzt der Kreistag damit "ein Zeichen" in Richtung Regionalem Planungsverband, wie es sich Wilhelm Schneider bei seinem Beschlussvorschlag gewünscht hatte.

Landrat Rudolf Handwerker stimmte jedenfalls als Vorsitzender des Kreistags gegen die "unplanmäßigen" Streichungen und bat dafür um Verständnis. Das war zu erwarten: Als Vorsitzender des Planungsverbands würde er den eigenen Regionalplan (Abschnitt Windkraft) in Frage stellen.