Seit Montag ist die Schule in Knetzgau verwaist. Die Generalsanierung der Dreiberg-Schule ist nicht nur für die Gemeinde eine große Herausforderung, sondern auch für die gesamte Schulfamilie. Bevor das große Schulhaus an der Hainerter Straße eine Rundum-Erneuerung erfährt, bedarf es einer großen logistischen Herausforderung: die Auslagerung der einzelnen Klassen.

"Es hat mich schon sehr mit Wehmut erfüllt", sagte Rektorin Hannelore Glass beim Anblick des verlassenen Schulhauses. Sie ist sich aber sicher, dass man mit der Sanierung einen ganz großen Schritt vorwärts gehe. Umso größer sei die Freude, den Schulbetrieb für das Schuljahr 2016/17 wieder am angestammten Schulstandort in Knetzgau aufnehmen zu können.

Vorbereitungen seit Mitte Januar

Seit Mitte Januar bereiteten sich die Schüler mit ihren Lehrerinnen und Lehrern auf das große Ereignis vor und lebten mehr oder minder aus Umzugskartons. Nach den Faschingsferien hat die Schulfamilie nun ihre neuen Domizile bezogen. Diese sind in Knetzgau im Nebenbau der Franz-Hofmann-Halle (3c und 4c), in Zell im Kindergarten (2c und 1c) sowie im Feuerwehrhaus (4b), in der alten Schule in Hainert (3 a und b) und in der alten Schule in Westheim (das sind die jahrgangsgemischten Klassen 1a/2a, 1b und 2b). Die Klasse 4a sowie die Fünft- und Sechstklässler wurden bereits von der Schule in Zeil freudig in Empfang genommen und die siebten bis neunten Klassen zogen um in die Räume der Haßfurter Mittelschule.

Alle helfen zusammen

"Der Umzug hat vorbildlich geklappt", lobte Rektorin Hannelore Glass das perfekte Zusammenspiel. Angefangen von den beiden Hausmeistern Roland Johannes und Robert Geuß als "Umzugsexperten", dem Lehrerkollegium mit ihrem außergewöhnlichen "Organisationstalent", dem Team von der Ganztagsbetreuung mit ihrem "Ideenreichtum" bis hin zum flexiblem Busunternehmen Bengel wurde alles mit Bravour gemeistert, zeigt sich die Rektorin beeindruckt. Der Informationsfluss zwischen Schule und Elternhaus habe gut geklappt. "Unsere Kinder sind bestens aufgehoben", versicherte Hannelore Glass, die eigens gemeinsam mit Bürgermeister Stefan Paulus (CWG, SPD) zu einer kleinen Besuchstour zu den Schülern in Hainert, Westheim und Knetzgau aufbrach.

Liebevoll dekoriert

Nicht nur das Treppenhaus in der alten Schule in Hainert ist liebevoll dekoriert, sondern auch die beiden im Obergeschoss gelegenen Klassenräume. Denn: "Alle haben an einem Strang gezogen", bekräftigte Lehrerin Sonja Rümer. Die Eltern haben nicht nur beim Dekorieren der Klassenräume geholfen, sondern am Montag eigens eine "Einzugsparty" mit Muffins, Blätterteigschnitten und Trinkschokolade organisiert. "Wir haben Geduld ohne Ende und sind tiefenentspannt", beschrieb die Pädagogin das Arbeiten in den hellen, freundlichen Räumen. Eine Aufwertung erfahren die gemeindeeigenen Räume allemal, die als Ausweichquartier während der Schulsanierung benutzt werden.

Auch wenn die Kinder auf die Frage: "Wie gefällt es euch in den neuen Räumen"? in ein einhelliges "gut" gestimmt haben, ist die eine oder andere Träne beim Auszug aus der Knetzgauer Schule schon gekullert, versicherte Lehrerin Sigrid Warmuth. Aber die freundlichen Räume lassen den Schmerz leicht verkraften und so haben die Kinder eigens für Rektorin, Bürgermeister und Reporterin in "Alte Schule, altes Haus, ich danke dir - neue Schule, neues Glück, es führt kein Weg zurück", lauthals eingestimmt.

Großes Abenteuer

"Wir müssen noch ankommen, aber es hat sich schon gut eingespielt", berichtete Lehrerin Sigrid Schneider nach zwei Tagen Schulbetrieb in der alten Schule in Westheim. Ein großes Abenteuer ist es allemal, vor allem für die Knetzgauer Kinder, die ja jetzt für eineinhalb Jahre "Buskinder" sind. Emilia genießt es jedenfalls, mit dem Bus zur Schule nach Westheim zu fahren, und auch Ina stimmte in die Freude mit ein: "Die Busfahrt von Zell dauert jetzt noch länger". Vom Lehrerkollegium bis hin zu den Schülern sind alle glücklich in ihren "neuen Räumen". Die Kommunikation klappt sehr gut. Und: "Man wird als Schule im Dorf wahrgenommen", bekräftigte "Dorflehrerin" Sigrid Schneider.
Dass alles bis ins kleinste Detail organisiert ist, beweist der Pausenverkauf an der Franz-Hofmann-Halle in Knetzgau. Der Bäckereiwagen auf dem weiträumigen Pausenhof ist dicht umlagert. Die Schüler werden dort im rundum gemauerten Anbau unterrichtet. "Die Fluchtwege sind vorhanden", versicherte Bürgermeister Stefan Paulus, der keine Bedenken gegen einen Schulbetrieb trotz Schließung der Franz-Hofmann-Halle aus Brandschutzgründen hegt. Denn die Nebenräume sind von den Mängeln nicht betroffen.
Überhaupt zeigte sich das Gemeindeoberhaupt "positiv überrascht" von dem Schulbetrieb, der reibungslos über die Bühne geht. "Den Kindern geht nichts ab, alle denken mit und ziehen an einem Strang", versicherte Hannelore Glass.
Sie sprach ein dickes Lob an die Gemeinde Knetzgau aus, die sehr viel Geld in die Hand genommen habe, um den Unterricht während der Sanierungszeit kinderfreundlich zu gestalten. Die Kinder können in der Umbauphase sogar ihre eigene Gemeinde besser kennen lernen, denn zum Mittagessen trifft man sich im Pfarrsaal und die Mittagsbetreuung kann im "Knochenhäusle", in der "Gotteshütte" und im Kindergarten wahrgenommen werden.

Bushaltestelle: Vorsicht, Kinder!

Die Eltern konnten sich vor zwei Wochen selbst ein Bild von den neuen Klassenräumen machen. Dabei kam laut Bürgermeister mehrheitlich die Meinung auf, dass man froh sei, gemeinsam eine Lösung gefunden zu haben, den Kindern bestmögliche Räume mit störungsfreiem Unterricht zu bieten. Paulus appelliert außerdem an die Vernunft der Eltern der Knetzgauer Kinder, Personen an der Bushaltestelle am ehemaligen Dorfladen neben dem Rathaus mit ihrer Fahrweise nicht zu gefährden. Vorsich