In den Vereinen werden zum Abschluss der Saison jetzt wieder "Torjägerkanonen" verteilt und ganz Fußball-Deutschland freut sich darauf, wenn es die Kicker bei der EM im Juni kräftig krachen lassen. Ingo Hafenecker fährt derweil im Heimatmuseum in Ebern ein ganz anderes Geschütz auf, eine Böllerkanone.
Die Kanone und ein Böller sollen im Juni als "Objekt des Monats" zu sehen sein. Mit Fußball hat die Initiative des Museumsdirektors indessen gar nichts zu tun. Diese Erklärung wäre viel zu profan. Was also hat es mit den Böllern auf sich?

Feierliche Prozession


Am kommenden Donnerstag, erklärt der Museumsdirektor und Bürgervereins-Vorsitzende, "zieht die katholische Kirchengemeinde von Ebern, wie seit eh und je und wie überall in katholischen Landen, wieder mit ihrer Fronleichnamsprozession durch die mit Fahnen und Blumen geschmückten Straßen der Stadt. Mit der Prozession soll der 'Leib des Herrn' besonders verehrt werden, weswegen man vor allem in früheren Jahren alles an Prunk und Pomp einsetzte, um diesen Umzug zu einer Glaubensdemonstration zu machen."
Die Prozession erfolgt noch immer in einer besonderen Ordnung. Allerdings steht heute, laut Hafenecker, "in erster Linie die Verehrung des Allerheiligsten und das persönliche Glaubenszeugnis, das Beten und Singen im Mittelpunkt, mehr als die große Schau." Zumindest gelte das für Ebern.
Manche ältere Teilnehmer vermissen heute während der Prozession ein Element, das man vor einigen Jahren eingestellt hat, weil es nicht mehr nötig ist: das Schießen der Böller.

Akustisches Signal


Man könnte meinen, dieses Böllerschießen sei als Ehrensalve für den himmlischen König gedacht gewesen, so wie es bei den Gebirgsschützen ist, die an jedem der vier Altäre beim Segen mit den Böllern oder ihren Gewehren Salut schießen. "Dann wäre die Einstellung des Schießens fatal", findet Hafenecker. "Bei uns hatte das Böllerschießen aber einen ganz pragmatischen Grund. Es war ein akustisches Signal, um bei dem langen Zug der Gläubigen mit ihren Fahnen, Bildern und Figuren den hinten Marschierenden anzuzeigen, wann sie sich vor dem Evangelium bekreuzigen und während der Wandlung knien mussten - so wie es im Gottesdienst die Wandlungs-Glocke tut".
Bis Ende der 1950er Jahre verwendete man in Ebern zu diesem Zweck zwei fahrbare Böllerkanonen, die von einem Altar zum anderen gefahren wurden.
Gestern war Ingo Hafenecker mit Putzeimer und Lappen zugange, denn so mit "Dreck und Speck" will er die Kanone nicht in seinem Heimatmuseum präsentieren. Schließlich hatte sie lange Zeit tief hinten im Fundus des Bauhofs gelagert.

Fataler Fehler


Einmal, erzählt er unterm putzen, passierte ein Missgeschick:: Der Kanonier lud die vom ersten Schuss noch heiße Kanone zu früh nach, so dass sich das Pulver entzündete und der Schuss den Mann schwer verletzte. Er verlor seinen Arm.
Daraufhin durfte mit den Kanonen nicht mehr geschossen werden. Man schaffte stattdessen einen einfachen, stationären, TÜV-geprüften Böller an. Der wurde fortan auf dem alten Sportplatz (heute Wohnmobil-Stellplatz) per "Fernbedienung", mittels Zugschnüren, von eigens geprüften Schützen abgeschossen. Sicher ist sicher!
Die Prozessionen in der Gemeinde St. Laurentius sind inzwischen kleiner geworden und Funktechnik hat die Kommunikation verbessert, um die Glocken der Kirche jeweils rechtzeitig in Betrieb zu setzen. So haben die Böller ausgedient. Jetzt stehen sie im Museum als Zeugen der Tradition.