Im März 2017 erlangte die Haßfurter Pfarrerin Doris Otminghausen bundesweite Bekanntheit. Sie war eine vor mehreren Pfarrern, gegen die Bayern wegen "Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt" - sprich wegen der Gewährung von Kirchenasyl ermittelte.
Zwar wurden die Ermittlungen kurze Zeit später eingestellt - doch auf Otminghausen könnte neues Ungemach zukommen: Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, könnte der Pfarrerin ihm Rahmen eines anderen Verfahrens Strafen drohen. Am Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen wird gegen einen der Männer, dem sie Unterschlupf gewährte, ein Verfahren geführt um die Abschiebung nach Bulgarien zu erreichen. Sollte gegen den 26-Jährigen ein haftbefehl ausgesprochen werden, drohen auch der Haßfurterin laut BR weitere Ermittlungen.

Derweil würdigten die bayerischen Grünen den Einsatz von Geistlichen für Kirchenasyl mit einer demonstrativen Auszeichnung. Doris Otminghaus wird mit dem Sepp-Daxenberger-Preis 2017 geehrt, wie die Grünen in München mitteilten. Der Preis ist nach dem 2010 gestorbenen früheren Grünen-Landesvorsitzenden benannt.
Otminghaus habe im vergangenen Jahr doppelt Mut bewiesen, lobte Grünen-Landeschefin Sigi Hagl. "Zum einen hat sie Geflüchteten Kirchenasyl gewährt, als diese keinen anderen Ausweg vor der menschenverachtenden Asylpolitik der Staatsregierung gesehen haben." Zudem habe sie öffentlich gemacht, dass Staatsanwaltschaften gezielt gegen Geistliche ermittelten, die Kirchenasyl gewährten.

Otminghaus erklärte, sie nehme den Preis stellvertretend für alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter an, die sich für das Kirchenasyl einsetzten und den Geflüchteten Schutz gewährten. Gegen Doris Otminghaus war - wie gegen viele andere Geistliche in Bayern - ermittelt worden. Im März teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass die Schuld nach Prüfung des Falles als gering anzusehen sei.


Druck auf Flüchtlinge

Doris Otminghaus kritisiert in diesem Zusammenhang, wie aus Medienberichten vom gestrigen Dienstag hervorgeht, dass die Staatsregierung nach der "Einschüchterungstaktik" gegenüber den Geistlichen jetzt verstärkt gegen Flüchtlinge im Kirchenasyl vorgehe, um sie wegen angeblich illegalem Aufenthalt als Straftäter abschieben zu können. dpa/ft