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Sand am Main
Kultur

Kino statt Weinfest am Altmain: Lichtblick für Veranstaltungsbranche in Unterfranken

Das Zeiler Capitol-Theater präsentierte in Sand drei Filme - ein Anfang für die leidende Veranstaltungsbranche nach der Zwangspause durch die Corona-Pandemie.
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Der "Lebekäsjunkie", ein humorvoller Heimatkrimi, begeisterte am Samstagabend die Besucher vor der Altmain-Kulisse. Christian Licha
Der "Lebekäsjunkie", ein humorvoller Heimatkrimi, begeisterte am Samstagabend die Besucher vor der Altmain-Kulisse. Christian Licha
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Vergleichsweise ruhig ging es am Wochenende auf dem Sander Altmain-Festplatz zu. Wo sonst zu Weinfest-Zeiten Zehntausende unterwegs sind, waren es heuer coronabedingt insgesamt nur rund 450 Besucher an drei Tagen, denen aber eine unterhaltsame Alternative zum ausgefallenen Weinfest geboten wurde.

Mit den Streifen "25 km/h", "Leberkäsjunkie" und "Das perfekte Geheimnis" präsentierte Bruno Schneyer, der Betreiber des Zeiler Capitol-Kinos, von Freitag bis Sonntag jeden Tag einen anderen kurzweiligen Spielfilm vor der malerischen Kulisse des Altmains. Natürlich galt es, die Hygienevorschriften einzuhalten, so dass maximal 200 Besucher je Abend zugelassen waren. Mit im Boot war Mario Pfaff, der mit seinem Ein-Mann-Unternehmen MAD Veranstaltungstechnik aus Oberaurach zusammen mit einigen Aushilfen sonst bei verschiedenen Festen in der Region für die Technik verantwortlich zeichnet.

"Ihr müsst uns was machen lassen": Veranstalter aus Sand am Main wenden sich bei Kinosommer an Politik

Am Freitag wandte sich Pfaff mit eindrucksvollen Worten an das Publikum: "Aufgrund der Corona-Einschränkungen ist das hier meine erste Veranstaltung im Landkreis, die ich machen darf." Die Veranstaltungsbranche stehe nach wie vor auf Null und es werde Zeit, dass eine Wiederbelebung stattfinden darf, so Pfaff. "Ihr müsst uns was machen lassen", sandte auch Schneyer ein Signal an die Politik. Beide Veranstalter sind sich einig: Auch wenn der Kinosommer in Sand gut angenommen wurde, komme am Ende aufgrund der begrenzten Besucherzahl wohl nur eine "schwarze Null" unterm Strich heraus.

Ein besonderer Dank galt den Unterstützern, die bei der Realisierung der Veranstaltung geholfen haben. So war es der Sander Gemeinderat Paul Hümmer, den Pfaff als erstes ansprach und der das Anliegen an Bürgermeister Ruß und den Gemeinderat weiterleitete. Nach dem Motto "Eine Hand wäscht die andere" stellte Pfaff seine Bühne und die Technik auch dem Organisationskomitee des Altmain-Weinfestes kostenlos zur Verfügung, das am Sonntag seinen traditionellen Gottesdienst abhielt. Schließlich stellte Bauunternehmer Daniel Ullrich Absperrzäune zur Verfügung, mit denen das Gelände laut behördlicher Auflagen eingezäunt werden musste.

"Am Ende des Tunnels ist wieder ein kleines Licht aufgegangen", sagte Stefan Goger vom gleichnamigen Weingut, der die Bewirtung mit Speis und Trank übernommen hatte. "Zwar ist der Kuchen nicht sehr groß, den es hier zu verteilen gibt, aber es ist schon mal ein Anfang", so der Winzer, der auch mit seinem Hotelbetrieb unter der Coronakrise leidet.

Live-Musik und Kinofilme: Ersatzveranstaltung für Weinfest in Sand

Auch Künstler haben es in der momentanen Lage schwer, und so gab es jeweils vor dem Kinofilm musikalische Unterhaltung. Am Freitag sorgte ein Musiker-Trio mit Klaus Neubert, Michael Schmidt und Matthias Köhler für einen stimmungsvollen Rahmen. Tags darauf stand noch einmal der Gitarrist Klaus Neubert auf der Bühne, diesmal zusammen mit der Formation "Zeiler Zither Partie", der auch Thomas Zrieschling an der Harfenzither und Max Stadler am Akkordeon angehören. Beim Abschluss am Sonntag sang sich "Miss Sophy und ihr Tobias" in die Herzen der Zuschauer.

Die Besucher waren ausnahmslos begeistert von dem besonderen Kino-Ambiente. Wenn auch teilweise wegen der kühlen Witterung in Wolldecken eingehüllt, genossen die Zuschauer die Filme. So auch die Abt-Degen-Weinprinzessin Anna-Lena Werb, die diesmal ganz privat in Sand weilte. Den Heimatkrimi "Leberkäsjunkie" am Samstag hatte sie sich ausgesucht, zu dem sie von einer Freundin, Anna-Maria Dütsch aus Kirchaich begleitet, wurde. Natürlich trauerte die Weinprinzessin etwas um das ausgefallene Weinfest, aber einen Kinoabend mit einem guten Sander Wein zu genießen habe auch etwas Gutes, so Werb.

Für den Kinosommer fand im Vorfeld ein Kartenvorverkauf statt, bei dem etwa 80 bis 90 Prozent der Besucher schon ihr Ticket lösten, sagte Schneyer. Zudem fanden sich einige Kurzentschlossene ein, so wie beispielsweise ein Radwanderer aus Südbayern, der in Sand Station machte. Spontan kam beispielsweise am Samstag auch Stefan Zettelmeier zum Festplatz, um "Leute zu treffen und Abwechslung zu haben". Der Sander zollte Bruno Schneyer seinen Respekt: "Super, dass der Bruno so eine Veranstaltung in der schwierigen Zeit aufzieht."

Wer nun Lust auf Open-Air-Kino bekommen hat und in Sand nicht dabei sein konnte, kann vom 31. Juli bis einschließlich 8. August in Zeil im Caritasgarten ein solches Event genießen. An sieben Tagen zeigt hier ebenfalls das Capitol-Kino zusammen mit MAD Veranstaltungstechnik wechselnde Spielfilme. Der Kartenvorverkauf hierfür ist bereits im Kino angelaufen.