Erwin Benkert ist Berufskraftfahrer. Seit 26 Jahren lenkt er einen Laster. Früher im Fernverkehr, heute zwischen Knetzgau und Eltmann. Täglich bringt er Waren von A nach B, pardon: von K nach E. Wer so viel auf der Straße unterwegs ist, der kennt sich aus mit der Verkehrssünderkartei und mit den Neuerungen, die voraussichtlich ab 2014 in Kraft treten werden. Oder?

"Damit habe ich mich noch nicht befasst", sagt der aus Weisbrunn bei Eltmann stammende Lkw-Fahrer lachend. Gleichzeitig räumt er aber ein, dass ihm die Kartei sehr wohl am Herzen liegt, notgedrungen: Würde er zu viele Punkte in Flensburg sammeln, hätte das für ihn fatale Folgen. Ohne Führerschein kann Benkert nicht arbeiten. Doch irgendwie hat der 55-Jährige im Gefühl, dass sich so viel für ihn gar nicht ändert wird durch die Neuerungen.


Regeln bleiben Regeln

"Ich weiß, worauf ich achten muss." Dass er seine Pausenzeiten einhält, ist wichtig, die Zeiterfassung erfolgt elektronisch über ein Gerät im Lkw. Dass er seinen Lkw nicht überlädt, auch darauf gibt er acht. Und dass er mal zu schnell fährt, dass komme auf der kurzen Strecke eigentlich nicht vor, sagt er. Das sind nur einige Beispiele und Benkert weiß, was er darf und was nicht. Was auch immer sich nun im kommenden Jahr an der Kartei in Flensburg ändert: die Verkehrsregeln bleiben gleich.

Wenn es einfacher wird, dann gut

Auch für Karlheinz Bodrich sind die Änderungen noch nicht relevant: "Ich werde mich damit beschäftigen, wenn es für mich bindend ist", sagt der 78-Jährige aus Kamenz (Sachsen), der mit seiner Frau auf der Durchreise ist. Der Landkreis Haßberge ist den beiden bekannt, hier haben sie schon Urlaub gemacht. Mit dem Auto sind sie häufiger unterwegs, am Zielort steigen sie dann aber für Ausflüge und dergleichen meist aufs Fahrrad um. Generell hält Bodrich eine Überarbeitung des Systems für sinnvoll, vor allem, wenn es zu einer Vereinfachung führt: Wenn für die Reform ein zusätzlicher Behördenapparat aufgebaut werden müsste, lehnt er das ab.

Polizei ist ganz entspannt

Bei der Polizeiinspektion in Haßfurt ist die Reform der Verkehrssünderdatei auch noch nicht verstärkt in den Fokus gerückt, wie Polizeioberkommissar Werner Rottmann erklärt. Er glaubt, die Neuerungen werden gar nicht so viel Aufsehen erregen, sowohl was die behördliche Arbeit angeht, als auch bei den Verkehrsteilnehmern selbst. Verwaltungstechnisch sei das im Zeitalter der EDV kein größerer Aufwand: "Das funktioniert quasi auf Knopfdruck." Draußen im Verkehr, "da muss die Polizei entsprechend firm sein", sagt Rottmann. Wenn der Verkehrsteilnehmer wissen wolle, welche Strafe im blüht, sollten die Polizisten Bescheid wissen. Wichtig sei aber vor allem, Punktesystem hin oder her, dass die Autofahrer sensibilisiert würden für die Verkehrsregeln, also den gleichen Fehler nicht noch einmal machen.

Das ändert sich durch die Reform der Verkehrssünderkartei

Punkte Statt bei 18 Punkten ist der Führerschein künftig bei acht Punkten weg. Damit ändert sich aber auch die Vergabe der Punkte: bis zu sieben Punkte für ein Delikt gibt es nicht mehr, sondern nur noch maximal drei. Wer 6 oder 7 Punkte erreicht, muss an einem Fahr eignungsseminar teilnehmen. Verstöße, die nicht die Sicherheit gefährden, werden nicht mehr mit Punkten geahndet. Dazu zählt das Einfahren in eine Umweltzone ohne Berechtigungsplakette oder Verstöße bei Sonntagsfahrverboten und Fahrtenbüchern.

Punkteabbau Ursprünglich wollte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) bei der geplanten Reform der Flensburger Verkehrssünderdatei die Möglichkeit zum Punkteabbau streichen. Nach jüngsten Entschlüssen des Verkehrsausschusses des Bundestags kommt es anders: Möglich sein soll ein Rabatt von zwei Punkten einmal in fünf Jahren, allerdings nur für Verkehrrsünder, die bei vier oder fünf Punkten angelangt sind und sich auf dieser Stufe zu einem freiwilligen Seminar entscheiden.

Verjährung Künftig soll jeder Verstoß für sich verjähren. Punkte für Straftaten mit Führerscheinentzug sollen nach elf Jahren gelöscht werden. Straftaten ohne Führerscheinentzug nach sechs Jahren, Ordnungswidrigkeiten nach sechs bis drei Jahren. Ein erster Antrag auf Neuerteilung des Führerscheins ist nach sechs Monaten möglich.

Führerschein mit 17 Wer mehr als zwei Punkte hat, darf nicht mehr als Begleiter für Fahranfänger eingetragen werden, die vom 17. bis zum Erreichen des 18. Lebensjahrs nur in Begleitung fahren dürfen. Ausnahme: Wer drei Punkte hat, kann nach einem Eignungsseminar Begleiter werden.

Bußgeld Ein Einfahren in die Umweltzone ohne Plakette wird zwar nicht mehr mit Punkten geahndet, kostet aber künftig 80 statt 40 Euro. Wer mit dem Handy telefoniert oder die Kinder nicht vernünftig anschnallt, muss 60 statt bisher 40 Euro zahlen. Ein Verstoß gegen die Winterreifenpflicht kostet auch 60 statt 40 Euro.

Gültigkeit Wahrscheinlich treten die Änderungen erst Anfang 2014 in Kraft. Da es mehrfach Korrekturen gegeben hat, konnte das Kabinett die Reform erst später verabschieden. Einzige Hürde: Blockieren die Länder das zustimmungspflichtige Gesetz im Bundesrat, ist ein Starttermin Anfang 2014 nicht zu halten. dpa