Am 20. Dezember 1814, kurz vor Weihnachten also, schreibt der 26-jährige Friedrich Rückert aus Ebern an seinen Freund Friedrich Schubart in Berlin einen Klagebrief: "... hier ist keine Seele, außer einige Tabakraucher, Biertrinker, Kegelschieber und Mädchenjäger." Damit hat er jene Beschäftigungen aufgezählt, die man seiner Meinung nach damals in dem schlichten Amtsstädtchen ausüben konnte: Rauchen, Trinken, Poussieren und - Kegelschieben. Dass er all dies selbst praktiziert hat, ist eine andere Sache. Man kann also den Ebernern daraus keinen Vorwurf machen.

Wenn man die alte Chronik von Johann Georg Greb und den ersten Katasterplan von Ebern zusammenfügt, dann hat es in den letzten 180 Jahren für die rund 1200 Einwohner der Stadt nicht weniger als acht Kegelbahnen gegeben! Praktisch jedes Wirtshaus hatte eine. Zeitgenosse Greb hat sie im Rahmen der "offenen Vergnügungsorte" aufgezählt.

1824 erster Beleg

Die erste Kegelbahn wird in den vorliegenden Quellen erst genannt, als der Dichter Rückert schon drei Jahre lang verheiratet in Coburg lebte. 1824 hat in Ebern der Metzgermeister und Wirt "Zum goldenen Anker" (1) Johann Eisfelder auf seinem Grundstück am Angerbach einen Wirtsgarten und eine Kegelbahn angelegt. "Diese, die erste Anlage dahier, wurde für den Sommer stark, als Vergnügungs Ort nicht nur von hiesigen Einwohnern sondern auch vielen Fremden besucht", schreibt Greb. Heute ist an dieser Stelle hinter dem "Glaubenstein"-Haus nichts mehr davon zu sehen.

Acht Jahre später, 1832, baute der Bäcker und Wirt Georg Eisfelder in der Kappelgasse "in seinem hinter dem Hause am Stadtgraben liegenden Garten ebenfalls eine Wirthschaftshalle ... über den Keller, neben der schon bestandenen Kegelbahn". Aus der Bäckerei Eisfelder, die im Haus Nr. 177 in der Kapellenstraße arbeitete, muss sich die Gastwirtschaft "Kellner" (2) entwickelt haben. Die besagte Kegelbahn lag dort, wo heute die kleine Holzbrücke über den Angerbach führt. Man sah sie hinter hohen Bäumen von der Kapellentorbrücke aus. Ihr Ende muss in den 30er Jahren gekommen sein.

Wann die Kegelbahn des "Hotels zur Eisenbahn" (3) (jetzt Gasthof Post) gebaut wurde, kann der heutige Inhaber Heinz Gall nicht genau sagen. Er meint: "Sie war schon immer da."

Ein Preiskegeln lockte

Am 9. Juli 1949 veranstaltete Hotelier Hans Gall das 1. Eberner Preiskegeln nach dem Krieg. In der Genehmigung, die Bürgermeister Einwag für 5 DM erteilt hatte, stand ausdrücklich: "Am Sonntag darf mit dem Preiskegeln nicht vor Beendigung der Vormittagsgottesdienste begonnen und nicht über die festgesetzte Polizeistunde (12 Uhr) hinaus fortgesetzt werden." Anfang der 50er Jahre schoss man nach Erinnerung des 90-jährigen Erich Rothbauer auf "zwei jeweils zehn Meter langen Schießbahnen" vom Gastraum durch die ganze Kegelbahn. Um 1957/58 wurde der Kegelbetrieb bei Gall eingestellt.

Aus dem Gedächtnis der Eberner völlig verschwunden ist die Kegelbahn beim Gasthaus Forster (4). Sie stand im Hof der Wirtschaft entlang der nördlichen Stadtmauer mit Zielrichtung zum Pfarrgartenturm. Aus dieser Zeit, erklärte mir Hans Forster, ist dort noch ein kleines Stück betoniert. In Betrieb war sie so lange bis dort 1927 der weithin bekannte "Forstersaal" gebaut wurde.

Der "Schwarze Adler" (5) am Marktplatz war früher der Treffpunkt der Bauern aus der Umgebung, 1862 ließ der Wirt Georg Hagel hinter dem Haus entlang der Stadtmauerkrone eine gedeckte Bahn errichten. Später fanden im Anbau oft Geflügelausstellungen statt. Von dort führte eine steile Treppe hinunter ins Mühlviertel.

Beim "Hirschen" (6) trafen sich vor allem die Kaufleute der Stadt zum Politisieren. Hier lief wie beim "Schwarzen Adler" eine Kegelbahn die Stadtmauer entlang und endete beim Badgassenturm. Unter der Regie von Emmy Vonhausen wurde in den 60er Jahren innen eine neue Kegelbahn errichtet. Die war modern und wurde sehr gerne besucht. Der Geschäftsmann Hermann Finzel hat 1995/96 diesen Teil des Hauses gepachtet. Seither wird in der ehemaligen Kegelbahn von Angelruten über Rundkopfschrauben bis hin zu Heckenscheren alles angeboten. Jetzt ist auch klar, warum dieser Verkaufsraum so lang und schmal ist.

Die Anfänge der Sommerwirtschaft Streit (7) werden von Greb so geschildert: "Ao. 1850/51 erkaufte zur Wirthschaftsanlage Kaufmann Georg Streit an der Baunachstraße am Rothenweg liegend einen Acker, unterminirte diesen mit Keller nebst Brunnenanlage, legte Wirthschaftsplatz und Garten an, dann eine heitzbare Wirthschaftshalle mit großem Saale, nebst gedeckter Kegelbahn mit Kegelhaus." So entstand der stadtbekannte "Streits-Garten" an der Einmündung der Gleusdorfer Straße. Bis zum großen Umbau von 1963 ist dort kräftig gekegelt worden.

Hier in Klein-Nürnberg war auch eine Gastwirtschaft mit Kegelbahn zum Herrengraben hin. Tatsächlich ist eine solche im 1. Katasterplan eingezeichnet. Und bestätigt wird das wiederum von Johann Georg Greb: "Im Jahre 1857 erbauete Sternwirth Franz Eisfelder in seinen Garten vor dem Grauthore (8) an der Hirtengasse eine gedeckte Kegelbahn, Tanzboden mit Zimmer." Auf dem eigenen Anwesen des "Stern" war dafür offenbar kein Platz. Wie lange sich diese Kegelbahn und der Tanzboden gehalten haben, weiß man nicht. Die Familie Gros errichtete aber in ihrem "Apothekersgarten" daneben ein so genanntes "russisches Kegelspiel" mit einer Kugel am Galgen. Das war freilich nur für den privaten Gebrauch gedacht und wurde vor allem in den 20er Jahren von der Familie oft genutzt.

Bis vor 50 Jahren war das Kegelschieben in Ebern als Freizeitbeschäftigung hoch geschätzt. Viele Eberner verdienten sich als Buben mit dem Kegelaufstellen ein Taschengeld. Dann war Schluss, dann kam die Zeit der automatisierten und sogar gesetzlich geregelten "Bundeskegelbahnen". In Ebern gibt es heute deren drei: In Unterpreppach, im ehemaligen Offiziersheim in der Kaserne und in der TV-Sportgaststätte für die sehr aktive Kegelabteilung des Turnvereins.

Eberns Werbespruch

Der städtische Werbespruch "Ebern - Frankens schönstes Kegelspiel" bezieht sich ohnedies auf die Türme. Mit denen ist im 19. Jahrhundert "leider zu tüchtig gespielt und abgeräumt" worden", denn von den einst neun Türmen der mittelalterlichen Stadt sind nur noch sechs vorhanden.