"Ein Meisterwerk mit Qualitätsversprechen. Er ist eleganter, schlanker, moderner und zeitgemäß" - fast euphorisch beschreibt der Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG), Hermann Kolesch, den Bocksbeutel PS, der kurz vor dem Jahreswechsel erstmals in Veitshöchheim präsentiert worden war.
Der Zusatz PS steht nicht für die veraltete Einheit der Pferdestärke, sondern für den berühmten Designer Peter Schmidt, einen Hamburger mit oberfränkischen Wurzeln, der beispielsweise auch die bekannte lila Kuh entwarf.


Symbol wird zur Ikone

Im neuen Werbeprospekt für den Bocksbeutel PS wirbt der Fränkische Weinbauverband unter anderem mit dem Slogan "Der Bocksbeutel. Das ist Franken. Das ist Wein.
Das ist immer Qualität" und vertritt zugleich die Überzeugung, dass Peter Schmidt sich getraut habe, was Franken sich wünscht: "Ein Symbol zur Ikone zu machen."
Laut Kolesch soll der Zusatz erst verschwinden, wenn der klassische Bocksbeutel ausgedient hat. Ob der kugelige und kantenlose Vorfahre jemals von der Bildfläche verschwindet, werde die Zukunft zeigen.
Auch der Geschäftsführer des Fränkischen Weinbauverbandes, Hermann Schmitt, äußerte sich während der dreistündigen "Gebietsversammlung Weinbau Franken 2016" am Dienstagabend im Gasthof "Zur Sonne" in Ziegelanger über den generalüberholten Bocksbeutel: "Er bringt neue Chancen, Ansehen und Wertschöpfung mit", urteilte er und gab sich sicher, dass das Markenzeichen Franken mit dem Bocksbeutel PS "bei den Verbrauchern sehr gut ankommen wird."
Schmitts optimistische These wurde mit Ergebnissen von zahlreichen Marktforschungen und Umfragen vor den gut 70 anwesenden Abt-Degen-Weintal-Winzern belegt. So ist es kein Geheimnis, dass vor allem junge Winzer von Jahr zu Jahr immer weniger Wein in Bocksbeutel, denn vielmehr in Literflaschen abfüllen.


In Aufbruchstimmung

Die Symbolzuordnungen der Marktforschungsteilnehmer in München und Hamburg zum klassischen Bocksbeutel, wie beispielsweise "altmodisch, traditionell, fränkisch" wandelten sich durch den Bocksbeutel PS mit den Attributen "jung, modern, spritzig" wie auch "kraftvoll, Aufbruchstimmung, neuer Weg".
Marktforschungsfragebögen haben den Angaben zufolge auch ergeben, dass der Bocksbeutel PS auffälliger, hochwertiger, attraktiver wie auch neuartiger als der Vorfahre wirkt. Bei der Vermittlung von Genuss und hochwertigem Eindruck von Wein schnitten beide Bocksbeutel auf Augenhöhe ab.
Über vier Jahre hat die Entwicklung "des neuen Gesichtes" gedauert,erfuhren die Teilnehmer. Die größten Umsetzungsschwierigkeiten habe es bei der Herstellung des neuen fränkischen Markenzeichens mit Bruch- und Stapelproblemen gegeben. Als weiteres Thema sprach Heiner Hofmann (LWG) neue Erkenntnisse im Zusammenhang mit Krankheiten und Schädlingen aufgrund des von Menschen verursachten Klimawandels sowie die Auswirkungen von Bakterien- und Holzkrankheiten und Schädlingen an. Artur Baumann (LWG) beschrieb die "Jungfeldpflege" für eine verbesserte Wurzelverteilung.


Hangneigung entscheidet

Im Vortrag "Nach dem Anbaustopp: Übergang in das neue Genehmigungssystem" berichtete Hans Neubert (LWG), dass die Bundesregierung entsprechend des EU-Rechts festgelegt habe, dass jährlich bis zu 300 Hektar neue Rebflächen angepflanzt werden dürfen. Bei der Rebflächen-Neuanpflanzung hätten Flächen mit einer Hangneigung von über 30 Prozent höchste Priorität, unabhängig von der Himmelsrichtung. Neu sei auch, dass sobald eine Pflanzgenehmigung erteilt wurde, tatsächlich innerhalb von drei Jahren gepflanzt werden muss. Das Pflanzrecht ist nicht mehr flächen-, sondern betriebsgebunden. Somit bleibe bei einer Rodung das Pflanzrecht beim Betrieb und beziehe sich dann nicht mehr auf der Fläche.
Diese Neuregelung habe gravierende Auswirkungen auf Pachtflächen. Hier wird geraten, die Pachtverträge zu überprüfen und entsprechende Vertragsänderungen vorzunehmen.
Mareike Wurdack sagte, "ich hoffe, dass "keiner der Anwesenden die Kirschessigfliege persönlich kennenlernen musste." Die Diplom-Evolutionsbiologin arbeitet im neuen Forschungsprojekt der LWG. Der eingewanderte Schädling habe die Hitze 2015 nicht vertragen, sodass sich die Population im Vergleich zu 2014 relativ niedrig gehalten habe. Die aus Asien stammende Taufliege bevorzuge reifende und reife Weinbeeren. Die Rebsorten Cabernet Dorsa, Dornfelder, Muscat Bleu, Regent und Rondo stünden auf der "Speisekarte" ganz oben.
Hermann Schmitt, der über aktuelle Weinbaupolitik sprach, fand Zustimmung bei den Winzern mit seiner Meinung, dass aufgrund des Klimawandels und der steigenden Temperaturen die Bewässerung noch mehr durch die EU, Bund und Bayern gefördert werden müsse. Aktuell werden rund 1000 Hektar Weinbaufläche bewässert, davon werden 700 Hektar mobil versorgt. Mittelfristig müssen, wie es hieß, auch die 2000 Hektar Steil-, und Terrassenlagen bewässert werden. Der Finanzierungsbedarf für die Infrastruktur der Wasserbereitstellung liegt im zweistelligen Millionen Euro Bereich.