Am Donnerstag vor den Osterferien wurde pünktlich um 19.30 Uhr nach den Begrüßungsworten von Schulleiter Martin Pöhner das Licht in der großen Aula des Friedrich-Rückert-Gymnasiums Ebern gelöscht und die Aufmerksamkeit des zahlreich erschienenen Publikums richtete sich erwartungsvoll auf die Bühne. Denn an diesem Abend fand wieder einmal die Aufführung des inzwischen traditionellen Oberstufentheaters statt. Die Schülerinnen und Schüler aus der 11. und 12. Jahrgangsstufe haben in den letzten Monaten fieberhaft mit ihrer Kursleiterin Gisela Dautel auf diesen Moment hingearbeitet, an dem sich endlich der Vorhang lichtete und es hieß: "Bühne frei!"

Doch der Vorhang blieb, zur Verwunderung der Zuschauer, erst einmal geschlossen, bis aus dem Hintergrund die Titelmusik des "Rosaroten Panthers" ertönte und acht in schwarz gekleidete Personen aus den Ecken des Raumes auf die Bühne schlichen. Es handelte sich dabei um die Agenten des Bundesamtes für Literaturkorrektur, kurz BLK, deren Aufgabe es ist, die Handlung von Büchern wieder richtig zu stellen. Ganz nach ihrem Leitspruch: "Unser Einsatz gilt stets nur der sofortigen Korrektur der postmanipulierten Literatur".

Es lief so einiges falsch

Die heutige Mission für Lilli Langenhagen und ihre Partnerin Laura Lindemann, gespielt von Jana Hornung und Sophia Tsopanidis (beide Q11), bestand erst einmal darin, dass sie gemeinsam mit ihren Konkurrenten Bodo Büchel und Bernd Büttner, gespielt von Leonard Müller und Vincent Weis (beide Q11), als Team an dem neuen Fall arbeiten mussten. Denn im Kinderbuchklassiker "Der Struwwelpeter", welches 1844 vom Frankfurter Arzt und Psychologen Heinrich Hoffman für seinen kleinen Sohn geschrieben wurde, lief so einiges falsch! Aus diesem Grund schickte Tilda Trostlos, gespielt von Ann-Kathrin Liebender (Q12), ihre Agenten auf Spurensuche in die vielfältige, bunte Welt des "Struwwelpeter"!

Die hartgesottenen Agenten fühlten sich zu Beginn mit dieser Aufgabe jedoch stark unterfordert. Was für Probleme sollte es denn bloß in einem Kinderbuch geben? Das konnte ja nur ein Irrtum sein! Doch sobald sie in Sachsenhausen bei Frankfurt angekommen waren, wussten sie: Hier stimmt etwas ganz und gar nicht! Den fliegenden Robert, gespielt von Bashar Moustafa (Q11), trafen sie zuerst. Doch er war ganz überdreht und aufgeregt, als einer der Agenten seinen Schöpfer Doktor Hoffmann erwähnte. Da schlotterten dem armen Robert die Knie und er eilte schnellstens zurück in das Sanatorium, bevor der Doktor noch böse wurde und ihn bestrafte. Anschließend machten sie Bekanntschaft mit dem armen Paulinchen, welches es allerdings liebte zu zündeln und sich nichts Schöneres als einen Brand vorstellen konnte. Genau wie der Suppenkasper, der Suppen eigentlich mochte und nur für das Buch so tun musste, als verabscheue er sie. Zudem war er es leid, immer und immer wieder in der Geschichte zu sterben. Auch trafen die Agenten mit einer Gruppe zusammen, die sich die "Bösen Buben" nannte und gegen alles Fremde hetzte. Doch sobald sie Doktor Hoffmann erwähnten, erzitterten die ehemaligen armen Buben und sahen davon ab, die Agenten zu verprügeln. Denn eines hatten alle Figuren aus dem "Struwwelpeter" gemeinsam, ihnen perlte der Angstschweiß auf der Stirn, sobald das Wort "Doktor" ertönte.

Der grausame Doktor

Doch am schlimmsten hatte es wohl den berühmten Struwwelpeter selbst getroffen, er wurde zum persönlichen Versuchskaninchen des Doktors auserkoren. "Seit einem Jahr durfte ich mir die Nägel nicht mehr schneiden und meinen Körper nicht mehr waschen, wie auch, mit solchen Nägeln? Und dieser Gestank, dieser fürchterliche Gestank, der von mir austritt...", so klagte der Struwwelpeter, welcher von Norman Schwarz (Q12) gespielt wurde, den Agenten und anderen Protagonisten sein Leid. Der grausame Doktor probierte unter anderem Wuchsmittel für die Nägel oder Tinkturen für die Haare an ihm aus. In dieser Szene trat er nun zum ersten Mal selbst auf die Bühne, überzeugend dargestellt durch Anna-Lena Baier (Q12). Noch weitere Figuren wurden vom ihm regelmäßig missbraucht, beispielsweise der Zappelphilipp, Hans-guck-in-die-Luft oder der Daumenlutscher. Sie hatten keine Lust mehr, des Doktors ständige Quälereien zu ertragen, durch die ihre Wunden nie richtig ausheilen konnten.

Doch nun wussten auch die Agenten endlich, was zu tun war und wie sie allen helfen konnten. Sie müssten den Doktor unschädlich machen, damit er seine Figuren schont und ihnen ein ansatzweise normales Leben ermöglicht werden konnte. Aus diesem Grund heckten sie gemeinsam mit dem Zappelphilipp und einigen weiteren Figuren den Plan zur Revolution aus. Der verrückte Doktor sollte mit seiner größten Angst, dem Hasen, konfrontiert werden, so dass er sich am Ende eines Besseren besinnen würde. Als der Plan schon fast in die Tat umgesetzt war, wandte sich jedoch plötzlich das Blatt. Der Struwwelpeter kam mit zwei weiteren seiner Art auf die Bühne. Dem Doktor war es gelungen, ihn haargenau zu klonen, eine zufriedenstellende Lösung war also nicht mehr fern. Durch das doppelte Existieren der Figuren konnten sie sich auch einmal ausruhen und entspannen. Letztendlich erschoss der Hase den Doktor kurzerhand doch, aber glücklicherweise überlebte er und war danach wieder ganz er selbst, der sorgetragende Autor.

Eine Inspirationsquelle

Das Ensemble des Oberstufentheaters setzte das Stück "Rettet den Struwwelpeter" von Norbert Franck erstklassig um. Man konnte förmlich spüren, wie viel Mühe und Arbeit die Schüler in die Vorstellung gesteckt und welchen Spaß sie an der Schauspielerei hatten. Auch das Bühnenbild, das von Christine Braun gemeinsam mit ihren beiden Kunstkursen aus der Q11 gestaltet worden war, passte perfekt dazu. Sie hatte versucht, den Schülern den Stil des bekannten Künstlers und Produzenten Tim Burton ans Herz zu legen, der ihnen als Inspirationsquelle diente. Das Technikteam des FRGs fehlte bei diesem Spektakel natürlich auch nicht, denn ohne die vielen Helfer wäre der Vorhang wahrscheinlich doch zugeblieben. "Auftrag exzellent erfüllt!" - ein großer Applaus für alle Beteiligten des Oberstufentheaters!

Text: Lea Weier