Die meterhohen Stahlplatten bäumen sich wenige Zentimeter vor Helko Fröhners Gesicht auf. Er vertraue darauf, dass die halten, sagt er und zwinkert dem Zeitungsreporter zu. Falls nicht: Dann bräuchten sich beide keine Gedanken zu machen, was den Rest des Tages angeht, erklärt Fröhner gelassen. Dann macht der Main sie platt.


Der Fluss ist weg

Auf dem Grund der Schleusen von Knetzgau und Viereth stehen derzeit allenfalls ein paar große Pfützen aus Mainwasser, das an ein paar undichten Stellen langsam hereinplätschert. Draußen, vor den sogenannten Notverschlusstafeln, staut sich der Fluss und würde gern die 300 Meter lange Schleusenkammer fluten. Das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Schweinfurt hält dagegen. In dem Amt ist Helko Fröhner mitverantwortlich für 19 Schleusen auf einer 200 Kilometer langen Wasserstraße, die von Viereth im Kreis Bamberg bis nach Rothenfels im Kreis Main-Spessart führt.

Zum Außenbezirk Haßfurt des WSA gehören die Schleusen Viereth, Limbach, Knetzgau und Ottendorf. Seit Ende vergangener Woche ruht die Schifffahrt auf dem Main für die jährlichen Routineüberprüfungen an den Schleusen, noch bis 29. April dauern die an. Mindestens einmal in sechs Jahren muss jede Schleuse trockengelegt werden, um sie auf Schäden zu überprüfen. Heuer sind Viereth und Knetzgau dran. In Limbach wird zudem eine Brücke zur Mainhalbinsel neu gebaut, weil die alte dem Schwerlastverkehr nicht mehr gewachsen ist. Ottendorf ist heuer außen vor.


Undichte Stellen?

In Knetzgau laufen drei Männer den Schleusengrund entlang, sie müssen den in den 1950er Jahren gebauten Riesenschacht genau inspizieren: Sind irgendwo Schäden entstanden, gibt es im Bereich der mächtigen Stahltore undichte Stellen? Ist in den Umlaufkanälen alles in Ordnung, durch die das Wasser während des Schleusvorgangs von einer Schleusenkammer in die andere geleitet wird? "Wir müssen jeden Zentimeter überprüfen", sagt Helko Fröhner. Deswegen steht auch ein Hubwagen bereit, mit dem die WSA-Mitarbeiter die rund sieben Meter hohen Wände abfahren können. Außerdem ziehen sie einige riesige Muttern nach, die die Poller halten, an denen die Schiffe während des Schleusens anleinen.


Stöpsel rein

In Viereth (die Schleuse dort wurde 1928 gebaut) ist der Aufwand größer, wie Fröhner erläutert: Dort werden Umlaufverschlüsse im Bereich des Wehres ausgetauscht. Sie funktionieren wie zwei riesige Stöpsel, die die Umlaufkanäle verschließen können. Am Wehr selbst wird der kettenbetriebene Walzenverschluss ausgebaut und durch ein sogenanntes Schlauchwehr ersetzt: Ein aufblasbarer Gummischlauch hindert dann das Wasser am Durchfluss. Bewährt sich das System, soll es auch in anderen Staustufen verbaut werden.