Lore Ehrhard aus Königsberg war nach Haßfurt gekommen, um Nina Hoger einmal live bei einer Lesung zu erleben. "Sie ist eine großartige Schauspielerin, die sich aus der Masse heraushebt, und nun weiß ich, dass sie auch hervorragend vorlesen kann", sagte sie.

"Sie liest sehr ausdrucksstark und bringt die Stimmungen so gut rüber, dass man wirklich das Gefühl hat, die Geschichten zu erleben." Doch nicht nur die Lesung, auch die Musik des Ensembles "Noisten", hatte Lore Ehrhard sehr gut gefallen.

In dieses Lob stimmten auch die anderen Zuhörer mit ihrem kräftigen Applaus ein. Sie hatten große Freude daran, die aus Fernsehen und Kino bekannte Schauspielerin Nina Hoger zu erleben, und genossen die Klezmermusik von Reinald Noisten, Claus Schmidt, Andreas Kneip und Shan Dewaguruparan.


"Ich sehe und spüre das Publikum"

Doch auch für Nina Hoger sind Lesungen ein schöner Teil ihres Berufs. "Lesungen sind deshalb so toll, weil sie live sind und weil ich dabei das Publikum sehe und spüre" sagt sie nach der Veranstaltung. "Die Live-Atmosphäre, noch dazu in einem so schönen Ambiente wie hier in der Rathaushalle, ist wunderbar und spornt mich an."

Weil sie selbst gerne und viel liest, hat sie auch keine Schwierigkeiten, passende Geschichten auszuwählen. "Was ich lese, entscheide ich aus dem Bauch heraus", verriet sie.

Für die musikalische Lesung in Haßfurt, ein Angebot des Kulturamts Haßfurt, hatte sie Geschichten von Johann-Peter Hebel, Somerset Maugham, Heinrich Böll, Ian McEwan, Anna Gavalda und Loriot sowie ein Gedicht von Dorothy Parker gewählt. Sie handeln von ganz unterschiedlichen Beziehungen: von Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern, zwischen Geschwistern, zwischen Mensch und Hund, aber auch zwischen Mann und Frau.

Nina Hoger zog mit ihrer faszinierenden Art zu lesen, die Zuhörer von Anfang an in den Bann. Sie ließ ihr Publikum an grotesken, melancholischen, unheimlichen oder geheimnisvollen Geschichten teilhaben, brachte sie mit lustigen Passagen zum Lachen oder zauberte Gänsehaut mit der surrealen Erzählung "Die Debütantin" von Leonora Carrington.

Die Figuren werden greifbar

Mit ihrer schönen, ausdrucksstarken Stimme, die sie an bestimmten Textstellen deutlich erhob, erweckte Nina Hoger das oft unüberschaubare und manchmal offensichtliche, aber immer spannende Beziehungsgeflecht der Protagonisten zum Leben. Sie las mit einer eindrucksvollen Artikulation und perfekter Betonung und hielt stets den Blickkontakt zum Publikum, so dass es eine Freude war, ihr zuzuhören.

Das Ensemble "Noisten" ergänzte die Texte mit größtenteils jüdischer Tanz- und Festtagsmusik, die die Musiker selbst arrangiert und dezent mit Elementen anderer Musikstile haben. Schon ihre Besetzung war außergewöhnlich.

So spielte Claus Schmidt neben der Gitarre auch die Mandoline, griff der Klarinettist Reinald Noisten auch mal zur Melodica, zupfte der Kontrabassist Andreas Kneip auch einmal die Ukulele, während Shan Dewaguruparan indische und afrikanische Trommeln schlug und die Maultrommel ins Spiel brachte. Gemeinsam vertieften sie die Stimmungen der vorgetragenen Texte mit ihrer ebenso emotionalen Musik - auf höchstem Niveau und mit großer Spielfreude.

Nach dieser an Stimmungen reichen musikalischen Lesung, die erst nach zweieinhalb Stunden mit einer Zugabe des Ensembles "Noisten" endete, galt der freudige Applaus allen Mitwirkenden gleichermaßen.

Wie Nina Hoger danach mitteilte, hat sie gerade einen Film aus der Serie "Die Landärztin" mit Christine Neubauer gedreht, der unter dem Titel "Vergissmeinnicht" das Thema Demenz behandelt.
Ihr nächstes Projekt wird der zweite Teil der "Dienstagsfrauen" sein, der im April/Mai 2013 gedreht wird.