Kurt Schmitt macht mit. Der Gädheimer Textilbetriebswirt engagiert sich ehrenamtlich in der Wohnberatung des Landkreises Haßberge. "Ich möchte älteren Menschen das Gefühl geben, in der Gesellschaft noch wichtig zu sein", sagte er am Donnerstag am Rande der Fachtagung "Unsere Zukunft - selbstbestimmt und engagiert" im Landratsamt in Haßfurt. Er wurde, wie acht weitere ehrenamtliche Mitarbeiter, geschult und soll ab sofort Menschen beraten, wie sie ihre Wohnung barrierefrei umgestalten. "Ich habe Zeit", sagte der 68-Jährige, "die ich gerne einbringen werde."

Wer sich so für seine Mitbürger einsetzt, bekommt dafür zumindest eine kleine Anerkennung: Im Landkreis Haßberge gibt es ab sofort die "Bayerische Ehrenamtskarte", die drei Jahre lang bayernweit zahlreiche Vergünstigungen bei staatlichen und kommunalen Einrichtungen sowie in der privaten Wirtschaft bietet.
Landrat Rudolf Handwerker (CSU) gab bei der Fachtagung am Donnerstag den Startschuss für diese Karte.

Alle 26 Kommunen sind gefordert

Die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements, eine verantwortungsvolle Seniorenpolitik und das Miteinander der Generationen standen im Mittelpunkt der Fachtagung, an der sich über 60 Bürger in verschiedenen Kreisen beteiligten. Anlass war die Tatsache, dass sich der Landkreis seit einiger Zeit verstärkt mit dem demographischen Wandel beschäftigt. Dieser führt dazu, dass laut aktuellen Prognosen im Jahr 2030 jeder dritte Bürger in den Haßbergen über 60 Jahre alt sein wird. Um die Lebensbedingungen für ältere Menschen optimal anzupassen, wurde im Landkreis bereits ein Seniorenpolitisches Gesamtkonzept erstellt. "Alle 26 Kommunen sind aufgefordert, die großen Zukunftsthemen wie Mobilität im Alter, die Schaffung einer seniorengerechten Versorgungsinfrastruktur oder die gesellschaftliche Teilhabe im Alter innovativ und lösungsorientiert zu behandeln", sagte der Landrat. "Dabei muss das Miteinander der Generationen im Mittelpunkt stehen."

Selbstbestimmtes Wohnung

Das Seniorenpolitische Konzept hat ergeben, dass selbstbestimmtes Wohnen im Alter ein wichtiges Thema ist. Daher wurde im Landratsamt kurz vor der Fachtagung die Ausstellung "Barrierefrei bauen" eröffnet, die noch bis zum 30. November im Landratsamt zu sehen ist. Sie zeigt, dass viele Wohnungen und Eigenheime den Anforderungen älterer Menschen nicht entsprechen. Weil es auf diesem Gebiet großen Beratungsbedarf gibt, hat der Landkreis eine Wohnberatung ins Leben gerufen. "In der Wohnberatung unterstützt ein Team aus haupt- und ehrenamtlichen Beratern die Bürger künftig bei der Suche nach geeigneten Hilfsmitteln für die Wohnung und berät sie vor Ort kostenlos über Möglichkeiten, die Wohnung an die verändernden Bedürfnisse im Alter anzupassen", teilte Handwerker mit.

Ideen der Bürger

Weil älteren Bürgern im Krankheitsfall oder bei Pflegebedarf oft nicht mehr die Familie zur Unterstützung zur Verfügung steht, ist dem Landrat neben der Stärkung der Eigeninitiative die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements ein wichtiges Anliegen. So wurde im April das Koordinierungszentrum bürgerschaftliches Engagement (KobE) unter der Leitung von Monika Strätz-Stopfer eingerichtet. "Wir möchten in Kooperation mit den Kommunen das bürgerschaftliche Engagement fördern und Menschen zum Mitmachen bewegen", erklärte Handwerker. So könne jemand Rasen mähen, eine Hecke schneiden, einen Fahrdienst übernehmen, einkaufen oder auch einfach nur zuhören. "Der Fantasie sind keinerlei Grenzen gesetzt, hier bauen wir auf die Ideen unserer Mitbürger", sagte der Landrat.

Danke sagen

Die erste große Aufgabe des KobE sei die Einführung der Bayerischen Ehrenamtskarte. "Damit möchte der Landkreis Haßberge seinen Ehrenamtlichen Dank sagen für die Zeit und Kraft, die sie dem Allgemeinwohl in vielfältiger Weise zur Verfügung stellen", sagte Handwerker, auch wenn es speziell im Landkreis noch keine Angebote gebe. "Wir sind aber dran", erklärte Monika Strätz-Stopfer.
"Taufpate" für das neue KobE war Staatssekretär Markus Sackmann. Allerdings konnte er den Termin am Donnerstag nicht wahrnehmen. Schriftlich teilte er über das ehrenamtliche Engagement mit: "Es verbessert den Zusammenhalt in der Gesellschaft und die Situation des Einzelnen, indem es die Teilhabe stärkt und Integration fördert. Und es stärkt die Attraktivität der ländlichen Räume." Es könne zwar die staatlichen Aufgaben nicht ersetzen, werde aber vom Staat unterstützt. So fördere das Bayerische Sozialministerium in einem Modellprojekt seit 2010 den Aufbau von landkreisweit tätigen Koordinierungszentren für bürgerschaftliches Engagement im ländlichen Raum und unterstütze das Engagement durch die Bayerische Ehrenamtsversicherung, den Ehrenamtsnachweis Bayern und die Ehrenamtskarte. "Mit Ihrem Engagement hier im Landkreis Haßberge sind Sie auf einem guten Weg. Ich wünsche dem ‚Täufling‘ in Ihrem Landkreis einen guten Start und ein schnelles Wachsen und Gedeihen", ließ der abwesende Staatssekretär nach Haßfurt mitteilen.