Der Pfarrer im Ruhestand las schwarz auf weiß: Über ein Drittel der rund 250 Bürger fiel damals innerhalb von fünf Monaten der Seuche zum Opfer.
Anton Reinhard, der in der Pfarreiengemeinschaft Theres auch im Ruhestand gerne aushilft, interessiert sich sehr für Heimatgeschichte. Als er 2011 die Sterbematrikel von Untertheres in seinen Computer übertrug, bemerkte er, dass zwischen Juli und November 1611 überaus viele Menschen starben. "Ich habe herausgefunden, dass die Pest daran schuld war", berichtet er unserer Zeitung.
"Man kann sich heute gar nicht mehr vorstellen, welche Panik diese Seuche vor 400 Jahren in Untertheres ausgelöst haben muss", vermutet Reinhard. "Auch ist das Wissen über diese Epidemie im Lauf der Jahrhunderte verloren gegangen."
Peter Schäflein aus Untertheres etwa befasst sich seit Jahrzehnten mit der Geschichte seines Heimatdorfs. Er war "total erstaunt", von der Pestepidemie zu erfahren: "In meinen Unterlagen habe ich nichts darüber gefunden."

Eine lange Namensliste


Um zu dokumentieren, wie viele Menschen 1611 in Untertheres den Tod fanden, übertrug Pfarrer Anton Reinhard die Namen sämtlicher Verstorbenen auf eine Tafel und stellte diese zum Volkstrauertag in der Leichenhalle in Untertheres auf. 109 Menschen fanden in kürzester Zeit den Tod. "Bemerkenswert ist, dass der damalige Kurator von Untertheres, das ja seit 1438 vom Kloster in Obertheres seelsorgerisch betreut wurde, oft nicht einmal den vollen Namen des Verstorbenen kannte", berichtet Pfarrer Reinhard. "Oft steht nur der Nachname im Ma trikelbuch. Manchmal heißt es nur: "Kind des", Frau des", "Magd des", "Knecht des" oder "Angehörige des" und dann folgte der Name eines Mannes." Der Tod einer "Tochter einer armen Frau" und eines "Sohnes eines armen Mannes" wurden ohne Namen verzeichnet, auch die Namen einer "lutherischen Frau" und einer "fremden Dienstmagd" waren offensichtlich nicht wichtig.
Als Auswärtige verstarb eine Frau "Salenderin" aus Horhausen in Untertheres. "Dass die Namen der Verstorbenen so unvollständig blieben, liegt vielleicht auch daran, dass die Pest so viele Opfer in so kurzer Zeit forderte", versucht Anton Reinhard eine Erklärung. "Fast jeden Tag musste der Kurator des Klosters jemanden beerdigen und an einigen Tagen bis zu fünf Verstorbene beisetzen." Weil im Friedhof nicht genug Platz war, wurden auf dem Vorplatz der damaligen Kirche (die jetzige Pfarrkirche wurde 1728 bis 1730 errichtet) Gräber ausgehoben und bis zu sieben Tote in ein Grab gelegt.
Verehrt wurde auch in Theres der Heilige Sebastian als Schutzheiliger vor der Krankheit Pest. Pfarrer Anton Reinhard erklärt sich das so: "Ein typisches Kennzeichen der Pestepidemie ist der Zusammenbruch im Winter. Es ist keine Epidemie der Beulenpest in einem Winter bekannt. Das hängt damit zusammen, dass bei Kälte die Dichte der krankheitsauslösenden Bakterien in den Ratten geringer ist, so dass die Flöhe weniger Bakterien aufnehmen. Außerdem vermehren sich die Flöhe bei Kälte nicht. So fällt das Ende von Pestepidemien regelmäßig auf die Wintermonate. Da nun der Gedenktag des Heiligen Sebastian auf den 20. Januar fällt, dachte man früher, dass er der Pest Einhalt geboten habe."

Den ausführlichen Bericht lesen Sie in unser Printausgabe Fränkischer Tag, Landkreis Haßberge, vom 4. Januar 2012