Lasko liegt entspannt in seinem Garten, die Pfoten von sich gestreckt. Vor ihm hoppelt ein junges Feldhäschen, das er nicht aus den Augen lässt. Man könnte fast meinen, der sechsjährige Australian-Shepherd-Mix hat Vatergefühle entwickelt, so rührig kümmert er sich um das kleine Wollknäuel und folgt ihm auf Schritt und Tritt. Lasko war es auch, der dem Häschen vor gut zwei Wochen wohl das Leben gerettet hat.

Es war an einem regnerischen Samstag. Karl-Heinz Mahr sitzt am Küchentisch und liest Zeitung, als plötzlich seine Frau Ilse im Wintergarten zu schreien anfängt. Irgendetwas stimmte nicht mit Lasko, der gerade im Garten war.

Kreis Haßberge: Hund rettet Hasenjunges in Lebensgefahr

Karl-Heinz Mahr geht der Sache auf den Grund und findet das völlig durchnässte und unterkühlte Feldhäschen, das der Hütehund mit der Nase in Richtung Haus stupst. Der ehemalige Korbmacher brachte Hasi, wie es jetzt liebevoll genannt wird, ins Haus zu seiner Frau.

Gemeinsam leistet das Ehepaar sozusagen Erste Hilfe, säubert, trocknet und wärmt das Jungtier. "Danach hat man schon gesehen, wie es wieder sichtlich munterer wurde", berichtet Karl-Heinz Mahr. Nach seiner Einschätzung wäre das Feldhäschen ohne menschliche Hilfe wahrscheinlich eingegangen.

Mittlerweile ist Hasi putzmunter und hat in rund zwei Wochen sein Gewicht auf 300 Gramm mehr als verdoppelt. Mehrmals täglich füttert Ilse Mahr mit einem speziellen Trinkfläschen Milch, die ersten Tage pur und später dann mit Karotteneinlage. "Das verträgt er sehr gut", erzählt die "Ersatzmama".

Schon doppelt so schwer: Familie Mahr päppelt das Hasen-Baby wieder auf

Täglich darf der kleine Mümmelmann den großen Garten erkunden. Oder ist es eine Mümmelfrau? So genau wissen es die Mahrs noch gar nicht. Auf jeden Fall ist Lasko immer an seiner Seite und passt auf, dass sich sein Zögling nicht in Gefahr begibt.

Nur eines kann der Familienhund nicht ertragen: "Lasko gefällt es überhaupt nicht, wenn Hasi versucht, an seinen Brustwarzen zu nuckeln", sagt Ilse Mahr, die zusammen mit ihrem Mann fest entschlossen ist, das Feldhäschen weiterhin aufzupäppeln, und lacht.

"Es ist grundsätzlich strafbar, sich aus Wald und Flur ein Wildtier anzueignen", sagt Rechtsanwalt Steffen Vogel, der auch stellvertretender Vorsitzender der Kreisgruppe Haßfurt des Landesjagdverbands Bayern ist. Bei dem Geschehen in Sand handele es sich jedoch um einen Sonderfall. Schließlich habe die Familie Mahr nicht irgendwo das Häschen mitgenommen, sondern es ist eigenständig zu ihnen in den Garten gekommen.

Sonderfall: Eigentlich darf die Familie "Hasi" nicht aufnehmen

Außerdem haben Karl-Heinz und Ilse Mahr dahingehend richtig gehandelt, dass sie sofort die zuständige Jagdpächterin kontaktiert haben, um das weitere Vorgehen zu besprechen. "Die Jagdpächterin hat ihr ausdrückliches Einverständnis erklärt, dass sich die Familie Mahr weiterhin um den Hasen kümmert", ergänzt Vogel, der damit keinen Straftatbestand mehr als erfüllt ansieht.

Die Familie Mahr habe eigentlich sogar im Sinn des Natur- und Tierschutzgesetzes gehandelt. Das Muttertier hätte sein Junges aufgrund des bereits erfolgten Kontaktes mit dem Hund nicht mehr angenommen, so der Jagdexperte.

Vogel macht aber auch deutlich, dass man auf keinen Fall ein Rehkitz oder ein anderes Wildtier in der freien Natur anfassen oder den Hund hinlassen darf: "Das bedeutet möglicherweise den Tod des Jungtieres."

Jagdpächter mahnen: Wildtiere in freier Natur nicht anfassen

Die bessere Handlungsweise ist es, den Jagdpächter zu verständigen, wenn man vermutet, dass ein Tier Hilfe benötigt. Bei der örtlichen Polizeidienststelle kann man sich jederzeit nach den Kontaktdaten des zuständigen Jägers erkundigen.

Ob das Hasenkind in Sand, wenn es einmal groß und stark ist, wieder ausgewildert werden kann, muss die Zukunft zeigen. Ansonsten könnte Hasi auch bei den Mahrs sein Leben genießen, die eine sehr tierliebe Familie sind.

Unter anderem besitzen die Sander auch zwei Hähne und ein gutes Dutzend Hennen, die Lasko natürlich ebenso im Blick hat. Sollte mal ein Bewohner des großzügigen Hühner-Areals entwischen, wird es mit der Hundeschnauze liebevoll, aber bestimmt zurückdirigiert.

Bewährter Retter in der Not: Hund "Lasko" warnte Familie vor Brand

Die gute Nase von Lasko war es auch, die Familie Mahr vor gut zwei Jahren vor einer Katastrophe bewahrte. Durch seine Unruhe und ständiges Bellen veranlasste der Vierbeiner sein Herrchen, einmal im ersten Stock des Wohnhauses nachzuschauen.

Dort entdeckte Karl-Heinz Mahr beißenden Rauch, den ein Brand verursacht hatte, der ausgelöst worden war durch eine technische Ursache. Die Sander Feuerwehr brachte das Geschehen dann schnell unter Kontrolle.

Sohn Patrik-Kevin Mahr, der aktives Mitglied der Sander Brandschützer ist, erklärt, dass in seinem Elternhaus viel Holz verbaut ist: "Das hätte viel schlimmer enden können, wenn Lasko uns nicht rechtzeitig gewarnt hätte."