Im 15. und 16. Jahrhundert wurden viele Juden aus den größeren Städten vertrieben. In den ländlichen Besitztümern der reichsfreien unmittelbaren Reichsritterschaft genossen sie Schutz und konnten sich so in verschiedenen Gemeinden ansiedeln. So geschehen auch in Unterfranken: Dort gab es die meisten israelitischen Kultusgemeinden in ganz Bayern – im heutigen Landkreis Haßberge waren es 20. In Memmelsdorf (Untermerzbach) lebten beispielsweise um 1830 240 Juden, rund 50 Prozent der Dorfbewohner. Die Synagoge im Ort und die ehemalige jüdische Schule zeugen noch heute von dieser Vergangenheit. Auch ein jüdischer Friedhof befindet sich in der Nähe – keine Seltenheit im Landkreis: In Untermerzbach, Ebern, Burgpreppach, Kleinsteinach, Ermershausen, Memmelsdorf, Limbach und Schweinshaupten sind ebenfalls noch zahlreiche jüdische Grabstätten zu finden. Der Pfarrer von Schweinshaupten notierte im jüdischen Standesregister des Ortes im Jahr 1832: "Aus Furcht vor der Cholera mussten auf regierungsamtlichen Befehl von diesem Jahre alle Judengemeinden ihre eigenen Begräbnisplätze anlegen."

Während solche Spuren jüdischer Geschichte noch an einigen Orten in der Region zu finden sind, ist das jüdische Leben im Landkreis gänzlich verschwunden: Teilweise wurden die Gemeinden bereits vor der sogenannten Machtergreifung durch die Nationalsozialisten aufgelöst, da sie nur noch wenige Mitglieder hatten. 1933 waren 445 der insgesamt 59 139 Bewohner des heutigen Landkreises Juden (0,75 Prozent). In den Jahren nach 1933 erschwerte das Nazi-Regime ihnen zunehmend das Leben. Vorläufiger Höhepunkt der antisemitischen Politik war die Reichspogromnacht 1938: Am Morgen des 10. November trieben lokale Schlägertrupps der Sturmabteilung (SA) ihr Unwesen in der Region. Unterstützt von einheimischen Fanatikern verhafteten, verhöhnten und schlugen die SA-Männer die Juden und zerstörten deren Eigentum. Die Deportation in die Konzentrations- und Vernichtungslager in den Jahren danach löschte das jüdische Leben auch im Kreis Haßberge vollends aus. Die letzten Überreste des Judentums vor Ort sollen uns eine Mahnung sein – auf dass derartiges nie wieder geschehe!