"Qualität bedeutet für mich, Zeit für den Patienten zu haben, um individuell auf seine Bedürfnisse und Wünsche einzugehen. Zeit ist die Voraussetzung, um deeskalierend arbeiten zu können", sagt Christian Klier, Pfleger auf der Akutgeriatrie des Haßfurter Krankenhauses. Anhand eines Beispiel-Patienten zeigt er, wie er mit älteren Patienten umgeht. "Oft wissen sie nicht, wo sie sind und das kann zur Eskalation führen", sagt der Pfleger. Erklären und ruhiges Verhalten reichten oft schon, dass sich der Patient wohl fühlt. Zeit sei dafür besonders wichtig. Im Krankenhausalltag fehle sie jedoch oft, bedauert er.

Das Haßfurter Krankenhaus gewährte Politikern einen Blick hinter die Kulissen: von der richtigen Händedesinfektion über die Vorgehensweise im OP-Bereich (Operationsräume) und die Krankenhausseelsorge bis hin zur Küche. Ärzte und Pflegepersonal, Krankenhaus-Seelsorger Manfred Griebel und der neue Küchenleiter Rudolf Firnstein erklären den Politikern, was sie in ihrem Bereich unter Qualität verstehen und was sie dafür tun.

"Eigentlich muss jeder, der im Krankenhaus arbeitet, in seinem Bereich der Qualitätsbeauftragte sein, denn wir als Bürger erwarten hohe Qualität, wenn wir verletzt oder krank diese Einrichtung aufsuchen", sagt Landrat Wilhelm Schneider (CSU). Er probiert sich an der richtigen Händedesinfektion. Fazit unter dem Schwarzlicht: ausbaufähig. Manche Stellen hat Schneider vergessen.

Der Politiker-Parcours, wird im Rahmen einer Aktion der Klinik Kompetenz Bayern eG angeboten, in der die Haßberg-Kliniken ein Gründungsmitglied sind. Es soll gezeigt werden, dass mehr als Rankings und Berichte hinter dem Thema "Qualität" stecken. "Qualität ist ein Thema, das außen stark wahrgenommen wird. Gerade bei der Gesundheit", erklärt Stephan Kolck, Vorstand des Kommunalunternehmens Haßberg-Kliniken. Und das könnte den Haßberg-Kliniken gut tun: Das Image der drei Standorte Ebern, Haßfurt und Hofheim kam in den letzten Jahren etwas ins Straucheln: Krankenhausfahrten nach Schweinfurt statt nach Haßfurt, weil die Kapazitäten ungewiss waren, oder Engpässe, die teilweise dazu führten, dass Patienten zwischenzeitlich auf dem Gang liegen mussten. Beschwerden von Patienten und Angehörigen nagten am Image.

Qualität bringt Vertrauen

Der Qualitätsparcours soll nach außen zeigen, dass im Haßfurter Krankenhaus qualitätsvoll gearbeitet wird. "Qualität ist ein Kernpunkt, dass die Menschen Vertrauen zu uns haben und sich gut aufgehoben fühlen", erklärt Landrat Wilhelm Schneider.

Größtes Problem der Kliniken bleiben laut Schneider die Finanzen. "Wir müssen schauen, dass wir das Krankenhaus wieder in ruhiges, wirtschaftliches Fahrwasser bringen."

Die Haßberg-Kliniken tun auch etwas, um ihr Ansehen und ihr Angebot zu verbessern. Die Akutgeriatrie wurde letztes Jahr wegen des Bedarfs und der demografischen Entwicklung im Haßfurter Krankenhaus eingerichtet. Doch auch der finanzielle Aspekt spielte hier wieder eine Rolle, wie Kolck mitteilt. Zeigt die Abteilung schon eine Wirkung? "Sie macht zwar keinen Gewinn, aber sie trägt sich allein", erklärt Kolck.

Aktuellstes Gesprächsthema, wenn es um die Haßberg-Kliniken geht: die geplante Bereitschaftspraxis an der Haßfurter-Klinik. Laut Kolck wird sie im Feburar 2016 kommen. "Damit nutzen wir die Synergieeffekte der niedergelassenen Ärzte und der Haßberg-Kliniken. Es gibt ein gemeinsames Eingangstor", erklärt Schneider. Patienten hätten in Haßfurt immer einen Bereitschaftsdienst, der dann entscheiden kann, ob er den Patienten behandelt oder ihn direkt an das nebenan liegende Krankenhaus weitergibt. "Eben alles unter einem Dach", sagt Schneider.