Bürgermeister Stefan Paulus (CWG/SPD) vergleicht beim Spatenstich für das Seniorenheim den Weg bis dahin mit der fast zeitgleich stattfindenden Sonnenfinsternis. "In den vier Jahren Planung gab es viel Licht aber auch Schatten", sagt Paulus. Doch die dunklen Stunden und Tage wurden gemeistert: Das Seniorenheim wird wie geplant auf das Schulgelände der Dreiberg-Schule in Knetzgau gebaut.

Wahlkampf-Thema

Die Geschichte nahm vor zwei Jahren immer mehr Fahrt auf und avancierte Ende 2013 zum Wahlkampfthema Nummer eins: Während Bürgermeister Stefan Paulus das Projekt forcierte und vehement forderte, stellten sich die beiden Bürgermeisterkandidaten Bernhard Jilke (FDP/Freie Bürger) und Michael Melber (CSU) dagegen und erklärten ein Seniorenheim in dieser Größenordnung für nicht gerechtfertigt. Am 25. Februar 2014 wurde der Bau des Seniorenheimes im Gemeinderat mit elf zu zehn Stimmen abgeschmettert.

Klar war damals, dass die Bürgermeisterwahl am 16. März 2014 darüber entscheiden wird, wie es mit dem Seniorenheim weitergeht. Die Bürger der Gemeinde Knetzgau waren sich uneinig. Das zeigte die Stichwahl, zu der es im Frühling letzten Jahres kam. Ergebnis: Stefan Paulus bleibt Bürgermeister von Knetzgau und wird das Projekt weiter voran treiben. Am 15. Dezember 2014 sprach sich auch die Mehrheit des Gemeinderates Knetzgau für den Bau aus.

Nun also der Spatenstich für das Seniorenheim. 82 Pflegeplätze sollen hierbei auf einer Geschossfläche von 7240 Quadratmeter entstehen. "Wir haben einen großen Einzelzimmer-Anteil mit 72 Einzelzimmern", sagt Frank Kühnhäuser, Projektentwickler der Firma Erl Bau. Diese Appartements würden jeweils mit einem eigenen Bad ausgestattet werden und seien behindertengerecht gestaltet. "Das Heim wird sehr innovativ. Wir bilden fünf Wohngemeinschaften mit ungefähr jeweils 17 Bewohnern, die mittags gemeinsam frisch miteinander kochen", erzählt Kühnhäuser. Diesen innovativen Aspekt hebt auch Martin Ulses, Bezirksgeschäftsführer der AWO (Arbeiterwohlfahrt) Unterfranken, hervor. Die AWO ist der Träger des Seniorenheimes. "Wir planen große Wohnküchen und laden die Bewohner zum Mitkochen ein. Das soll eine sinnstiftende Wirkung erzielen", erzählt Ulses.
Neben der vollstationären Pflege wird es im künftigen Seniorenheim in Knetzgau auch Möglichkeiten zur Pflege von dementen Patienten und für die Tagespflege geben.

Landratsamt war skeptisch

Der stellvertretende Landrat Michael Ziegler (CSU) gibt zu, dass das Landratsamt anfangs nicht allzu sehr von diesem Projekt begeistert war. "So läuft es manchmal im fachlichen Meinungsstreit. Vordergründig ging es um die Größenordnung der benötigten Pflegeplätze, aber auch um die Frage, welche Pflegemodelle langfristig die richtigen sind", sagt Ziegler. Dennoch betont er, dass das Landratsamt die weitere Umsetzung konstruktiv begleiten werde.

Gleich zwei Baustellen

Nach dem Spatenstich geht es direkt los mit den Bauarbeiten, da das Seniorenheim bereits im Frühjahr 2016 in Betrieb genommen werden soll. Laut Stefan Paulus werden neun Arbeitsplätze durch das Seniorenheim geschaffen.

Gleichzeitig wird die angrenzende Dreiberg-Schule saniert. Alle 316 Schüler sind in andere Räumlichkeiten ausgelagert. Neben Räumen an der Haßfurter und Zeiler Schule werden für die 16 Klassen auch Räume in den Ortsteilen von Knetzgau genutzt. "Die Leute in Westheim und Hainert sind so froh, dass durch die Schüler wieder Leben im Dorf einkehrt", sagt Marco Depner, zuständig für die Organisation der Schulsanierung in Knetzgau.
Momentan befinden sich die Bauarbeiten der Dreiberg-Schule in der Ausschreibungsphase. "Bevor wir anfangen können, müssen wir auf den Förderbescheid der Regierung warten", sagt Depner. Darin ist festgesetzt, wie viel die Regierung zu den geplanten 13 Millionen Euro Sanierungskosten beisteuern wird. Tatsächlicher Baubeginn soll im Mai dieses Jahres sein. "Wenn keine großen Schwierigkeiten dazwischen kommen, sollten wir im September 2016 fertig sein", meint Depner.

Neben der Sanierung der Schule wird auch ein neuer Sportplatz entstehen. Bevor das Seniorenheim auf diesem Gelände geplant wurde, standen der Schule zwei Hektar Fläche für Sportplatz und Außenbereich zur Verfügung. Marco Deppner stellt fest: "Wir haben weiterhin genügend Platz trotz Bau des Seniorenheimes". Neben einem neuen Kleinspielfeld entsteht eine Multifunktionsfläche, die alle Vorgaben für den Sportunterricht erfüllt.

Absolute Bereicherung

Marco Depner und auch die Rektorin Hannelore Glass sehen die zukünftigen Nachbarn als eine Bereicherung. "Das ist eine Chance für die Schule, ein ganz neues Profil zu bekommen", meint Depner. Es seien bereits Gedanken im Raum, die eine Zusammenarbeit mit der AWO betreffen. Beide Parteien würden voneinander profitieren.