Erst ein Gewitter in den Morgenstunden hat die letzten Nachtschwärmer vertrieben. Voran gegangen war eine Tropennacht, die den Auftakt des Altstadtfestes zu einer heißen Sache machte. Dabei hatte die Hitze durchaus auch ihre Schattenseiten, denn die erste Bilanz an den Getränke- und Essensständen fiel unterkühlt aus. Der Ansturm der Massen blieb geringer als normal. Das spiegelte sich auch in der Festbilanz der Polizei wider (Bericht unten).

Am Altstadtfest-Samstag hatten es die Akteure Heidi Friedrich und Michi Marchner im Rathaushof nicht einfach. Während die Zuschauer mit den Bänken in die hintersten Ecken in den Schatten flohen, mussten die Kabarettisten in sengender Hitze ihr Programm absolvieren.

"Willkommen in der Gluthölle"

Heidi Friedrich, die ihr Programm "Schwindelfrei" präsentierte, begrüßte das Publikum mit "Herzlich willkommen in der
Gluthölle von Ebern". Das war nicht gelogen, denn heiß war es. Ums Lügen ging es dann aber zu Beginn ihres Programms. Rund 200 Mal lügen Menschen pro Tag, hat sie recherchiert und dafür einige Beispiele gegeben. "Oft ist ja schon ein ‚guten Morgen‘ gelogen."

Auf die Schippe genommen hat sie auch E-Bike-Fahrer, welche sie hauptsächlich unter den Rentnern vorgefunden habe. "Mancher Senior ist mit dem E-Bike schneller, als wenn er mit dem Auto unterwegs ist, daher werden sie auch ‚Seniorenblitz‘ genannt."

Auch vor der Internetgeneration und dem Hype um soziale Medien machte die Kabarettistin keinen Halt. Ebenso wenig wie vor dem Altern, Männer beim Grillen und Kochen, oder Eltern. "Wir waren früher mehr Kinder, dafür sind die heute dicker. Bleibt von der Masse her gleich."

Mit wechselnden Kostümen und Situationen - mal im Frack als Rednerin, mal mit Strickzeug als Mutter, mal am Telefon mit ihrer Freundin - sorgte sie für viel Abwechslung. Zum Schluss bewies sie beim Tanz mit den Besen: "Am Besen bin ich ein ganz heißer Feger".

Überschäumende Komik

Bei schwindender Sonne füllte sich der Rathaushof weiter, so dass beim Programm von Michi Marchner nahezu alle Plätze belegt waren. "Aller Anfang macht keinen Spaß, ist wie beim Fass. Es kommt erst Schaum und Bier kommt kaum". Doch Spaß hatte das Publikum trotzdem, auch schon am Anfang. Mit Gesang und Gitarre brachte er die Zuschauer von Beginn an zum Lachen.

Marchner singt und spricht über die Midlife-Crisis: "Das Haar ist dünn, das Haar ist weiß - Hurra, ich bin ein Midlife-Greis". Doch "die Besten sterben jung", lautet sein Programm und so ging es auch um zahlreiche Stars, die schon früh das Zeitliche gesegnet haben.

Der Münchner begeisterte vor allem mit Gedichten und Wortspielen: "Der Spanner spannt schnell, dass das Spannen nicht so spannend ist - im Winter." Besonders lustig schaffte er es, das Publikum mit in seine Show einzubeziehen. Mancher Zuschauer vor seinen teils sarkastischen und teils anzüglichen Witzen nicht gefeit, für den Rest war's umso unterhaltsamer.

"Das Schönste am Altstadtfest"

Für die einen ein spaßiges Programm, für andere aber auch ein bisschen zu anstößig. Trotzdem wurden beide Kabarettisten am Samstag sehr gelobt. Für Hans-Werner Steger sind die Veranstaltungen im Rathaushof das Schönste am ganzen Altstadtfest. Auch ein Ehepaar aus Maroldsweisach ist mittlerweile Stammgast im Rathaushof und schwärmte "Toll, dass es solche Veranstaltungen gibt - und das auch noch kostenlos."