Natürlich stößt die Maßnahme bei den Anliegern nicht auf große Zustimmung. Im Gegenteil: Sie reichten bei der Stadt Haßfurt eine Unterschriftenliste gegen die Ausbaumaßnahme in der Straße "Am Dechantsberg" und in der Schützenstraße ein und erklärten, dass die Schäden in der Straße durch andere Baumaßnahmen hervorgerufen worden seien und die Stadt keine Unterhaltsmaßnahmen durchgeführt habe.

In der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses, in der auch einige Anlieger zugegen waren, betonte Bürgermeister Rudi Eck jedoch, dass die Vorwürfe nicht berechtigt seien. Allen Anliegern sei in zwei Versammlungen Ende letzten Jahres die Notwendigkeit der Erneuerung und Verbesserung aller drei Straßen erklärt worden.

Es gibt keine "Schäden"

So begründe sich das Vorhaben nicht durch die "Schäden", die
die Verlegung der Fernwärme und der Wasserleitungen am Dechantsberg und in der Eichendorffstraße mit sich gebracht hätten und die zum Teil vom Stadtwerk bezahlt werden müssten. Außerdem habe die Stadt immer wieder kleinere Unterhaltsarbeiten ausgeführt.

Das Bauvorhaben erläuterten anschließend Perry Alka und der Bauingenieur Kai Niedergesäß. "Die Straßen- und Gehwegoberflächen im südlichen Teil der Schützenstraße, in der Straße Am Dechantsberg bis zur Einmündung der Eichendorffstraße und in der Eichendorffstraße selbst sind in einem schlechten Zustand", so Kai Niedergesäß. "

1965 gebaut

Außerdem hat ein Baugrundgutachten ergeben, dass der Untergrund nicht tragfähig ist und die Frostschutzschicht der 1965 gebauten Straßen nicht ausreicht. Weiter sind die rund 60 Jahre alten Abwasserleitungen so schadhaft, dass sie erneuert werden müssen."

Eine Kamerabefahrung habe im Hauptkanal Risse, Fremdwassereintritte, Wasserrückstau, Korrosionen und nicht fachgerecht eingebaute Stutzen offenbart. In den Hauswasseranschlüssen sehe es ähnlich aus, dort hätten sich auch Wurzeleinwüchse, Geröllablagerungen oder Spaltbildungen gezeigt.

Wie der Bauingenieur weiter mitteilte, sei das Projekt "nicht einfach", da sehr viele Versorgungsleitungen in den Straßen und Gehwegen neu verlegt werden müssten. Die Kosten dafür würden aber nicht auf die Anlieger umgelegt werden. Der Ausschuss stimmte den vorgestellten Ausbauvarianten zu, wobei der Beschluss vom Stadtrat in der nächsten Sitzung bestätigt werden muss.

Nur noch ein breiter Gehweg

So wird es in der Schützenstraße nicht mehr zwei, sondern nur noch einen, aber verbreiterten Gehweg geben. In der Straße "Am Dechantsberg" wird der bestehende Gehweg neu angelegt. Weiter werden die vorgesehenen Stellflächen für die parkenden Fahrzeuge gepflastert und die Ausweichbuchten im Bereich der Zufahrten der Grundstücke asphaltiert.

Die Eichendorffstraße erhält eine leicht verschwenkte Straßenführung und einen, die Seiten wechselnden Mehrzweckstreifen. Dafür entfällt der bisherige Gehweg. Parallel zu dem neuen Mischwasserkanal wird ein Fremdwasserkanal für Hang- und Sickerwässer bis zum Hausanschluss verlegt. Wie Perry Alka auf Nachfrage angab, sei die Einleitung von Fremdwasser in den Mischwasserkanal laut der Entwässerungssatzung der Stadt verboten.

Die Kosten für den Straßenbau sind auf 551 000 Euro und für den Kanalbau auf 381 000 Euro geschätzt worden. Während die beitragsfähigen Kosten für den Straßen- und Gehwegneubau zu 70 Prozent auf die Anlieger umgelegt werden, werden nur 25 Prozent der Kosten für den Kanalneubau der Straßenentwässerung zugerechnet und damit beitragsfähig. 75 Prozent der Kosten für den Kanalneubau wiederum werden über die Gebühren finanziert.

Mit dem Baubeginn ist im Monat Mai zu rechnen, mit der Fertigstellung im Sommer 2014. "Das ist ein völlig normales Bauvorhaben", betonte Bürgermeister Rudi Eck, "wie es jedes Jahr in der Stadt notwendig wird." Es sei auch nicht unnötig, wie die Bürger geklagt hätten. Eine Straße gelte bereits nach 25 Jahren als "verbraucht", und die zu erneuernden Straßen seien bereits 48 Jahre alt. Es sei auch nicht sinnvoll, den oberen Teil der Schützenstraße einzubeziehen, da hier sowohl die Straße als auch der Kanal noch in Ordnung seien.

Der Ausschuss beschloss weiter, in der Straße "Am Dechantsberg" einen Abschnitt zu bilden, so dass nur die betroffenen Anlieger zu den Kosten herangezogen werden. In der Schützenstraße wiederum erfolgt ein Teilstreckenausbau, für den alle Anlieger in der gesamten Straße herangezogen werden. Im Finanz- und Hauptausschuss schließlich stimmten die Stadträte dafür, dass die Vorausbescheide, die jeweils mit dem tatsächlichen Baubeginn verschickt werden, in zwei Raten am 1. Juni und am 1. Dezember gezahlt werden können. "Damit gibt sich die Stadt bürgerfreundlich", lobte Stephan Schneider. Auch diese Beschlüsse muss der Stadtrat noch bestätigen.