Wer Pippo Pollina einmal gehört hat, dürfte ihn nie wieder vergessen. Der Italiener verfügt über eine faszinierende, intensive Stimme. Sie entfaltet bei langsamen, fast melancholischen Liedern Schmelz, kann aber auch wie eine Rockröhre klingen. Seine Texte sind tiefgründig, seine Musik mitreißend.

"Über die Grenzen trägt uns ein Lied mit sich fort", so lautet eine seiner vielen musikalischen Botschaften, mit der er Völker verbindet und die beim Publikum besonders gut ankommen. Eine Botschaft, die er heuer auf seiner internationalen Tournee "L'appartenenza" durch Italien, die Schweiz, Deutschland, Österreich und Frankreich bis in die USA tragen wird.
Er dürfte damit die Herzen seiner Zuhörer gewinnen, wie man in Haßfurt spüren konnte.

Einen Tourneetermin ergattert

Petra Lettang vom Kulturamt Haßfurt hatte Pippo Pollina bereits im letzten Jahr mit Werner Schmidbauer und Martin Kälberer präsentiert. Nun war es ihr gelungen, noch einen freien Tag in dieser Tournee zu ergattern. Sehr zur Freude der Besucher aus dem ganzen Landkreis und darüber hinaus.

Mancher hatte den charismatischen Sänger und Liedermacher schon auf seinem Abschlusskonzert 2013 mit Schmidbauer und Kälberer in der Arena von Verona zusammen mit 10 000 anderen Fans gefeiert und nutzte nun die Gelegenheit, Pollina quasi "vor der Haustüre" zu hören.

Zumal er einige seiner neuen Lieder von der gerade erschienenen CD "L'appartenenza" vorstellte, durch die er, wie schon der Titel "Zugehörigkeit" verrät, mit anderen Menschen in Kontakt treten möchte.

Ausgezeichnete Musiker dabei

Begleitet wird Pollina von Musikern, die die Stimmung seiner Texte herrlich unterstreichen und sich ekstatisch in Improvisationen verlieren können. Gerade Roberto Petroli übernahm eine tragende Rolle mit seiner klagenden Klarinette, seinen schluchzenden und juchzenden Saxophonen und dem sphärisch klingenden Electric Wind Instrument.

Aber auch der Gitarrist Max Kämmerling, der Bassist Luca Lo Bianco, der Schlagzeuger Fabrizio Giambanco und der Keyboarder und Akkordeonist Tino Horat faszinierten durch solistische Kostproben und rhythmischen Groove. Als besonderen Überraschungsgast bat Pippo Pollina zudem den "besten süditalienischen Gitarristen", wie er sagte, Francesco Buzzurro, auf die Bühne. Dieser stellte sich mit einem atemberaubenden Solo vor, bei dem er gleichzeitig Melodie, Begleitung und Rhythmus spielte, bevor er mit Pippo Pollina, der sich am Klavier begleitete, das expressive "Nostalgia de Tango" intonierte.

Mit großer Herzlichkeit hatte der sprachbegabte Pippo Pollina "lauter Franconia" willkommen geheißen. Als sich auf seine Frage: "Wer von Ihnen spricht italienisch?" nur einige Zuhörer meldeten, fügte er scherzend an: "Gibt es bei euch keine Volkshochschule?" Angst, ihn nicht verstehen zu können, musste aber niemand haben.

Gepflegtes Deutsch

In bestem Deutsch mit Schweizer Intonation führte der Wahlschweizer sein Publikum durch das Programm, erzählte aus seiner bewegten Biographie, die von sozialem und künstlerischem Engagement geprägt ist, berichtete, wie das eine oder andere Lied entstanden ist, und ließ manchmal auch einen deutschen Text auf der Leinwand hinter der Bühne mitlaufen. So konnten sich die Zuhörer auf seine kraftvolle Stimme, seine lyrischen Balladen, seine Protestlieder, seine sehnsuchtsvollen Melodien und seine Ohrwürmer konzentrieren und begeistert mitklatschen und mitsingen.