Ein wenig konnte sich Haßfurt am Freitagabend im Glanz der Jazz-Hauptstadt New York sonnen: denn zwei internationale Top-Jazzmusiker, der Saxophonist Dick Oatts und der Trompeter John Marshall, beehrten die Kreisstadt in der Reihe "Jazz mal anders" des Kulturamtes Haßfurt.

Sie spielten mit dem Trio Bernhard Pichl (Klavier), Rudi Engel (Bass) und Florian Kettler (Schlagzeug) unter dem Leitmotiv "Jazz from New York II". Das Publikum im vollbesetzten Gewölbekeller der Stadthalle konnte angesichts des atemberaubenden Spiels nur staunen und sich mit ganz viel Applaus bedanken.

Erst ein wenig schüchtern

"Mir hat es super gefallen", sagte am Ende des überwältigenden Abends Eva Lenhard aus Obertheres. "Das Programm war sehr abwechslungsreich, und ich fand es schön, dass es zwar moderner, aber immer noch melodiöser Jazz war.
Besonders beeindruckend war die Kommunikation der Musiker untereinander: erst ein wenig schüchtern und dann immer lockerer und waghalsiger. Jeder Musiker bekam Raum für Soli, auch wenn die Bläser natürlich führten. Insgesamt war es ein guter Mix aus Funk, Hard Bop und Jazz."


Fast drei Stunden lang war es den Zuhörern vergönnt, die beiden Gastmusiker mit dem in Haßfurt seit sechs Jahren hoch geachteten Trio zu erleben. Dick Oatts war am Morgen erst aus New York gekommen, um kurz nach einem ersten Zusammenspiel dieses herausragende Konzert zu geben. So wie er gleich beim ersten Stück "One for Benny" aus seiner Feder loslegte, mit einem aberwitzigen, technisch wie musikalisch brillanten Solo in einem enormem Tempo und einem sehr stark rhythmisierten Stil, so verzückte er das Publikum auch den Rest des Abends.

War die Musik auch modern, so lud sie doch zum Träumen ein. Zum Lauschen auf die schönen Melodien und Klänge, auf den Pulsschlag, der sich immer wieder erhöhte, reduzierte und zu neuer Ekstase aufschwang, und auf die Komplexität der unterschiedlichen Stimmen, die dieses Quintett scheinbar mühelos zu einem harmonischen Ganzen zusammenführte. Wie ein Funkenregen sprühten die schier unerschöpflichen musikalischen Ideen von Dick Oatts, aus dessen Feder fast alle Kompositionen stammten.

Marshall singt "Little Girl"

John Marshall griff die Themen auf, jonglierte mit den Melodien und setzte neue Akzente, um sich mit Dick Oatts zu Höchstleistungen anzustacheln. Auch seine Singstimme durften die Zuhörer genießen, als er "Little Girl" von Nat King Cole darbot.

Grandios agierte Florian Kettler, der mit beiden Stars und dem Rhythmus unglaublich leichtfüßig "spielte" und sich stärker als sonst profilieren durfte. Seine Musik, die reich an Klängen und den kompliziertesten Rhythmen ist, sich nie in den Vordergrund drängt, aber doch ebenso reizvoll wie unverzichtbar für den Gesamteindruck erscheint, kam sehr gut an.

Rudi Engel, der Routinier am Bass, ließ sein Instrument auf eine Weise murmeln, grooven und singen, dass die Zuhörer großen Spaß daran hatten, in Korrespondenz zu seinem Spiel mit den Beinen zu wippen. Die Finger von Bernhard Pichl wiederum suchten die Tasten wie von selbst, sind sie doch bestens vertraut mit Harmonien, perlenden Läufen und Akkorden. So brachte der Pianist mit seinen Improvisationen bewundernswerte Leichtigkeit und Farbe ins Spiel. Nach drei Stunden, die wie im Flug vergangen waren, gab es den "Brooks Blues" von Dick Oatts als Zugabe, und das Quintett setzt nach dieser gelungenen Premiere seine Tournee durch Süddeutschland und Österreich fort.