"Man darf nicht fragen: braucht der Mensch Kultur? Auch die Frage: Wie viel darf Kultur kosten? ist zu kurz gefasst. Denn wer den Menschen Kultur verwehrt, macht sie gleichförmig, stumpf und gleichgültig." Petra Lettang, Leiterin des Kulturamts der Stadt Haßfurt, beschäftigt sich nicht nur von Amts wegen mit dem Begriff Kultur, sondern auch aus großem Interesse. Sie hat mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln für die letzten Monate des Jahres wieder ein ansehnliches Kulturprogramm organisiert und stellte sich bei der Herausgabe des neuen Faltblattes einigen Fragen.

Kultur nicht nur für Wohlhabende

So sieht sie ihre Aufgabe nicht nur darin, Veranstaltungen anzubieten. Sie möchte auch die Bevölkerung dazu anregen, sich mit dem Begriff Kultur auseinanderzusetzen. Die mahnenden Worte einiger Stadträte, den Kulturetat der Stadt Haßfurt immer wieder zu prüfen, haben ihren Teil zur öffentlichen Diskussion beigetragen. "Wir brauchen in Haßfurt den Meinungsaustausch, damit deutlich wird, wie notwendig Kultur ist, wie viele Facetten sie bietet, was sie zur Stadtentwicklung beitragen kann und dass sie nicht nur Menschen angeboten werden darf, die wohlhabend sind", betonte Petra Lettang. "Wobei Kultur nicht nur die Künste, Bildung und Wissenschaft einschließt, sondern auch Lebensformen, die Grundrechte des Menschen, Wertesysteme, Glaubensrichtungen, Baukultur, Denkmalschutz und Stadtentwicklung."

Kulturelle Angebote müssen sich entwickeln

Sie könne der Aussage der Stadt Ehingen nur zustimmen, die da lautet: "Kultur ist weder eine freiwillige noch eine kommunale Pflichtaufgabe, sondern schlicht eine Notwendigkeit in einer Stadt. Sie ist zu einem harten Standortfaktor einer Kommune geworden. Hier drücken sich menschliche Lebensgestaltung und Aktivitäten aus. Vor allem in einer sich ständig wandelnden Gesellschaft und einer sich stetig erneuernden Medienlandschaft muss sich eine Kulturlandschaft regelmäßig neu definieren und neu ausrichten. Erst Kultur macht eine Stadt wohnlich, lebenswert, urban." Wobei Kultur auf einem Weitergeben von Generation zu Generation und von einem Volk an ein anderes beruht. "Nur wenn ich weiß, aus welchen Wurzeln sich beispielsweise die moderne Musik entwickelt, kann ich sie auch begreifen", so Petra Lettang. "Daher ist die Vielfalt bei den musikalischen Angeboten, aber auch in anderen Bereichen sinnvoll und notwendig." Außerdem müssten sich die kulturellen Angebote immer wieder weiter entwickeln.

Kultur als Bürgerrecht

Die Kulturamtsleiterin tauscht sich gerne mit Kulturamtsleitern anderer Städte aus. "Die Stadt Freiburg hat in ihrem ‚Leitbild kulturelle Stadtentwicklung‘ betont, dass die Kommune durch die Förderung des Kulturlebens eine Pflicht-Verantwortung für die Einlösung des Bürgerrechts auf Kultur habe", sagte sie. Auch sie sei der Meinung, dass sich nur durch eine lebendige Stadtkultur den Bürgern notwendige Gelegenheiten und Räume eröffnen, in denen und über die sie nicht nur miteinander um Geltung, Mittel und Aufmerksamkeit konkurrieren, sondern auch Weltbilder und Glaube reflektieren und über zentrale Sinnfragen streiten können. Kultur sei untrennbar verbunden mit zentralen Sinnfragen. "Die Frage, in welcher Art von Gesellschaft wir leben wollen, ist hochaktuell und hat mit Vergnügen nicht zwingend zu tun", erklärte sie. "Kultur ist mehr, Kultur definiert unsere Identität und der Ort der Kultur ist die Stadt." Gerade angesichts der erfreulichen Nachricht, dass Haßfurt vom Bezirk Unterfranken die Ausrichtung der "Unterfränkische Kulturtage" und des "Tages der Franken" im Jahr 2020 aufgrund ihrer herausragenden kulturellen Arbeit in den letzten Jahren erhalten habe, brauche die Stadt eine dynamische Kulturentwicklung.

Die kulturellen Schwerpunkte in Haßfurt:
Im aktuellen Kulturprogramm, das im September beginnt, hat Petra Lettang vom Kulturamt Haßfurt den Schwerpunkt auf Musik gelegt. Aber auch das 25-jährige Bestehen der Stadthalle wird gewürdigt.

Nachwuchsförderung Seit seiner Gründung 2007 hat das Kulturamt Nachwuchskünstler und Bands aus der Region gefördert. Dazu zählt die Sängerin Carolin No (20. September). Als regionale Bands sind zu Gast "Groovekiller" (4. Oktober), "Christine set the scene" (5. Oktober), "Famos" (Soul, Pop, Blues & Country, 31. Oktober), "The Fratermen" (Rock, Pop & Soulklassiker, 8. November), die "Schweinsohrselection" (Soul, Funk, Rock, 16. November), "60's alive" (Songs der 60er-Jahre, 29. November), "Pioneros Latinos" (Latin-Jazz, 29. November) und "Judy Harper" (Winter Songs & Tales, 3. Dezember).

Klassiker Gute alte Songs bieten Steve Chapple, Jerry James & Friends (Rockklassiker, 27. September) und "MerQury & The Berlin Symphony Ensemble (Queen-Klassiker, 18. Oktober) sowie Ray Wilson, Ex-Sänger von Genesis, und sein Quintett (Genesis-Klassiker, 22. November).

Spezialitäten Erstmals einen Soulabend bieten "Soul Bizz" (Soul/Blues, 2. Oktober); ebenso Klezmermusik mit den "Noisten" (29. November); "Pavlo" und seine Band spielen mediterrane Musik, 28. September. Caféhausmusik spielt das "Salontrio Ferenc Barbari" am 17. November.

A Capella "Six Pack" sind zu Gast am 10. Oktober

Bluesnacht auf den 11. Oktober fällt die fünfte Bluesnacht; Die "Bavarian Classic Jazzband" bietet Hotjazz, Gospel, Blues & Spirituals am 8. Dezember. "Jazz mal anders" mit Bernhard Pichl (Klavier), Rudi Engel (Bass) und Florian Kettler (Schlagzeug) wird fortgesetzt mit Sandy Patton, (Songs from the Broadway, 9. November) und Gitarrist Michael Arlt (13. Dezember).

Exoten Für fränkische Lausbubenmusik ist "Häisdn'n däisd vomm Mee" bekannt (12. Oktober). Erstmals da sind "Vorsicht Gebläse" (Rock, Pop, Funk, 2. November), das Duo "tete-a-tete" (Hommage an Edith Piaf, 22. November) und die U2-Tribute-Band "U 2 Experience" (30. November).

Weihnachten Etwas andere "Weihnachtskonzerte" bieten die "String of Pearls" (14. Dezember), das Trio "Famoser Saitenzauber" (20. Dezember), "Huebnotix & Strings" (21. Dezember), die Doors Tribute Band "Light my fire" (26. Dezember) und Sängerin/Harfenistin Judy Harper (Irische Segenslieder, 29. Dezember).
Ein Programm für Kinder, Theater, Kabarett, Multivisionsvorträge, Kunstreisen und Lesungen runden das breitgefächerte Angebot ab.