Wie viele Knie und Hüften spazieren draußen herum, die im grün gekachelten Haßfurter Operationsraum geboren wurden? Einige Hundert Bürger aus dem Landkreis Haßberge dürften es sein, die hier ihren alten, verschlissenen Gelenkknochen gegen ein Implantat ausgewechselt bekamen. Computergesteuert auf den Millimeter genau eingesetzt.

Kräftigung der Krankenhausstruktur auf dem Land

Um als "kleines Haus" gegenüber den großen Klinikkomplexen im Umland nicht abgehängt zu werden, hatten sich die Verantwortlichen im Landkreis früh um Spezialisten beworben, früh in Modernisierung investiert. Und nun wird wieder ein wichtiger Schritt getan, den noch der frühere Klinikchef Stephan Kolck in die Wege geleitet hatte: 40 Jahre sind die Operationssäle in etwa alt. Vier Jahrzehnte haben sie gehalten. Jetzt sind ihre Tage gezählt, das Haus Haßfurt der Haßberg-Kliniken bekommt einen Neubau mit Platz für erneut drei Säle.

Mehr müsste man in München genehmigen lassen, erklärt die neue Chefin der Haßberg-Kliniken, Vera Antonia Büchner, im Gespräch. Denn im allgegenwärtigen System der Leistungserbringung ist die Auslastung der bisherigen drei OP-Säle nachzuweisen. Ein weiterer wäre nur genehmigungsfähig, wenn man den tatsächlichen Bedarf belegen kann.

Es braucht ihn aber nicht. Mit der Endoprothetik (Implantate) im Haus Ebern und mit ihren Leistungen in Haßfurt können es die Haßberg-Kliniken mit größeren Häusern aufnehmen: Von der operativen Behandlung von Hernien (Geweberisse) über die Schilddrüsen-OP bis hin zur Versorgung von Brüchen und jetzt auch der Gefäßchirurgie haben die Bürger im Landkreis ein umfangreiches Angebot in Haßfurt, um den Aufenthalt in einem großen Klinikum umgehen zu können.

Den Beschluss des bayerischen Kabinetts hatte Landtagsabgeordneter Steffen Vogel am Montag verkündet. Insgesamt 3,3 Milliarden Euro fließen aktuell in laufende Projekte für bayerische Kliniken; knapp zwei Milliarden Euro kommen dabei Projekten außerhalb der Ballungszentren zugute. Der Neubau der OP-Abteilung am Haus Haßfurt steht nun im ersten Bauabschnitt mit 15,88 Millionen Euro im Jahreskrankenhausbauprogramm 2021.

Die Vorstandsvorsitzende der Haßberg-Kliniken, Vera Antonia Büchner, erläutert, was geplant ist: In dem neuen Trakt, der am Wirtschaftshof des Hauses Haßfurt angedockt wird, entstehen drei OP-Säle und eine Sterilisationsabteilung. Insgesamt soll der Umbau bis zum Jahreswechsel 2023/24 abgeschlossen sein, schließlich lässt sich vieles nicht einfach so aus dem Boden stampfen.

Bedingungen müssen stimmen

Damit im OP ein Chirurg sein Messer ansetzen kann, braucht es außenherum erst einmal eine ganze Reihe von Bedingungen, die erfüllt sein müssen: Lagerflächen für OP-Tische und für eine Fülle von Instrumentarien, Umkleideräume, Personalräume, einen Raum für Röntgenschürzen und viele weitere Kleinigkeiten bis hin zu dem Raum für die "OP-Schuh-Waschmaschine". Eingeplant sein muss nicht nur die "Schleuse" mit dem Bettenwechsel des Patienten, vorgeschrieben sind auch "unreiner" und "reiner" Raum. Schließlich müssen alle Wege genau durchdacht und vorgezeichnet sein.

Selbst die Temperatur ist ein Faktor: Die Belüftung mit spezieller Reinigung hält genau die konstante Gradzahl ein, von der nachgewiesen ist, dass sie die Viren- und Bakterienlast gering hält und somit das Infektionsrisiko niedrig ist.

Wenn man so will, kommt der Neubau jetzt "passend". Denn für die erfolgreiche Chefärztin Heidrun Schättin (Schlüsselloch-Chirurgie), die bald in den Ruhestand geht, wird ein Nachfolger gesucht. Sollte er bald gefunden werden, darf er auch ein Wörtchen mitreden. Die Ausstattung der OP-Säle wird mitbestimmt durch die Eingriffe, die dort vorgenommen werden. Der Markt der Medizintechnikanbieter ist groß, das "Spielzeug" für Chirurgen faszinierend. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.